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    Giebelstadt

    Geyer-Festspiele: Die Bauern sind geschlagen

    Historisch nicht korrekt, aber effektvoll: Florian Geyer streckt seinen Erzrivalen Wilhelm von Grumbach (Stefan Ebert) nieder. Foto: Gerhard Meißner

    Das Spiel ist aus, die Bauern sind geschlagen. Fürstbischof Konrad von Thüngen hat grausame Rache genommen am Heer der Rechtlosen. Wie der Bauernkrieg, endet auch der Vierteiler auf der Giebelstadter Freilichtbühne, in dem Renier Baaken die Ereignisse des Jahres 1525 effektvoll in Szene gesetzt hat. Die Premierengäste der Florian-Geyer-Festspiele erlebten ein Wechselbad der Gefühle, dessen Wirkung ein heftiger Regenschauer noch verstärkte.

    Feuerzauber auf der Geyer-Bühne: Nur knapp sind die beiden kaiserlichen Gesandten Brun von Seckendorf (Rüdiger Scheer, l.) und Falk von Fulbach (Sven Haas) einem Hinterhalt entgangen. Foto: Gerhard Meißner

    Der Bauernaufstand ist im Chaos versunken. Erste militärische Erfolge haben die Rebellen siegestrunken und mordlüstern gemacht. Vergeblich hat Ritter Florian Geyer (Christian Grimm) Disziplin eingefordert. Stattdessen geben seine Bauernhaufen niederen Instinkten nach und machen sich empfänglich für das Intrigenspiel der Mächtigen.

    Showdown der Rivalen

    So weit hat Regisseur und Autor Renier Baaken in den ersten drei Teilen den Boden bereitet für das furiose Finale. Im letzten Teil mit dem Titel "Mitten ins Herz" kommt es zum Showdown der Rivalen. Erzbösewicht Wilhelm von Grumbach (Stefan Ebert) überfällt die Geyersche Burg und bringt seine Schwester Katharina (Diana Hufnagel) um, die sich mit dem Bauernführer eingelassen hat. Dafür nimmt der Geyer grausam Rache, stellt Grumbach und streckt ihn nach minutenlangem Kampf mit dem Schwert nieder.

    Florian Geyer (Christian Grimm) ist geschlagen. Söldner ergreifen und ermorden den Bauernführer. Der Truchsess Georg von Waldburg (Georg Leber) betrachtet die Szene im HIntergrund. Foto: Gerhard Meißner

    Während der Würzburger Stadtrat beim Kaiser um die Erhebung zur Freien Reichsstadt nachsucht und den Bauern die Tore öffnet, um Schaden von der Stadt abzuwenden, geraten deren Anführer in einen Hinterhalt und werden  ermordet. Die Bauern treibt der Truchsess von Waldburg (Gerhard Leber), ein brutales Opportunist in des Fürstbischofs (Volker Kleinfeld) Diensten, in den Main. Am Ende muss sich auch der Geyer seinen Häschern geschlagen geben. Gedungene Mörder stechen ihn nieder. "Lernt aus dem, was sich hier zugetragen hat, und lebet gut" ruft Erzähler Oliver Steiner in der düsteren Schlussszene dem Publikum zu.

    Wieder einmal hat Regisseur Baaken gemeinsam mit Stunt-Trainerin Ria Beinhölzl und Pyrotechniker Matthias Kellertief in die Theater-Trickkiste gegriffen, um der Inszenierung Wirkung zu verleihen. Atemberaubende Kampfszenen, Explosionen, Rösser, die im Galopp über die breite Bühne stieben, fesseln den Blick der Zuschauer ebenso wie die Mittelalter-Truppe "Mummenschanz", die in der Pause mit Gauklerei und Feuerzauber unterhält.

    Maliziöser Kirchenfürst: Fürstbischof Konrad von Thüngen, meisterlich gespielt von Volker Kleinfeld. Foto: Gerhard Meißner

    Und doch läuft die Aufführung nie Gefahr, zum reinen Spektakel zu werden. Allen voran gelingt es Geyer-Darsteller Christian Grimm, die Zerrissenheit der Hauptfigur, sein Schwanken zwischen Verzweifelung und Wut, glaubhaft zu verkörpern.Vor allem in seinem letzten Auftritt, als er dem Fürstbischof seinen ganzen Hass entgegen brüllt. Aber auch die anderen Protagonisten, allesamt Amateure, sind im Lauf der Zeit echten Charakterdarstellern gereift. Volker Kleinfeld als maliziöser Kirchenfürst, Michael Haßlauer als Ochsenwirt Georg Metzler oder Stefan Ebert, als der abgrundtief böse Wilhelm von Grumbach.

    Historischer Fehltritt

    Mit Letzterem hat sich Renier Baaken allerdings im Sinne der Dramaturgie einen historischen Fehltritt erlaubt. Tatsächlich ist Wilhelm von Grumbach nämlich erst 42 Jahre nach dem Bauernkrieg zu Tode gekommen, wenn auch nicht weniger effektvoll. Er wurde auf dem Marktplatz von Gotha gehenkt und gevierteilt.

    Die Bauersfrauen bieten ihre geraubten Kirchenschätze aus dem Kloster Maulbronn dem Schacherer Schmuel (Klaus Ratschmeier) an.  Foto: Gerhard Meißner

    Mit welch enormem Aufwand die Florian-Geyer-Festspielgemeinschaft die Geschichte des wohl berühmtesten Giebelstadters auf die Bühne bringt, wird beim Schlussapplaus deutlich, als rund 100 Mitwirkende aus die Bühne treten. Zum 40. Mal in ununterbrochener Folge wird die Geyer-Geschichte heuer vor dessen einstiger Burg aufgeführt, auch wenn die heutige Inszenierung mit der ursprünglichen Vorlage aus den 20er Jahren kaum noch etwas gemein hat.

    Atemberaubende Reitszenen: Georg Leber als Truchsess Georg von Waldburg auf seiner massigen Stute "Tiffany".  Foto: Gerhard Meißner

    Doch schon im nächsten Jahr kommt es zum Bruch mit der Tradition. Für das 1200. Jubiläumsjahr der Gemeinde Giebelstadt hat sich Renier Baaken ein neues Stück ausgedacht, das mit den Rittern von Zobel das zweite Giebelstadter Adelsgeschlecht in den Vordergrund stellt. Nur so viel hat Baaken bisher verraten: "Zobels Zoff " soll das Stück heißen und als "liederträchtiges Historical" daherkommen. Es steht also zu erwarten, dass es der Autor auch diesmal mit der Historie nicht allzu ernst nimmt und stattdessen die spannende Unterhaltung in den Vordergrund rückt. Und: Nachdem seine Hauptdarsteller inzwischen reiten und mit dem Schwert kämpfen können, müssen sie jetzt wohl oder übel auch noch singen lernen.

    "Lernt aus dem, was sich hier zugetragen hat, und lebet gut", ruft Erzähler Oliver Steiner in der düsteren Schlussszene dem Publikum zu. Foto: Gerhard Meißner

    Der vierte Teil der Geyer-Saga wird noch an den beiden kommenden Wochenenden, 19. bis 27. Juli, jeweils freitags und samstags, 20.30 Uhr, aufgeführt. Karten bei Schreibwaren Krenkel in Giebelstadt, über das Main-Post-Kartentelefon, Tel. (09 31) 6001 6000, unter www.ritter-geyer.de sowie an der Abendkasse.

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