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    Würzburg

    Heidrun Podszus: Eine Frau, die Filme liebt und lebt

    Die Geschäftsführerin des Central Kinos, Heidrun Podszus, geht zum Ende des Jahres in den Ruhestand. Warum sie dennoch nicht ganz aus dem Kinoleben draußen ist.
    Die Geschäftsführerin des Central Kinos, Heidrun Podszus, geht Anfang 2020 in den Ruhestand.
    Die Geschäftsführerin des Central Kinos, Heidrun Podszus, geht Anfang 2020 in den Ruhestand. Foto: Johannes Kiefer

    Filme sind ihr Leben - sowohl privat, als auch beruflich. Heidrun Podszus ist Geschäftsführerin des Central Kinos im Bürgerbräu und gibt ihren Posten Anfang nächsten Jahres an den Leverkusener Thomas Schöneborn ab. Im Gespräch erzählt sie, welche Zukunft Programmkinos in Zeiten von Netflix und Co. noch haben und warum eine Stadt wie Würzburg nicht auf Arthouse-Filme verzichten sollte. 

    Frage: Frau Podszus, wir sitzen hier im Foyer des neuen Central Kinos im Bürgerbräu. Wenn Sie sich so umschauen, haben Sie sich in den Anfängen im MOZ vorstellen können, dass das Central Kino mal ein Kino in diesem Ausmaß wird?

    Heidrun Podszus: Ja, ich schon. Die Schwierigkeit war immer, den Rest der Genossenschaft davon zu überzeugen. Ich habe lange Zeit als Filmverleiherin gearbeitet und da kennt man die Kinos in Deutschland, man kennt ihre Besucherzahlen. Früher habe ich meine Filme unter anderem an das alte Corsokino verliehen, das heißt, ich wusste, welche Besucherzahlen in der Stadt möglich sind. Würzburg ist eine gute Stadt für Filmkunst.

    Das heißt, Sie haben solch einen Erfolg, den das Central im Bürgerbräu verzeichnet, auch erwartet?

    Podszus: Naja, man weiß nie genau, was geschehen wird. Die Branche entwickelt sich ja stetig weiter und momentan gibt es eine extreme Veränderung.

    Sie sprechen damit den Trend zu Streamingdiensten an?

    Podszus: Genau, bei den Golden Globe Nominierungen beispielsweise haben gerade drei Netflix-Filme zusammen 15 Nominierungen bekommen. Trotzdem haben wir momentan aber noch keine größeren Probleme, wenn wir Netflix-Filme nicht spielen können oder wollen, denn im Jahr über starten rund 700 Filme. Aber klar, die Branche verändert sich, deshalb sollte man immer vorsichtig sein.

    Braucht eine Stadt ein Programmkino, wenn es doch auch schon große Multiplex-Kinos gibt?

    Podszus: Auf jeden Fall! Das ist auch von Anfang an meine Motivation gewesen. Ich habe noch die klassische Kino-Sozialisation, wie man sie in den 70er Jahren hatte und bin nach wie vor mit den nicht-kommerziellen Filmen stark verbunden. Es kann nicht sein, dass in einer Stadt ausschließlich kommerzielle Filme gezeigt werden. Es kam noch nie vor, dass es in einer Stadt in der Größenordnung von Würzburg kein Programmkino mehr gab, das hat damals meine Motivation noch mehr gefördert und ich war von Anfang an zuversichtlich, dass es funktionieren wird.

    Die Außenfassade des Central Kinos noch während dem Umbauarbeiten im Jahr 2016.
    Die Außenfassade des Central Kinos noch während dem Umbauarbeiten im Jahr 2016. Foto: Thomas Obermeier
    Sie sprechen von einer extremen Veränderung im Kino-Business. Wie schwer war es, einen Nachfolger für Sie zu finden?

    Podszus: Sehr schwer. In dem Moment, als die Multiplex-Kinos kamen - das ist jetzt etwa 30 Jahre her - ist die Arthouse-Sozialisation nicht mehr weitergeführt worden. So wird es immer schwerer Nachwuchs zu finden, der sich auskennt. Zumal das auch eine Branche ist, in der man nicht reich wird. Deshalb bin ich umso glücklicher, dass wir jemanden vom Fach gefunden haben. Thomas Schöneborn betreibt seit über zehn Jahren ein Kino in Leverkusen. Es war unsere Bedingung, dass mein Nachfolger mehrere Jahre ein Kino in eigener wirtschaftlicher Verantwortung und Programmverwaltung geführt hat.

    Sie waren im Central Kino auch für das Programm verantwortlich. Wie haben Sie entschieden, welche Filme gezeigt werden?

    Podszus: Zunächst versucht man natürlich alle möglichen Informationen, die ein Film hergibt, zu bekommen. Das geschieht am ehesten, wenn man einen Film selber gesehen hat - dazu gibt es Gelegenheit auf Festivals oder Messen. Natürlich kann man aber nicht jeden Film selber anschauen, deshalb muss man sich an Kritiken orientieren oder an Menschen vom Fach, die Empfehlungen geben.

    Außer viel ins Kino gehen - wie werden Sie die Zeit in Ihrem Ruhestand nutzen?

    Podszus: Mein großer Wunsch ist es, wieder mehr zu reisen. Ich war immer eine sehr reiselustige Person, nur bin ich leider in den letzten zehn Jahren nicht sehr weit gekommen. Es musste immer ein Monatsprogramm auf die Beine gestellt werden, weshalb es unmöglich für mich war, mal länger als eine Woche wegzufahren. Und wie sagt man so schön: Reisen soll man, solange man noch einigermaßen gut zu Fuß ist. Und das bin ich - noch zumindest. 

    Die Geschichte des Central Kinos
    2009 schloss mit dem "Corso" das letzte Innenstadt-Kino, das auch Filme abseits des Mainstreams zeigte. Die Folge waren Unterschriften von 2700 Cineasten, die von der Stadt ein kommunales Programmkino wollten. Diesen Wunsch konnte der damalige Kulturreferent Muchtar Al Ghusain nicht erfüllen, leistete aber wichtige Starthilfe für ein genossenschaftlich betriebenes Kino in der Mozartschule. Die Zukunft der städtischen Immobilie war schon damals ungewiss, galt von Anfang an als Übergangsspielstätte, was aber das Engagement von filmbegeisterten Bürgern nicht minderte.
    Im November 2016 startete das Central Kino auf dem Bürgerbräu-Gelände seinen Neubeginn. Die Umgestaltung der alten Bürgerbräu-Keller erfolgte nach den Plänen von Architekt Rainer Berger, Vorstandsmitglied der Kino-Genossenschaft, die das Central betreibt. Der Umbau kostete rund 850 000 Euro.
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