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    Waldbüttelbrunn

    Gemeinderat Waldbüttelbrunn wehrt sich gegen die Obrigkeit

    "Ich kann nicht verstehen, dass ein 80 Jahre gewachsener Baum mit einem einen Meter hohen nachgepflanzten Baum gleichgesetzt wird", ärgert sich Bürgermeister Klaus Schmidt und hat dabei sicher auch die Aufforstungsfläche der Firma Benkert vor dem Werksgelände in Roßbrunn im Kopf.  Foto: Thomas Fritz

    Der Bau eines Damwildgeheges und die Aufforstung von Ackerland: Beidem stimmten die Waldbüttelbrunner Gemeinderäte nicht zu. Aber in beiden Fällen konnten sie sich nicht durchsetzen. Behörden überstimmten die beiden Entscheidungen. Der Frust im Gemeinderat ist groß. 

    Da ist zum einen ein Damwild-Gehege im Ortsteil Roßbrunn. Das  Landratsamt Würzburg hat die Entscheidung des Gemeinderates zurückgenommen und eine nachträgliche Baugenehmigung erteilt. Das Landratsamt vertritt die Auffassung, dass der Bauherr einen Anspruch auf eine Baugenehmigung habe. Dass der Gemeinderat diese nachträglich ablehnte, sei rechtswidrig. Damit wird eine schon gebaute Anlage nachträglich durch die Kreisbehörde genehmigt.

    Ein Schwarzbau wird nachträglich genehmigt

    Das Damwildgehege im Außenbereich war ohne Baugenehmigung errichtet worden. Nachdem der Gemeinderat einen nachträglich  eingereichten Bauantrag ablehnte, verpachtete der ursprüngliche Bauherr das Grundstück an einen Landwirt. Landwirte gelten als privilegiert. Ihre Bauvorhaben im Außenbereich sind in vielen Fällen zulässig. So konnte das Damwildgehege nachträglich "geheilt" werden. Ein durchaus legitimes Verfahren, wie Bürgermeister Klaus Schmidt (SPD/Unabhängige Bürger) feststellte. 

    Ingrid Metz (Bündnis 90/Die Grünen) ist damit nicht einverstanden. "Hier wird etwas legitimiert, was illegal errichtet worden ist." Und auch ihr Fraktionskollege Karl-Heinz Ursprung fand, dass "der ehrliche Antragsteller der Dumme ist, wenn das so durchgeht". Andreas Gese (Freie Wähler) warf ein, dass man aus dem Dilemma lernen müsse. Schließlich habe der Rechtsanwalt dazu geraten, bei Ablehnungen zukünftig bessere Begründungen in die Rats-Beschlüsse einzuarbeiten. Hier sei die Verwaltung gefordert, mehr Informationen einzubringen.

    "Der ehrliche Antragsteller ist der Dumme."
    Gemeinderat Karl-Heinz Ursprung (Bündnis90/Die Grünen)

    Kathrin Hackel (CSU) plädierte dafür, die Sache ruhen zu lassen, da die Aussicht auf Erfolg vor Gericht gleich null sei. Daniel Steinmetz (SPD/Unabhängige Bürger) vertrat die Meinung, dass man es sich als Gemeinde gönnen sollte, zu klagen. Dafür hat sich der Gemeinderat auch mehrheitlich entschieden.

    Gemeinderat lehnt Aufforstungsflächen ab und klagt dagegen

    In einem anderen Fall hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Aufforstungsflächen auf Ackerland gegen den Willen des Gemeinderates genehmigt. Die in Thüngersheim ansässige Baustoff-Firma Benkert sucht nach solchen Flächen, um weitere Waldflächen für die Erweiterung ihres Steinbruchs roden zu können. Auch das wollen sich die Waldbüttelbrunner Gemeinderäte nicht gefallen lassen und beschlossen, gegen jede einzelne Genehmigung zu klagen. 

    Grundsätzlich sei man für eine Aufforstung von ökologisch sinnvollen Flächen, aber die gehäufte Antragstellung in den letzten Monaten ließ die Gemeinderäte hellhörig werden. "Ich habe eine Wut, dass wir von den übergeordneten Stellen überstimmt werden", fand nicht nur Ingrid Metz. Auch Bürgermeister Schmidt äußerte sich ungewohnt offen. "Ich kann nicht verstehen, dass ein 80 Jahre gewachsener Baum mit einem einen Meter hohen nachgepflanzten Baum gleichgesetzt wird". Peter Schulz (fraktionslos) brachte es auf einen Nenner: "Ich fühle mich abgewatscht".

    Auch wenn die Aussicht auf Erfolg sehr gering ist, der Gemeinderat ist bereit, ein Zeichen zu setzen, dass man nicht alles schluckt, was "von oben" angeordnet wird. Die Klagen sollen fortgeführt werden.

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