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    Würzburg

    Glosse: Wenn im Homeoffice der Hunger kommt und das Kind trommelt

    Home und Office? Schließt sich das nicht aus? Die vorläufige Bilanz nach ein paar Wochen fällt jedenfalls gemischt aus.
    Homeoffice: Wo ist der Kaffee?
    Homeoffice: Wo ist der Kaffee? Foto: Tom Lamers

    Corona-Alltag im Büro: Nach fast drei Wochen Homeoffice, das viele Würzburger Arbeitnehmer im Moment erleben, hat man sich fast daran gewöhnt, was es heißt Büro und Privatleben unter einem Dach zu vereinen. So viel hat sich ja schließlich nicht geändert. Oder doch? 

    Traf man sich bisher zur Konferenz gemeinsam mit den Kollegen in einem Raum, wählt man sich jetzt per Handytastatur in die Telefonkonferenz ein. Mal mehr, mal weniger pünktlich, denn: Ist das Netz überlastet, klappt es auch beim 24. Mal Einwählen nicht. Aber Hauptsache, der gute Wille ist da. 

    Keine Hektik am Morgen

    Positiv: Der optische Faktor fällt dieser Tage weg. Anziehen, Haare kämmen, Schminken und Zähne putzen fallen aus – echt entspannend. Zumindest, wenn die Firma nicht einen Videochat eingerichtet hat. Da sollte schon darauf geachtet werden, über den Schlafanzug noch schnell die Jogginghose anzuziehen.  

    Wenn es nach der verpassten Telefonkonferenz dann auch mit der Einwahl ins Computersystem nicht klappt, liegen die Nerven schnell blank. Welches Kabel kommt wohin? Welches Passwort ist für welches Programm? Und was bitte ist ein Token? Fragen über Fragen! 

    Woher kommt der Kaffee?

    Da muss erstmal ein Kaffee her. Wo im Büro schon längst eine heiße Tasse warten würde – daneben meist eine Schale mit Gummibärchen oder Schokolade – ist daheim leider erstmal nichts in Sicht. Also auf in die Küche an den Kaffeeautomaten. Die Zeit, die der Automat braucht, um sich warm zu laufen, wird genutzt, um die frisch gewaschene Wäsche aus der Trommel zu holen und aufzuhängen. Im Wohnzimmer, also am neu eingerichteten Arbeitsplatz, ist rechts neben dem Computer noch Platz. Es duftet nach Frühling.

    Was, schon Mittag? Und noch nichts gegessen? Ein Blick aus dem Fenster auf die Schlange des nahe gelegenen Supermarktes, den zu Coronazeiten nur 20 Leute gleichzeitig besuchen dürfen, sagt: Mittagessen fällt heute wohl flach.   

    Mittagspause auf dem heimischen Balkon

    Eine kurze Pause auf dem Balkon ist angesagt – statt Plausch mit den Kollegen nun Plausch mit den Nachbarn, die bei Corona ebenfalls im Homeoffice sind. Gemeinsames Thema: Die Widrigkeiten des Homeoffice. 

    Das gemeinsame Schreien hat gut getan. Der kurze Schlaf in der Hängematte ebenso. Mit Elan geht's weiter zum Videochat mit einem Kunden. Vorher nochmal schnell im Bad frisch gemacht. Aber: Welcher Hintergrund daheim ist fürs Video der bessere? Der Blick aus dem Fenster auf Würzburgs Festung oder der Blick aufs Weinregal, das zu Coronazeiten im Hamsterkauf aufgefüllt wurde?  

    Der Termin läuft wie geschmiert und war – ohne Anfahrtswege – eine Zeitersparnis von genau 32 Minuten. Mit Blick auf die Uhr, es ist schon später Nachmittag, gleitet ein Gähnen übers Gesicht. Doch Hilfe naht. Durch lautes Getrommel vom Kind aus dem Nebenzimmer – als Trommel dient der neue Edelstahl-Dampfgarer – ist die Müdigkeit sofort passé. 

    Bling, bling. 

    Bling, bling. Beim Blick aufs Handy 15 verlorene Anrufe und 23 nicht gelesene WhatsApp-Nachrichten im Arbeits-Chat. Oh je. Wieder Bling, bling. Die ersten verabschieden sich in den Feierabend. Das sollte man nicht tun, ohne Mann und Kind vorher zu erklären, wie man den morgendlichen Kaffee im neuen Büro am liebsten trinkt. Schließlich muss ja vorgesorgt sein, wenn Home und Office plötzlich eins sind. 

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