• aktualisiert:

    Würzburg

    Großveranstaltungen: Was alles ausfällt und was vielleicht nicht

    Es war zu erwarten gewesen, nun ist es raus: In Bayern sind Großveranstaltungen aller Art bis 31. August verboten. Aber was gilt künftig als Großveranstaltung?
    In diesem Corona-Jahr sicher nicht: Das Africa Festival fällt heuer wie so viele Großveranstaltungen komplett aus.
    In diesem Corona-Jahr sicher nicht: Das Africa Festival fällt heuer wie so viele Großveranstaltungen komplett aus. Foto: Daniel Peter

    Mitte März, in der Anfangszeit der Corona-Einschränkungen, galt eine Veranstaltung als Großveranstaltung, wenn mehr als 1000 Besucher erwartet wurden. Dann wurde die Zahl auf 500 reduziert, seit 20. März sind alle Veranstaltungen verboten. Nach der Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag, dass Großveranstaltungen in Bayern wie bundesweit bis 31. August verboten sind, rätselt nicht nur die Kulturwelt: Was gilt künftig als Großveranstaltung? In der Pressekonferenz nannte Söder keine Zahl, sondern kündigte an, man werde im Laufe der Zeit Kriterien entwickeln. Söder: "Jetzt im Moment ist sowieso alles nach wie vor nicht erlaubt."

    Auf konkrete Angaben aus München wartet deshalb etwa die Stadt Würzburg noch: "Wir gehen davon aus, dass wir noch genaue Anweisungen bekommen", sagt Pressesprecher Christian Weiß. Deshalb seien im Moment – Stand Donnerstagnachmittag – offiziell weder Mozartfest, Kiliani-Volksfest noch der Würzburger Hafensommer abgesagt.

    Schweinfurter Stadtfest könnte später stattfinden

    Auch in Schweinfurt will man erst prüfen, was die neuen Regeln für die Stadt genau bedeuten, so Pressesprecherin Kristina Dietz. Von 12. bis 22. Juni etwa war in diesem Jahr das Volksfest geplant. Detaillierte Aussagen, etwa zu einer Verlegung, will die Stadt erst am Freitag machen, so Dietz.

    Bereits abgesagt ist hingegen das Schweinfurter Stadtfest, das die Agentur L19 im Auftrag des Gewerbevereins "Schweinfurt erleben" veranstaltet. Das Fest war für 28. und 29. August geplant. Der Beschluss habe für viele Dienstleister, Standbetreiber und Künstler existenzgefährdende Konsequenz, so eine Mitteilung der Agentur. Man diskutiere deshalb eine Verschiebung, so Geschäftsführer Ralf Hofmann.

    Sting-Konzert um genau ein Jahr verschoben

    Stefan Oschmann, Chef des Würzburger Africa Festivals, hatte es längst geahnt: Das Festival findet dieses Jahr nicht statt, sondern erst wieder von 3. bis 6. Juni 2021. Bereits gekaufte Karten für das Africa Festival würden ihre Gültigkeit behalten. Trotzdem, so Oschmann, fehlen dem Veranstalter nun fast 160 000 Euro, die bereits investiert sind.

    Eine Verschiebung des Festivals in den September sei keine Option. "Die Pandemie beginnt gerade erst, sich in Afrika auszubreiten", sagt Oschmann. Dort werde das Virus möglicherweise noch dramatischer wirken, und davon seien auch die Musiker betroffen. Um zumindest etwas Africa-Festival-Feeling zu schaffen, bieten die Veranstalter die Konzerte des Vorjahrs auf YouTube an.

    Auch das ausverkaufte Konzert von Sting auf dem Würzburger Residenzplatz fällt den Corona-Beschränkungen zum Opfer. Die Tournee des britischen Superstars wurde komplett aufs kommende Jahr verschoben. In Würzburg soll das Konzert nun am 10. Juli 2021 stattfinden, Tickets bleiben gültig.

    Marathon und Kissinger Sommer sind abgesagt

    Abgesagt sind auch die beiden großen Würzburger Laufveranstaltungen, die traditionell im Frühjahr Massen auf die Straßen bringen. Rund 8000 Teilnehmer machen alljährlich beim Residenzlauf mit. Der sollte eigentlich am 26. April stattfinden. Nun soll die 32. Auflage am 18. Oktober nachgeholt werden.

    Keinen Ersatztermin haben die Veranstalter für den Würzburger i-Welt-Marathon gefunden. Der 20. Stadtmarathon wird also erst im Mai 2021 stattfinden. "Ich hatte viele schlaflose Nächte", sagt Organisationsleiter Günter Herrmann. Er hofft dass viele Läufer ihr Startgeld nicht zurückfordern, sondern stattdessen im kommenden Jahr teilnehmen. Ansonsten wäre das Aus für die Veranstaltung kaum abzuwenden.

    Tilman Schlömp, Intendant des Kissinger Sommers, hatte bis zuletzt gehofft, dass das Klassik-Festival doch würde stattfinden können. Jetzt ist klar, dass dies nicht der Fall sein wird. Der Max-Littmann-Saal, in dem die großen Konzerte stattfinden, fasst 1200 Personen und liegt damit deutlich über der ursprünglich ausgegeben Grenze für Großveranstaltungen.

    "Aber eine Rumpf-Veranstaltung nur mit kleinen Kammerkonzerten, das wäre kein  richtiges Festival. Wir werden uns am Montag mit der Stadt zusammensetzten und mögliche Alternativen beraten", sagt Schlömp. So sei es etwa denkbar, dass Konzerte verschoben, andere möglicherweise ohne Publikum gestreamt werden. Besonders bitter für den Intendanten: Im Beethoven-Jahr hatte er ein besonders glanzvolles Festival geplant.

    Mitarbeit: Tim Eisenberger, Frank Kranewitter, Susanne Wiedemann

    Drei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Würzburg-Newsletter!

    Kommentare (5)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!