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    Würzburg

    Gibt es genug Lehrer für Unterfranken?

    Am Dienstag beginnt nach sechs Wochen Sommerferien wieder die Schule. In Unterfranken erleben dann 10.323 Abc-Schützen den ersten richtigen Schultag ihres Lebens. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Schulanfänger in Unterfranken um knapp zwei Prozent gestiegen. Foto: Frank Leonhardt, dpa

    10.323 Kinder aus Unterfranken gehen am Dienstag erstmals in die Schule. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Schulanfänger damit um knapp zwei Prozent gestiegen. Diese Zahlen zeigten, dass nur wenige Eltern von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hätten, ihre zwischen 1. Juli und 31. September geborenen Kinder um ein Jahr zurückstellen zu lassen, sagte die neue Bereichsleiterin Schulen der Regierung von Unterfranken, Maria Walter, bei der Schuljahresauftaktpressekonferenz der Regierung am Donnerstag. Der sogenannte "Einschulungskorridor", der Eltern erlaubt, über den Einschulungstermin ihrer "Sommerkinder" selbst zu entscheiden, wird in diesem Schuljahr erstmals angewendet.

    "Unterm Strich bleibt ein Plus bei der Lehrerversorgung."
    Maria Walter, Bereichsleiterin Schulen bei der Regierung von Unterfranken
    Neue Gesichter bei der Schulpressekonferenz der Regierung von Unterfranken: Der neue Regierungspräsident Eugen Ehmann stellte Maria Walter (rechts) als neue Bereichsleiterin Schulen vor. Aus München zu Gast: Kulturstaatssekreträrin Anna Stolz (Mitte), bis 2018 Bürgermeisterin von Arnstein. Foto: Johannes Hardenacke

    Aus Sicht der Regierung ist die Lehrerversorgung in Unterfranken auch in Zeiten des Lehrermangels gesichert. Unterfranken bekommt laut Walter für dieses Schuljahr 130 neue Lehrer, dazu 65 Zuversetzungen, 43 befristete Lehrerstellen und 50 junge Gymnasial- und Realschulehrer, die sich im Zuge eines zweijährigen kultusministeriellen Programms zu Grund- und Mittelschullehrern umschulen lassen. Verrechnet man die 288 Vollzeitkontingente mit den 262 Abgängen, bleibt unterm Strich ein Plus von 26 Lehrern mehr gegenüber dem Vorjahr. Dass es überhaupt mehr Stellen gebe als im Vorjahr, hänge mit leicht gestiegenen Schülerzahlen zusammen. "Teilweise sind die zusätzlichen Lehrerstellen aber auch der Einführung des Pflichtfachs Informatik in der Mittelschule geschuldet", erklärte Bereichsleiterin Walter.

    Aus Sicht der Lehrergewerkschaften  bleibt die Lehrerversorgung verbesserungsbedürftig. "Die Schulen betreiben permanente Mängelverwaltung", klagt der Vorsitzende des unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Gerhard Bleß. In den Klassen säßen Schüler mit "Teilleistungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Behinderungen und Migrationshintergrund". Ein Klassenlehrer allein könne dies nicht schaffen; viele Schulen brauchten pro Klasse eigentlich zwei Lehrkräfte.  

    "Wir brauchen mindestens 500 Lehrer mehr."
    Jörg Nellen, unterfränkischer  Vizevorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

    "Wir brauchen in Unterfranken mindestens 500 Lehrer mehr", erklärte auch der unterfränkische Vizevorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Jörg Nellen. Er prangert an, dass zahlreiche Lehrer zwei statt einer Klasse führen müssten und dass aufgrund der hohen Arbeitsbelastung Fortbildungen kaum möglich seien. Krankheitstage könnten sich Lehrer kaum leisten.

    Schulen in Unterfranken
    Unterfranken leistet sich 248 Grundschulen; viele davon sind aufgrund der ländlichen Struktur des Regierungsbezirks recht klein. An 41 Grundschulen lernen weniger als 80 Kinder, an zwölf Grundschulen gibt es weniger als vier Klassen. Laut Regierung sitzen in über 90 Prozent der unterfränkischen Grundschulklassen höchstens 25 Schüler.
    Die Regierung von Unterfranken hat neben der Schulaufsicht über die Grundschulen auch die Schulaufsicht über 102 Mittelschulen. Die meisten von ihnen finden sich im Kreis Miltenberg (16), im Kreis Aschaffenburg (12) und im Kreis Bad Kissingen (11). 
    Bayern baut den Ganztagesunterricht aus. Gebundene Ganztagsangebote, bei denen Unterricht und Freizeit verzahnt sind, bieten in Unterfranken 41 Grundschulen und 37 Mittelschulen an. Ausserdem gibt es an 116 Grundschulen und zwei Mittelschulen Mittagsbetreuungsgruppen, die vom Staat bezuschusst werden. 
    Von den rund 15.700 unterfränkischen Kindern mit Migrationshintergrund weisen laut Regierung 9700 Defizite in der deutschen Sprache auf. Sie werden in Deutschfördermaßnahmen aufgenommen. In Unterfranken stehen dafür 1720 zusätzliche Lehrerwochenstunden zur Verfügung. 

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