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    Röttingen

    Grundschule: Nach 40 Jahren schon abbruchreif

    40 Jahren nach dem Bau soll das Röttinger Schulhaus schon wieder abgerissen werden, weil ein Neubau günstiger ist als die Sanierung. Foto: Gerhard Meißner

    Keine 40 Jahre, nachdem sie bezogen wurde, soll die Röttinger Grundschule abgerissen werden. Zu diesem Ergebnis kam die Versammlung der Verwaltungsgemeinschaft Röttingen (VG) nach einem ausführlichen Architekten-Workshop. Die Entscheidung hat wirtschaftliche Gründe. Der Neubau sei günstiger als die Sanierung und außerdem mit geringeren Kostenrisiken und späteren Unterhaltslasten verbunden, sagt der Gemeinschaftsvorsitzende und Röttinger Bürgermeister Martin Umscheid. Für viele Röttinger ist dies nur schwer zu verstehen.

    "Das kann eigentlich nicht sein, dass ein Schulhaus nach 40 Jahren schon so kaputt ist, dass man es abreißen muss", empört sich eine Röttingerin gegenüber der Redaktion und spricht von "Wegwerfmentalität" und Verschwendung. Der Backsteinbau sei massiv und solide und keineswegs ein Fall für den Abrissbagger. Das Schulhaus wurde 1980 in Betrieb genommen und beherbergt seit Auflösung der Hauptschule im Jahr 2014 nur noch die  Grundschule für Röttingen, Tauberrettersheim, Bieberehren und Riedenheim, also für die Mitglieder der Verwaltungsgemeinschaft, die damit auch die Trägerschaft innehat.

    Sanierung und Neubau untersucht

    Inzwischen war das Schulhaus in die Jahre gekommen. Im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens hatte die VG drei Planungsbüros beauftragt, Vorschläge für die Sanierung und den Neubau auszuarbeiten und die Kosten gegenüber zu stellen.  "Beide Varianten sollten untersucht werden, um die beste und nachhaltigste Lösung zu erreichen", so VG-Vorsitzender Umscheid.

    "Das kann eigentlich nicht sein, dass ein Schulhaus nach 40 Jahren schon so kaputt ist, dass man es abreißen muss."
    Eine Röttinger Bürgerin

    In den Voruntersuchungen war bereits eine lange Mängelliste zutage gekommen. Das Gebäude ist ungedämmt. An besonders kalten Tagen müssen einzelne Räume zusätzlich elektrisch beheizt werden, um die über 20 Grad zu halten. Die Fußbodenheizung sei auf dem Stand von 1980 nicht für einzelne Räume regelbar. Dadurch geht zusätzlich Energie verloren. Auch das Dach ist undicht. Die Elektroinstallation sowie das Trinkwasser- und Abwassersystem müssten komplett erneuert werden.

    Erhebliche Kostenrisiken

    Alle drei Büros seien zu dem Schluss gekommen, dass der Neubau die günstigste Lösung sei, so Umscheid. Das Stuttgarter Büro Michel und Wolf Architekten gewann schließlich das Auswahlverfahren und stellte seine Vorschläge vor der endgültigen Entscheidung der Gemeinschaftsversammlung vor. Nach den Schätzungen des Büros würde ein Neubau 12 Millionen Euro kosten. Eine Generalsanierung veranschlagen die Planer auf 12,3 Millionen Euro, einschließlich Abriss des Altbaus und Anmietung von Containern als Übergangslösung für die Bauzeit. Das ist zwar unwesentlich teurer, berge aber erhebliche Kostenrisiken.

    Diese seien bei Sanierungen generell höher als bei Neubauten, zitiert Umscheid die Einschätzung eines Bauökonomen der Universität Stuttgart, der die Kostenschätzung überprüft hat. Außerdem seien die Unterhaltskosten eines Neubaus auf Dauer geringer. "Da war klar, wo die Entscheidung hingeht", berichtet Umscheid aus der VG-Versammlung, in der Röttingen drei von neun Verbandsräten stellt. "Es war keine Röttinger Entscheidung", betont Umscheid deshalb.

    Zusätzliche Nutzfläche

    1900 Quadratmeter Nutzfläche sollen in dem neuen Schulhaus für die Grundschule und die offene Ganztagsschule zur Verfügung stehen. Das sei annähernd so viel wie im jetzigen Gebäude und 400 Quadratmeter mehr, als in den staatlichen Richtlinien vorgesehen ist. Die "Kulturwerkstatt" - ein Raum für den musischen Unterricht - werde es deshalb auch im neuen Schulhaus geben, ebenso wie einen Mehrzweckraum, der sich zur Aula hin öffnen lässt, um größeren Veranstaltungen Platz zu bieten.

    "Beide Varianten sollten untersucht werden, um die beste und nachhaltigste Lösung zu erreichen."
    Martin Umscheid, Bürgermeister und VG-Vorsitzender

    Der Entwurf des Büros Michel und Wolf sieht ein nahezu quadratisches Gebäude mit Lichthof im nördlichen Teil des Schulgeländes vor. Ein Vorteil des Neubaus sei, dass der Unterricht im Altbau nahezu unbehindert fortgeführt werden kann, so Umscheid. Container als Übergangslösung seien nicht erforderlich. Auf der Fläche das Altbaus sollten später ein Spielplatz, ein Schulgarten und eine grünes Klassenzimmer Platz finden.

    Fertig bis zum Schuljahresbeginn 2024

    Bis Mitte kommenden Jahres will man nun gemeinsam mit der Schulleitung den detaillierten Bauplan entwickeln. Bis Mitte 2021 rechnet Umscheid mit der Baugenehmigung und den Förderzusagen. Baubeginn wäre dann frühestens 2022. Bei eineinhalbjähriger Bauzeit könnte das neue Schulgebäude zum Schuljahresbeginn im Herbst 2024 bezogen werden.

    Offen ist die Zukunft der Schulturnhalle. Sie müsste ebenfalls saniert werden. Angesichts der geschätzten Kosten von weiteren vier Millionen Euro hat man dieses Thema erst einmal zurückgestellt. "Wir versuchen,die Turnhalle mit Reparaturen am Leben zu halten, so lange es halt geht", sagt Gemeinschaftvorsitzender Martin Umscheid.

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