• aktualisiert:

    Bergtheim

    Geschenkeverzicht beschert Krisendienst eine Spende

    Den Spendenbetrag von 1643 Euro übergab Sebastian Göbel an Sonja Liebig, die stellvertretende Leiterin des Krisendienstes am Kardinal-Döpfner-Platz in Würzburg. Foto: Irene Konrad

    "Ich bin froh, wenn ich helfen kann", sagt Sebastian Göbel aus Bergtheim. Er will kein Aufsehen erregen wegen seiner großzügigen Spende an den "Krisendienst – Hilfe bei Suizidgefahr". Nachdem ein guter Freund völlig unerwartet Suizid begangen hatte, kam Göbel die Idee, den Krisendienst zu unterstützen. Also nutzte er seinen 30. Geburtstag, verzichtete auf Geschenke und bat statt dessen um Spenden. 1643 Euro lagen am Ende in der Spendenbox.

    Mit seinem "wirklich guten Freund in München" hatte Sebastian Göbel noch dessen 30. Geburtstag gefeiert. Der Suizid nur einen Monat danach sei "völlig unerwartet" gewesen. Göbel kennt das Motiv nicht. "Man kann in den Kopf nicht reingucken", bedauert er.

    Rucksack voller Geld für den Krisendienst

    Als sein eigener 30. Geburtstag Mitte September näher rückte, war ihm klar, dass er keine persönlichen Geschenke wollte. Seine über 100 Gäste hatte er  eingeladen. Über Geschenke sollten sie sich keine Gedanken machen. Es gebe eine Spendenbox für den Würzburger Krisendienst. Das hätten all seine Gäste "richtig stark" gefunden, obwohl 90 Prozent von ihnen seinen Münchner Freund gar nicht persönlich kannten. Sebastian Göbel hatte ihn kennengelernt, als er bis 2014 für vier Jahre beruflich in München gewesen war. Der Kontakt war weiterhin eng geblieben.

    Alle Münzen und Scheine, die im Karton gelandet sind, hat Sebastian Göbel zur Beratungsstelle des Krisendienstes am Kardinal-Döpfner-Platz gebracht. "Mir ist es noch nie passiert, dass jemand einen Rucksack voller Geld bei uns auf dem Tisch geschüttet hat", gesteht Sozialpädagogin Sonja Liebig.

    Hilfe für Menschen in Notsituationen 

    Zuvor sprachen die stellvertretende Leiterin des Krisendienstes und der Bergtheimer darüber, wie die Spende verwendet wird. Der Krisendienst hat Auslagen, die von den Trägern, den Zuschussgebern und dem Förderverein nicht gedeckt werden können. Dazu zählen Fortbildungen, Fachliteratur oder Ausgaben für die Ehrenamtsbegleitung und Supervisionen. Besonders wichtig sind für Sonja Liebig die zusätzlichen Kräfte am Telefon im Tagdienst. Diese unterstützen das hauptamtliche Team bei den Beratungsgesprächen am Telefon und persönlich von Montag bis Freitag zwischen 14 und 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. Sie und die Praktikanten kommen alle aus dem psychosozialen Bereich. Genauso wie die "professionellen Ehrenamtlichen", die täglich in den Abendstunden Bereitschaftsdienst leisten.

    An 365 Tagen im Jahr im Einsatz

    An 365 Tagen im Jahr steht beim Würzburger Krisendienst am Abend bis 0.30 Uhr ein Ansprechpartner zur Verfügung. Als Notdienst. Dann müssten die geschulten Mitarbeiter entscheiden, wie akut jemand gefährdet ist. Danach richtet sich ihre Hilfe. "Wir sind gut vernetzt mit allen Beratungsstellen und Hilfsdiensten", erläutert Sonja Liebig. Der Krisendienst will, "hilfreiche Begleitung" geben und die Menschen in ihren Fähigkeiten stärken". " Die Menschen sollen sich bei uns aussprechen dürfen. Wir bewerten nicht", erklärt die Liebig. Die Klienten sollen sich eingestehen dürfen, in einer Krise zu sein. "Manchmal reicht es schon, seine Gedanken aussprechen zu dürfen", weiß Beraterin Liebig. "Die Menschen sollen in Krisen einfach bei uns anrufen oder vorbeikommen. Wir sagen dann, wie es weitergeht", bittet sie.

    "Ich bin froh, dass ich meine Spendenaktion zum runden Geburtstag durchgezogen habe und meine Gäste mitgegangen sind", nickt Sebastian Göbel zustimmend. Ihm sei es weniger um seinen persönlichen Beweggrund als "um die Sache an sich" gegangen. "Der Krisendienst ist eine gute und wichtige Stelle", ist er überzeugt.

    Der "Krisendienst – Hilfe bei Suizidgefahr" ist eine ökumenische Einrichtung von Caritas und Diakonie, getragen von der Arbeitsgemeinschaft "Ökumenische Telefonseelsorge und Krisendienst Würzburg/Main-Rhön". Die Arbeit wird vom Bezirk Unterfranken mitfinanziert sowie von der Regierung von Unterfranken und der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern bezuschusst. Im Juni 2020 feiert der Krisendienst sein 30-jähriges Bestehen.
    Im letzten Jahr haben in Unterfranken 157 Menschen Suizid begangen. Im letzten Jahr kümmerte sich der Krisendienst in Würzburg um 500 Klienten in akuten Krisen und bei Suizidgefahr im Tagdienst und rund 700 Klienten im Nachtdienst.
    Infos gibt es unter www.krisendienst-wuerzburg.de oder telefonisch unter (0931) 571717.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!