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    Würzburg

    Gelungenes Chanson-Musical: "Das kunstseidene Mädchen"

    Musikalische Romanumsetzung: Karoline Troger als junge Stenotypistin Doris im Stück 'Das kunstseidene Mädchen' in der Theaterwerkstatt.
    Musikalische Romanumsetzung: Karoline Troger als junge Stenotypistin Doris im Stück "Das kunstseidene Mädchen" in der Theaterwerkstatt. Foto: Markus Rakowsky

    Es gibt da so Romantitel, die haften wie pappiger Honigsulz an eigentlich großartigen Werken. „Das kunstseidene Mädchen“ etwa klingt doch eher nach Groschenroman als nach fesselnder, blitzgescheiter Lektüre. Die Autorin Irmgard Keun hatte in Sachen Menschenkenntnis und Abschätzung drohender politischer Katastrophen wirklich was auf dem Kasten und stand so bei den Nazis nicht umsonst auf einer schwarze Liste von Werken mit „antideutschen Tendenzen“. Die Würzburger Theaterwerkstatt zeigt jetzt eine famose, nicht genug zu lobende musikalische Umsetzung des Romans rund um eine lebenshungrige, naive, aber auch durchaus reflektierte junge Frau.

    Deutschland in den 1930er Jahren, irgendwo in der Provinz. Dort möchte die junge Stenotypistin Doris (Karoline Troger) mehr vom Leben. Sie träumt davon, im trubeligen Berlin „ein Glanz zu werden“. Doch ihre Träume von Luxus, Highlife und Aufstieg zerplatzen wie Seifenblasen angesichts gescheiterter Beziehungen, ausbleibender Theater Engagements und Weltwirtschaftskrise. Und für Doris selbst bleibt alles fadenscheinig und unecht, Kunstseide eben...

    Regisseur Thomas Lazarus macht aus der gelungenen musikalischen Romanumsetzung von Rainer Bielfeldt Carsten Golbeck einen stimmungsvollen mitreißenden Theaterabend, mit viel Augenmerk auf Zeitkolorit, Details und ernster, aber auch witziger Textpassagen. Er lässt den beiden Protagonisten, Andreas Albiez (Klavier) und Karoline Troger als Doris genügend Raum zur Entfaltung ihrer jeweiligen Fertigkeiten.

    Albiez reißt seine Zuhörer mit, spielt mal schmissig Tango- oder Schlagermelodien im Stil der 30er Jahre, gleichsam auch zart und zurückhaltend. Er legt so den Grundstein für das fast schon magische Singen und Spielen von Karoline Troger. Sie fesselt, ganz jenseits ihrer stimmlichen Professionalität und spielerischen Bühnenpräsenz, durch die grundsympathische Darstellung einer nach mehr „Glanz“ strebenden jungen Frau. So schmachtend sehnsuchtsvoll wurde vorher wohl noch kaum ein Pelzcape besungen oder bekam ein kleiner Satz aus „Wallenstein“, nämlich „Base, sie wollen fort“ mehr komische Betonung.

    „Das kunstseidene Mädchen“ als Chanson-Musical kann so bestimmt auch den ein oder anderen Skeptiker überzeugen, das Publikum zeigte sich jedenfalls rundum begeistert.

    Nächste Vorstellungen am 4., 6. und 7. Dezember, Beginn 20 Uhr. Karten unter Tel.: (0931) 594 00.

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