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    Würzburg

    Glosse: Werden die Würzburger OB-Kandidaten noch Influencer?

    Alles für den digitalen Ruhm: Was Internet-Stars können, dürften Lokalpolitiker in Würzburg doch auch hinkriegen, oder? Warum das schwierig werden könnte.
    OB-Kandidatin Kerstin Westphal (SPD) ist laut einer Untersuchung ganz vorne mit dabei, wenn es um soziale Medien geht. Kann das ein anderer Kandidat auch von sich behaupten? Foto: Thomas Obermeier

    Die Influencer. Das ist doch diese Grippe, wegen der die Wartezimmer wieder so überfüllt sind, oder? Falsch gedacht. Influencer sind etwas anderes. Mit einer Krankheit haben sie nur gemeinsam, dass sie manchmal ähnlich lästig sind. Was wie ein Virus klingt, ist nichts anderes als eine Persönlichkeit, die wir uns in gewissen Dingen zum Vorbild nehmen, an denen wir uns orientieren. Die Zeiten, in denen Politiker das schaffen, sind doch wahrlich längst rum.

    Nackte Haut vom OB

    Oder etwa doch nicht? Können nicht auch unsere Politiker zu Internet-Stars werden? Oberbürgermeister Christian Schuchardt zum Beispiel scheint den Dreh raus zu haben. Der CDU-Politiker ist unter den "Top10" der beliebtesten Kommunalpolitiker Bayerns in den sozialen Medien. Wie er das geschafft hat? Mit nackter Haut zum Beispiel. Das funktioniert im Internet ja immer. Bei der Eröffnung des neuen Nautilands zog er mit Landrat Eberhard Nuß einfach mal blank. Natürlich nur obenrum und ganz jugendfrei. "Einfach machen", soll er Gerüchten zufolge dabei gerufen haben, bevor er ins Wasser plumpste.

    Fast 190 digitalen Fans hat das gut gefallen. Seine persönliche Kohlrabi-Ernte auf Instagram konnte da übrigens nicht ganz mithalten. Und das, obwohl Bio-Gemüse in der heutigen veganen, gluten-, eiweiß- und laktoseintoleranten Zeit doch voll im Trend liegen müsste.

    Mitbewerberin Kerstin Westphal (SPD) ist Schuchardt jedoch dicht auf den Fersen. Auch sie hat es in die Liste der "Top10" Bayerns geschafft. Auf ihrer Instagram-Seite ist aber mindestens genau so viel los wie auf der Hafentreppe nach der Skandal-Razzia: Nämlich nichts.

    Als Leichenspezialist Spitzenreiter

    Anders sieht es bei den Linken aus. "Roterroth" nennt sich Sebastian Roth beim bilderträchtigen sozialen Netzwerk. Auch dort steppt nicht unbedingt der fränkische Bär, doch immerhin gibt es ein paar Motive. Interessierte können sich beispielsweise informieren, wie viel Strom seine Solaranlage produziert. Oder welche Bratwurst er auf dem Marktplatz favorisiert. Ob das Roths Antwort auf Schuchardts Kohlrabi ist, ist wahrlich nicht bekannt.

    Volker Omert (FWG) und Martin Heilig (Grüne) posten in etwas geringerer Schlagzahl, Dagmar Dewald (ÖDP) sucht man bei Instagram unter ihrem Namen vergebens. Und Mark Benecke (Die Partei)? Der kann vermutlich über die Fans, die sogenannten Follower, der anderen nur müde lachen. Mit 75 000 Abonnenten ist er Spitzenreiter, Bilder von ihm landen täglich auf dem sozialen Netzwerk. Ist ja auch klar, wer schon in Würzburg keinen Wahlkampf macht, hat ja auch Zeit für so etwas.

    Ist es aber wirklich so erstrebenswert, in der digitalen Prominenz mitzumischen? Influencer sind in der Gesellschaft wahrlich ein spezieller Schlag Mensch, der viele Fragen aufwirft. Aber sind das unsere Kommunalpolitiker nicht auch?

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