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    Würzburg

    Glosse: Weshalb Würzburg knapp am Wüxit vorbeischlitterte

    Die Peinlich-Panne: Der Briefkasten im Rathaushof mit eingeworfenen Wahlbriefen war zeitweise nicht verschlossen. Foto: Karl-Georg Moser

    Wahrlich eine gute Nachricht zum Wochenauftakt: Die Europawahl konnte gestern stattfinden. Das war nach der Briefkasten-Panne am Würzburger Rathaus alles andere als selbstverständlich, wobei die Jüngeren mit dem Begriff Briefkasten wahrscheinlich gar nix mehr anfangen können. Zur Info: Ein Briefkasten ist ein analoger E-Mail-Eingang, meist aus Blech. Und ein solcher steht am Rathaus. Und der war fast eineinhalb Tage lang unverschlossen, was so schlimm nicht gewesen wäre, wären nur Beschwerdeschreiben an den OB drin gewesen, weil die möglicherweise eh nur in der Ablage landen.

    Aber der Kasten enthielt Unterlagen von Briefwählern für die Europawahl. Hochbrisantes Material. Falls einer zum Beispiel hätte nachschauen wollen, ob seine Frau unter den Absendern war und auf dem etwa vier Meter langen Wahlzettel gar noch die feministische Partei "Die Frauen" angekreuzt hat. Das wär das Ende des Wahlgeheimnisses gewesen -  europaweit. Der Wahrheit zuliebe sei erwähnt, dass anscheinend nur einer den "Tag der offenen Briefkasten-Tür" mitgekriegt hat. Weil er ein bisschen am Griff drehte.     

    Die Würzburger und das Kreuzchen am Küchentisch

    Und wir hätten am Rad gedreht, wenn wegen unserer Briefkasten-Panne die Wahl geplatzt wäre.Wahrscheinlich wären wir zur Strafe aus Europa rausgeflogen. Ein Wüxit mit fatalen wie vorhersehbaren Folgen: Unser tolles Autofahrer-Denkmal Europastern wäre Geschichte gewesen.    

    Eine ganz andere Geschichte: Würzburg - und das ist die nackte Wahrheit - hatte und hat wahrscheinlich wieder die meisten Briefwähler. Dafür hat Rathaussprecher Christian Weiß "keine Erklärung". Dabei ist doch völlig klar, weshalb der Würzburger oder die Würzburgerin das Kreuzchen am Küchentisch macht. Bei der massiven Nachhaltige-Mobilität-Biodiversität-Klimaschutz-Blühstreifen-Verkehrswende-Rauf-aufs-Rad-Sauber-Mobil-Kampagne des Rathauses, deren Nachhaltigkeit auf jeden Fall noch bis zur Kommunalwahl im nächsten März dauert, getraut sich doch keiner mehr, mit dem Auto zum Wahllokal zu fahren. 

    Feiert in Würzburg wahrscheinlich ein Comeback: Die Abwrackprämie.  Foto: Bilderbox

    Allein an diesem Montag wird's im Rathaus wieder wahnsinnig nachhaltig. Ein umweltorientiertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement beschäftigt die Stadträte ebenso wie die Frage, wie man die Radfahrer vom Autoverkehr geschützter über die Löwenbrücke bringt. Das Problem wird bald keines mehr sein. Denn in der Sitzung geht's auch um eine Abwrackprämie für Autos mit Verbrennungsmotor. Wer seine Blechkiste verschrottet, dem will das Rathaus beim Kauf eines E-Bikes bis zu 500 Euro zahlen. Da dürfte von den über 60 000 in der Stadt gemeldeten Autos bald keins mehr rumfahren. 

    Und zum Schluss noch eine topaktuelle Meldung: Bei der Wahl am Sonntag sollen alle Urnen ordnungsgemäß verschlossen gewesen sein. Echt wahr. 

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