• aktualisiert:

    Würzburg

    Glosse: Damit der Stadtbaurat nicht den Halt verliert

    Gechillt die Balance wahren: Stadtbaurat Benjamin Schneider testet den Prototyp des Radfahrer-Haltebügels nahe der Löwenbrücke. Foto: Georg Wagenbrenner

    Wahrlich, damit haben wir nicht gerechnet. Kaum hat das Bündnis „Verkehrswende jetzt“ eine Verkehrswende (daher der Name des Bündnisses, Anm. der Redaktion) gefordert, ist sie auch schon da. Zumindest hat ihr die Stadt bereits ein wahrhaft tolles Symbol gesetzt. Und das an einem unbeliebten Verkehrstreffpunkt, nämlich nahe der Löwenbrücke.

    Dort steht neuerdings ein großer grauer Metallrahmen, dessen Funktion sich nicht sofort erschließt, hätte die Stadt in ihrer Pressemitteilung nicht eine anschauliche Bedienungsanleitung geliefert: Ein hübsches Foto, das einen behelmten Stadtbaurat auf dem Rad zeigt, die rechte Hand lässig am Metallbügel, den rechten Fuß elegant auf einem Trittbrett, weshalb man witzeln könnte, welch ein Trittbrettfahrer Benjamin Schneider ist, was natürlich nicht der Wahrheit entspricht. Der Stadtbaurat hält nur Balance. Und wartet. Nicht auf einen genialen Einfall für ein Park & Ride-Konzept oder den Pizzaboten, sondern auf Grün, um die Straße zu queren.             

    Die revolutionäre Neuerung Haltebügel soll zu nicht weniger dienen, als mehr Menschen zum Umstieg aufs Rad zu bewegen. „So können Radfahrende ganz gechillt, ohne abzusteigen oder sich ausbalancieren zu müssen mit dem Fuß abstützen und mit einer Hand festhalten“, preist der städtische Radverkehrsbeauftragte Adrien Cochet-Weinandt das Komfortangebot an. In der Tat. Da wird der im Stau stehende Autofahrer richtig neidisch, kann er sich mit der Hand doch höchstens am Lenkrad festhalten, gleichzeitig den Fuß angestrengt aufs Bremspedal pressend.

    Der Bügel hat zudem den Vorteil, dass der Radler, der es geschafft hat, heil über die enge Löwenbrücke zu kommen, sich dort erstmal ausbalancieren kann, psychisch und physisch. Fehlen nur noch Getränkehalter an der Konstruktion, die der städtische Bauhof als Prototyp gebastelt hat. Ob oder wo auch andernorts solche Bügel aufgestellt werden, ist bislang nicht bekannt. Ebenso wenig, ob noch die Stadtbildkommission das Metallgebilde beurteilen muss.

    Einfach Festhalten: Schneiders Amtsvorgänger Christian Baumgart (links) warb 2001 für die neuen Haltegriffe für Radler an Ampeln.   Foto: Ruppert

    Stadtbildprägend ist es in jedem Fall, weshalb es etwas verwundert, warum nicht Oberbürgermeister Christian Schuchardt auf dem Foto zu sehen ist. Denn er selbst ist begeisterter Radfahrer und die Verkehrswende schließlich Chefsache. Doch die Tradition ist eine andere, wenn's ums Festhalten geht. Schon 2001 posierte Stadtbaurat Schneiders Amtsvorgänger Christian Baumgart fürs Foto, um für die damals neu installierten gelben Haltegriffe für Radfahrer an Ampelmasten zu werben. Und das mit Erfolg. Baumgart hat sich noch 17 Jahre lang als Stadtbaurat gehalten. Echt wahr.              

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (4)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!