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    RANDERSACKER

    Heimat spielt für Fränkische Weinkönigin eine große Rolle

    Bewirbt sich um die fränkische Weinkrone: Marina Prust aus Eisenheim im Weinköniginnenkeller des Eisenheimer Winzers Herbert Schuler.
    Bewirbt sich um die fränkische Weinkrone: Marina Prust aus Eisenheim im Weinköniginnenkeller des Eisenheimer Winzers Herbert Schuler. Foto: Traudl Baumeister

    Mit Marina Prust (Eisenheim) und Klara Zehnder (Randersacker) bewerben sich unter den sechs Kandidatinnen am Freitag zwei Weinprinzessinnen aus dem Landkreis Würzburg um das Amt der Fränkischen Weinkönigin. Beide sind 22 Jahre alt, stammen zwar nicht aus einem Weingut, leben aber quasi mitten in den Weinbergen. Beide haben über ihre Väter – Nebenerwerbswinzer – von frühester Jugend an Erfahrungen im Weinbau gesammelt. Marina Prust wurde 2016 zur Weinprinzessin gekrönt, Klara Zehnder war Weinprinzessin von Herbst 2015 bis Herbst 2017. Marina Prust arbeitet als Steuerfachangestellte und gibt als Hobbies Musik, die Freiwillige Feuerwehr, backen und ihren Kater Charlie an. Klara Zehnder studiert Französisch und Spanisch (Romanistik) und liebt Singen, Zumba, Skifahren und Sprachen Lernen. Im Interview verraten die beide noch mehr über sich.

    Wie sehen die letzten Tage vor der Wahl bei Ihnen aus?

    Klara Zehnder: Am Sonntag war ich noch mal auf der „Pro Wein“, der größten Weinmesse der Welt in Düsseldorf, am Frankenweinstand und bei Workshops, etwa über Maischegärung. Ansonsten blättere ich vielleicht noch ein bisschen in der Fachliteratur, aber hauptsächlich werde ich mich ausruhen – dank der vorlesungsfreien Zeit.

    Marina Prust: Kunterbunt gemischt. Ich werde mit meiner Oma sicher noch mal einkaufen gehen. Ansonsten bleibe ich zu Hause, entspanne, lese möglichst nichts mehr über Wein und plane noch einen Mädelstag mit Thermenbesuch mit meiner besten Freundin. Das geht, weil mich meine Chefin diese Woche freigestellt hat.

    Wann ist in Ihnen der Entschluss zur Bewerbung gereift?

    Zehnder: Ich habe mir immer schon mal Gedanken darüber gemacht, aber sicher war ich mir nicht. Im Juli 2017 hatte ich sehr viele Termine als Weinprinzessin. Als es merklich ruhiger wurde, wünschte ich, es wäre wieder mehr los und begann mich ernsthaft mit der Bewerbung zu beschäftigen.

    Prust: Das war ein spontaner Entschluss, kurz vor dem Start der Bewerbungsfrist. Vorher hatte ich mich zwar schon immer mal informiert, was Weinköniginnen so machen, aber nicht ernsthaft erwogen, mich zu bewerben.

    Was erhoffen Sie sich von dem Amt?

    Zehnder: Ich erhoffe mir, Erfahrungen zu sammeln, die mich im späteren Leben weiterbringen, zu wissen, wie ich mich präsentieren kann, wie ich mit Menschen sprechen und meine Meinung ausdrücken kann. Für Franken und die Menschen hier hoffe ich, die Weinregion entsprechend gut zu repräsentieren und voranzubringen.

    Prust: Das Amt ist für mich ein Jahr voller spannender Begegnungen und Menschen. Ich freue mich, über den Wein, eine meiner großen Leidenschaften, zu sprechen.

    Der Begriff „Heimat“ erfährt gerade eine Renaissance. Welche Rolle spielt das für den Frankenwein?

    Zehnder: Eine große. Die Heimat, das ist die Erde, der Ort, an dem unsere Reben stehen, wo unser Wein wächst. Die Heimat prägt deshalb gerade die Menschen, die mit dem Wein arbeiten. Sie sind entweder hineingeboren in den Beruf des Winzers oder haben sich durch irgendetwas dafür begeistern lassen. Ihre Heimat durch den Wein erlebbar, schmeckbar zu machen, das wollen alle.

    Prust: Eine ganz große. Viele Menschen kommen immer mehr ab von industriellen Lebensmitteln, von den Fernreisen hin zum Regionalen, zu Produkten, zu Wein aus der Region. Die Menschen schauen sich die Heimat an, den Winzer bei der Arbeit im Weinberg. Sie sehen, wie er alles selbst macht, hier lebt. Heimat bekommt so ein Gesicht, prägt sich ein.

    Was sagen Sie Kritikern, die behaupten, eine Weinkönigin müsse ja nicht mehr können als gut auszusehen und das Amt transportiere ein überholtes Frauenbild?

    Zehnder: Denen sage ich, dass sie sich nicht ausreichend mit dem Amt auseinandergesetzt haben. Es besteht aus viel mehr, als man über Medien transportieren kann. Selbst, wenn man so viel in der digitalen Welt unterwegs ist wie ich. Als Fachfrauen machen wir sogar selbstständig Weinführungen oder Weinproben oder betreuen als Weinprinzessinnen – beispielsweise auf der Genussmesse in München – schon mal den Best-of-Gold-Stand des Frankenweins. Das muss man sich auch zutrauen. Es ist schon etwas Besonderes, aber eben auch eine verantwortungsvolle Aufgabe als Weinprinzessin seinen Ort oder als Weinkönigin eine ganze Region zu repräsentieren. Damit, auf Fotos nett zu lächeln, lässt sich das nicht erfüllen.

    Prust: Ich finde es schade, wenn Menschen das so sehen. Weinkönigin zu sein, bedeutet ein Jahr lang für eine Region Weinbotschafterin zu sein. Da muss man sehr viel mehr können, als gut aussehen, beispielsweise mal eine Weinführung in Englisch machen oder ins Ausland reisen, um die Region zu repräsentieren. Ich hoffe, die nächste Weinkönigin – egal wie sie heißt – kann mitwirken, solche Ansichten zu beseitigen.

    Will ebenfalls fränkische Weinkönigin werden: Klara Zehnder aus Randersacker auf dem Balkon ihres Elternshauses.
    Will ebenfalls fränkische Weinkönigin werden: Klara Zehnder aus Randersacker auf dem Balkon ihres Elternshauses. Foto: Traudl Baumeister
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