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    WÜRZBURG

    Gericht honoriert Geständnis mit Milde

    An den Pranger gestellt fühlt sich der Ex-Vorsitzende eines Kitzinger Vereins zur Förderung von Schülern. Dies empfindet er als ebenso einschneidend wie die Haftstrafe ohne Bewährung, zu der ihn 2015 das Amtsgericht Kitzingen verurteilt hatte.

    Der Mitbegründer des Vereins bei einer Grundschule im Kitzinger Stadtteil „Siedlung“ hatte in die Vereinskasse gegriffen, nachdem sein Geschäft in der EDV-Branche finanziell in Schräglage geraten war. Der Streit zieht sich seit 2012 hin, als der Mann nach Bekanntwerden finanzieller Unregelmäßigkeiten den Vorsitz nicht ganz freiwillig aufgab.

    Der Verein – dem bei der Amtsübergabe unter ebenso fadenscheinigen wie wechselnden Begründungen Ordner voller Unterlagen vorenthalten wurden – drohte sogar seine Gemeinnützigkeit zu verlieren. Der Förderverein hatte – nachdem er von seinem Ex-Vorsitzenden immer wieder hingehalten und vertröstet worden war – versucht, 22.000 Euro im Zivilprozess vor dem Landgericht einzuklagen.

    Der öffentliche Schlagabtausch mit der neuen Vereinsführung lädierte den Ruf des Mannes, der zuvor als sozial engagierter Geschäftsmann und Kommunalpolitiker gegolten hatte. Das verstärkte sich noch, als er im Jahr darauf vor dem Strafrichter stand und ins Gefängnis sollte. Er verlor alle sozialen Kontakte und sein Ansehen. Seine Ehe habe er nur mit Mühe retten können. Er sei weit weg gezogen, um von vorne zu beginnen, sagt er. Seine neue Adresse nennt er jetzt nur zögernd und halblaut.

    Vor Gericht ist er nun wieder, weil er ebenso in Berufung ging wie die Staatsanwaltsschaft, der das Urteil zu milde schien. Vor dem Landgericht wirkt der Angeklagte gebrochen – im Gegensatz zu seinen zwei vorherigen Auftritten vor Gericht: Im Zivilprozess hatte er 2014 hinhaltend agiert, sich erst zur Rückzahlung von 15 000 Euro bereit erklärt – aber nur stockend bezahlt. Im Strafverfahren vor dem Amtsgericht Kitzingen hatte er gar abgestritten, 30 000 Euro in die eigene Tasche gesteckt und einen Geschäftspartner um eine Zahlung von 6000 Euro betrogen zu haben.

    „Wovon will er das denn bezahlen, wenn er gerade wieder auf die Beine kommt?“
    Vorsitzender Richter Michael Schaller zu Geldauflage für den Angeklagten

    Doch die Einschnitte in seinem Ansehen und schmerzliche Folgen für sein Privatleben waren wohl zu gravierend und bewogen den Mann, einen Schluss-Strich zu ziehen: Er verkaufte seine Firma sowie eine Eigentumswohnung, um seine Schulden zurückzuzahlen. Dann zog er nach Südbayern, wo er nun in einer Behinderteneinrichtung als Angestellter arbeitet.

    Laut der Belege, die sein Verteidiger vorlegt, ist der Schaden beglichen. Er habe sein Amt zeitweise nicht pflichtschuldig ausgeübt und entschuldige sich beim Förderverein dafür, lässt er den Anwalt sagen.

    Selbst die Staatsanwältin forderte da in ihrem Plädoyer „nur“ noch eine Haftstrafe von zwei Jahren zur Bewährung – aber zusätzlich eine Geldauflage von 20 000 Euro. „Wovon will er das denn bezahlen, wenn er gerade wieder auf die Beine kommt?“ fragte der Vorsitzende Michael Schaller.

    Er folgte dem Antrag der Verteidigung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten Haft. Schaller begründete das nicht nur mit Geständnis und Wiedergutmachung. „Er stand am Pranger!“ Überdies habe die Gefahr bestanden, dass Nachermittlungen nötig würden, wozu das Geld verwendet wurde. „Das ist unklar.“

    Eine kleine Kröte hatte der Verurteilte noch zu schlucken: 1500 Euro muss er als Geldauflage an die Telefonseelsorge zahlen.

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