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    Geroldshausen

    Güterzüge: Belastungen für Bürger unzumutbar

    Kirchheims Altbürgermeister Anton Holzapfel (links) erläutert MdB Paul Lehrieder die Situation am Bahnübergang. Rechts der Geroldshäuser Bürgermeister Gunther Ehrhardt, links daneben sein Reichenberger Kollege Stefan Hemmerich. Foto: Christian Ammon

    Derzeit ist es mit der Bahn nicht möglich, auf geradem Weg von Stuttgart nach Würzburg zu fahren. Mit der für August geplanten Wiedereröffnung der Strecke dürfte sich dies ändern. Die Sanierung des Tunnels bei Wittighausen hatte jedoch auch das Ziel, eine Begegnung von modernen, längeren Güterzügen zu ermöglichen und damit zusätzlichen Bahnverkehr zu schaffen.

    Besonders trifft dies Geroldshausen, wo viele Güterzüge zum Zwischenhalt am Bahnhof stoppen. "Es geht hier seit Jahrzehnten nichts voran und die Belastungen sind den Bürgern nicht mehr zuzumuten", stellte der frisch gewählte Geroldshäuser Bürgermeister Gunther Ehrhardt fest.

    Unbefriedigende Situation in Geroldshausen

    Bei einem Treffen des länderübergreifenden Kommunalen Arbeitskreises (KAK) Frankenbahn mit Vertretern der CSU im Geroldshäuser Rathaus stand denn auch die unbefriedigende Situation vor Ort im Mittelpunkt. MdL Manfred Ländner sagte zu, sich für eine Machbarkeitsstudie als erstem Schritt für weitere Planungen einzusetzen. Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder verwies zudem auf eine Petition, mit der er eine Ausdehnung des von der Bahn gebauten Lärmschutzes auch auf neuere Wohngebiete zu erreichen sucht.

    Der Arbeitskreis setzt sich für eine deutliche Aufwertung des Schienenverkehrs und die Vernetzung mit den Angeboten der Stadt Würzburg ein. "Den Mangel an Platz zu verwalten, ist das Schlimmste für eine Kommune", versetzt sich Kirchheims Altbürgermeister Anton Holzapfel, der die Sitzung leitete, in die Situation Würzburgs. "Jedes Auto, das nicht in die Stadt reinfährt, ist ein Gewinn."

    Erinnerungen aus alten Zeiten

    Blickt man am Geroldshäuser Bahnhof um sich, stellen sich unvermittelt Erinnerungen an scheinbar längst vergangene Zeiten ein: Gleich zwei beschrankte Bahnübergänge flankieren die Ein- und Ausfahrt des Bahnhofs. Immer wieder kommt es vor, dass auch Rettungsfahrzeuge minutenlang zur Untätigkeit verbannt sind.

    Die Schranken bleiben immer öfter geschlossen: Die Regionalbahn pendelt seit kurzem im Stundentakt. Hinzu kommen zunehmend Güterzüge. Foto: Christian Ammon

    Mit der Einführung des Stundentakts für die Regionalbahnen und der nun erwarteten Zunahme des Güterverkehrs dürften sich die Schranken noch häufiger senken. Auch der Bahnhof hat augenscheinlich schon lange keine Renovierung mehr erlebt. Holzapfel hat gar beobachtet, dass manch ein Fahrgast extra zum barrierefrei ausgebauten Haltepunkt in Kirchheim fährt, um in den Zug einzusteigen.

    Der sichere Gehsteig endet an der Leitplanke. Foto: Christian Ammon

    Kreuzung mit Herausforderungen

    Der südliche Bahnübergang an der Albertshäuser Straße ist zudem mit einer Kreuzung verbunden, die selbst erfahrene Fahrzeuglenker vor eine Herausforderung stellt. Die Hauptstraße knickt hier im rechten Winkel ab, um den Verkehr am Kernort vorbeizuleiten. Fußgänger sind gar gezwungen, auf die holprige, auch von schweren Lastern aus den Kirchheimer Steinbrüchen genutzte Straße, auszuweichen. Ebenso wie der Arbeitskreis hat die Bahn das Ziel, "höhengleiche Bahnübergänge" zurückzubauen. Der nördliche Bahnübergang Klingenstraße muss nach Ansicht der Bahn zudem möglichst bald verschwinden, da er sich für die zukünftig erwarteten langen Güterzüge zu nah am Bahnhof befindet.

    Um beide Übergänge überflüssig zu machen, hat der KAK mehrere Planungsvarianten erarbeitet. Überwiegend setzen sie auf einen Ersatz durch Unterführungen, um die durch die Gleise getrennten Ortsgebiete miteinander zu verbinden. Der Arbeitskreis empfiehlt jedoch auch den Bau einer Ortsumgehung im Osten, die über eine Brücke über die Bahngleise an die Staatsstraße nach Uengershausen angebunden sein soll. Dies ist die wirkungsvollste, aber auch teuerste Variante. Vom Freistaat gibt es bereits eine Absage, da die Straße zu wenig befahren sei. Immerhin gibt es Pläne des Landkreises, die Kreisstraße nach Giebelstadt zu verlegen und so die Kreuzung etwas zu entschärfen.

    Bahnhaltepunkte Kirchheim und Reichenberg sind barrierefrei

    In den vergangenen Jahren hat es bereits einige Verbesserungen auf der wichtigen Bahnstrecke nach Stuttgart gegeben. Das ist auch der unermüdlichen Arbeit des Arbeitskreises um den Geroldshäuser Heinz Ehrhardt zu verdanken. Die Bahnhaltepunkte in Kirchheim und Reichenberg wurden barrierefrei ausgebaut, der Fahrplan verbessert und für den Bahnhaltepunkt Heidingsfeld-West sollen im Juli die Planungen beginnen.

    Die Sanierung des Bahnhaltepunkts in Wittighausen, Zubringerdienste zu den bestehenden Bahnhaltepunkten und neue Bedarfshalte in Lindflur und Moos stehen jedoch ebenso noch auf der Zu-erledigen-Liste wie das fehlende Stück des Fernradwegs Lauda-Würzburg bei Reichenberg und die Ausweitung der Würzburger ÖPNV-Großwabe.

    Der Bahnsteig stammt aus den 1950er Jahren: Für gehbehinderte und ältere Menschen ist es nur mit Mühe möglich, in den Zug zu gelangen. Foto: Christian Ammon

    Nicht immer ist es für die Beteiligten einfach, alle Entscheidungen der Bahn nachzuvollziehen: Seit kurzem sieht ein Bund-Länderprogramm den barrierefreien Ausbau der Bahnsteige auf 76 Zentimeter vor. Die an der Strecke bisher ausgebauten Bahnsteige haben jedoch nur eine Höhe von 55 Zentimetern. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis abermals Bagger anrollen, um die Barrierefreiheit herzustellen.

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