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    Würzburg

    Gesucht: geeignete Infrastruktur für die freie Kulturszene

    Die ehemalige Faulenbergkaserne an der Nürnberger Straße in Würzburg steht seit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte leer. In der Stadt wird über eine zukünftige Nutzung bereits länger diskutiert. Nun sollen Kulturschaffende einziehen Foto: Thomas Obermeier

    Auf der Suche nach neuen Räumen für die freie Kulturszene der Stadt: In seiner Sitzung am Donnerstag soll der Stadtrat dem einstimmigen Votum des Kulturausschusses folgen und die Verwaltung beauftragen, bezahlbare Räumlichkeiten für Würzburger Künstler, Theater, Musiker und sozio-kulturelle Initiativen zu suchen. Im Blick haben Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Kulturreferent Achim Könneke dabei derzeit vor allem das geplante Stadtteilzentrum am Hubland "HUB27" und die Faulenberg-Kaserne.

    "Das kulturelle Leben in unserer Stadt wird immer differenzierter. Deshalb ist es nicht mehr so wie in den 1980er Jahren, als wenige Räumlichkeiten ausgereicht haben", betonte der OB am Mittwoch vor der Presse. Bei einem Treffen mit dem Dachverband Freier Würzburger Kulturträger wurde klar, dass geeignete und gleichzeitig erschwingliche Räumlichkeiten immer mehr zur Mangelware werden.

    Posthalle wird in absehbarer Zeit abgerissen 

    Dass die Posthalle in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen wird, erhöht zusätzlich den Druck – Einrichtungen wie der Musikbahnhof mit seinen 13 Proberäumen für 25 Bands und der Jugendkulturtreff "Immerhin" werden sich über kurz oder lang eine neue Heimat suchen müssen. Bei einer Online-Umfrage des Dachverbands wurde laut Könneke von 175 Kulturschaffenden ein Bedarf von rund 10 000 Quadratmetern bezahlbarer Räume angemeldet.

    Die Stadt vermiete schon seit vielen Jahren eigene Gebäude zu günstigen Preisen, zum Beispiel an das Theater Hobbit oder das Theater am Neunerplatz, betont Könneke: "Man muss den Künstlern ermöglichen, in ihrer Stadt zu existieren, schon bevor sie ausstellen oder auf die Bühne gehen. Wir sind aufgerufen, ihnen dafür die geeignete Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Das ist eine kulturpolitische Herausforderung."

    Kultur-Infrastruktur im HUB 27, in der Faulenberg-Kaserne und s.Oliver Arena 

    In der Vorlage für den Stadtrat sind explizit das künftige Zentrum für Soziales, Kultur, Bildung und Sport am Hubland (HUB 27), die s.Oliver Arena und die Faulenberg-Kaserne genannt. In der s.Oliver Arena werden laut Könneke nach dem Bau der neuen Multifunktionsarena an der Grombühlbrücke mehr Termine als bisher für Konzerte und Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Beim HUB 27 will die Verwaltung versuchen, mehr Räume als bisher geplant für Kulturschaffende auszuweisen. Und die Faulenberg-Kaserne kommt eventuell als künftiger Standort zum Beispiel für die Proberäume des Musikbahnhofs, das Immerhin und andere Initiativen in Betracht: "Auf die bestehenden Gebäude setzen wir als Kulturverwaltung die größte Hoffnung", sagte der Kulturreferent.

    Dazu muss die Stadt die ehemalige Kaserne der US-Streitkräfte aber erst einmal vom Bund ankaufen. Die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sind in vollem Gange. Der Oberbürgermeister ist nach dem letzten Arbeitstreffen vorsichtig optimistisch: "Wir sind ein paar Schritte weiter gekommen", so Schuchardt. Beim Treffen im Rathaus wurde der Leistungsumfang für ein Bodenwertgutachten festgelegt, auf dessen Basis dann über den Kaufpreis verhandelt wird.

    Beteiligung der Bürger wichtig

    Berücksichtigt werden müssen dabei unter anderem wie bei der Konversion der Leighton Barracks in den neuen Stadtteil Hubland die künftigen Nutzungen, Erschließungs- und Rückbaukosten und auch die mögliche Entsorgung von Altlasten. Nach dem Ankauf wird es dann ein Verfahren wie am Hubland mit Bürgerwerkstätten geben, kündigte der OB an: "Die Beteiligung der Bürger ist mir sehr wichtig, damit am Ende auch alle hinter dem Projekt stehen."

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