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    Oberaltertheim

    Heimische Züchter setzen wieder auf alte Rassen

    Kleine Gelbviehherde auf der Sommerweide.  Foto: Matthias Ernst/Gemeinde Uettingen

    Auf einer Tafel des europäischen Kulturweges in Uettingen ist ein historisches Bild aus dem Jahr 1920 von der Frankenkuh "Chokolade" des Züchters Andreas Flohr zu sehen. Denn: Uettingen war im Jahr 1899 Gründungsmitglied des Zuchtverbandes für Gelbes Frankenvieh und staatlich anerkannte Rinderstammzucht.

    Um diese Zeit waren die Hänge des Kirchbergs und des Ossnerts mit Weinstöcken bepflanzt. Fröste und Reblaus bereiteten dem Weinbau in Uettingen ein Ende. So besannen sich die kleinstrukturierten Betriebe auf die Gelbviehzucht. Auf den gerodeten Flächen baute man Futter (Luzerne) an. Die Rinderzucht ernährte die durch Realteilung kleinen Betriebe mit ihren Familien bis Ende der 1960er Jahre. Uettingen hatte zu dieser Zeit zirka 120 Milchlieferanten.

    Die Kuh "Chokolade" aus Uettingen war in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Berühmtheit in Franken (Foto: Gemeinde Uettingen) Foto: Matthias Ernst/ Gemeinde Uettingen

    Rinderrasse Gelbvieh gilt als gefährdet

    Heutzutage ist diese Rinderrasse so gut wie verschwunden und gilt als gefährdet. Das Fränkische Gelbvieh wird als eine regional verankerte Rinderrasse angesehen, die an die Standortbedingungen Frankens bestens angepasst ist. Das Rind verdankt seinen Namen dem einfarbig gelben bis bräunlich roten Fell und wird als ein "futterdankbares mittel- bis großrahmiges Arbeitsfleischrind mit kräftigem Knochenbau und guter Bemuskelung" in der Literatur beschrieben. Es ist behornt und hat eine dunkle harte Klaue. Die Gelbviehkuh wird als Dreinutzungsrind beschrieben - zum Arbeiten, zur Michabgabe und zum Fleischverzehr. 

    Die Milch wurde für die Kälberaufzucht und für den Eigenbedarf gebraucht. Abkalbungen erfolgen in der Regel problemlos, und das Rind hat eine lange Nutzungsdauer. Dies war auch der Grund für den Hof an der Mehle in Waldbrunn die Tierhaltung umzustellen. Wie Erlebnisbäuerin Christine Lutz-Bonfig sagt, sei es "schwer gefallen aus der Milchwirtschaft auszusteigen", aber die Zucht des Gelbviehs sei "die Zukunft gerade für kleine Bauernhöfe" Erst im Frühjahr war man von der Milchviehhaltung auf das Gelbvieh umgestiegen. 

    Wo kam das Fränkische Gelbvieh her?

    Die Herkunft des Fränkischen Gelbviehs ist auf einen rotbraun gefärbten keltisch-germanischen Landschlag zurückzuführen, welcher von sehr kleiner Statur war. Zur Zucht schwerer Zugochsen wurde um 1800 mit der Einkreuzung anderer Rinderrassen begonnen. Ab etwa 1875 begann eine beständige Reinzucht auf Einfarbigkeit (gelb), Arbeitstüchtigkeit und "Frohwüchsigkeit".

    Das Hauptzuchtgebiet erstreckte sich über Unter-, Ober und Mittelfranken, über das fränkische Hügelland von der Rhön bis ins Aischtal vom Jura über den Steigerwald und die Haßberge zu den östlichen Abhängen des Spessarts. In Oberfranken um Bamberg herum sowie Weißenburg und Gunzenhausen. Daneben bestanden Zuchtverbände in Südniedersachsen, Nordhessen und Thüringen, lässt sich der Homepage des Gelbviehverbandes entnehmen.

    "Was guckst du so, ich bin eine alte fränkische Rasse", meint dieses Gelbviehrind sagen zu wollen. Foto: Matthias Ernst/Gemeinde Uettingen

    Nach 1945 wurde die Umzüchtung auf Milchleistung vorangetrieben. Seither ist der Gesamtbestand der Rasse stark rückläufig. Beim Fränkischen Gelbvieh, wie übrigens bei vielen anderen regional verankerten Rassen, kann man davon ausgehen, dass der Rückgang auf die "Industrialisierung" bäuerlicher Leistungen zurückzuführen ist.  Nach 1950 wurden Schlepper eingeführt, wodurch die Arbeitskraft der Tiere nicht mehr gefragt war. Zeitgleich wurden Arbeitskräfte in der Industrie gesucht, und so gaben viele Bauern die Kuhhaltung auf. 

    In die Arche des Geschmacks aufgenommen

    "Wenn eine Art oder Sorte, die an spezifische Standortbedingungen angepasst ist, keine Nachfrage mehr erfährt, so besteht die Gefahr, dass deren genetische Ressource für immer verschwindet", so Hans Jürgen Regus vom Zuchtverband. Die Konsequenz sei, dass dadurch besondere Qualitäten der Milch und die ausgezeichneten Vorzüge der Fleischqualität verloren gehen. Die Organisation "Slow Food International" hat das Fränkische Gelbvieh in die "Arche des Geschmacks" aufgenommen. Darin werden Produkte und Lebensmittel aufgenommen, deren Existenz bedroht ist und, die sich durch einzigartige geschmackliche Qualität auszeichnen. Auch der identitätsstiftende Charakter für die Region spielt in die Bewertung mit ein .

    Das fränkische Gelbvieh erlebt eine Renaissance Foto: Matthias Ernst/Gemeinde Uettingen

    Durch das immer stärker wachsende Bewusstsein bei Verbrauchern steigt auch die Nachfrage nach den Produkten des Fränkischen Gelbviehs wieder. Heutzutage gibt es in Unterfranken vereinzelt wieder Gelbviehzüchter, denn einige Landwirte besinnen sich auf die Qualitäten der heimischen Rinderrasse.

    Familienbetrieb hat umgestellt

    Für Dieter Kraus-Egbers aus Oberaltertheim war es 1981 kein leichter Schritt den Familienbetrieb auf "Bio" umzustellen. Im Nachhinein hat es sich gelohnt: Seine Tiere stehen artgerecht auf weitläufigen Weiden und können so robust und damit auch dauerhaft gezüchtet werden.

    Ihn begeistert vor allem die Fleischqualität, die großen Zuchtbetrieben weit überlegen ist. "Unser Fleisch von den Gelbviehrindern ist gut marmoriert, wohlschmeckend und nicht mit Chemie vollgestopft", nennt er die Vorzüge der alten Rassen, "die eben viel besser an unser Klima angepasst sind, als die hochgezüchteten Fleischrinder, die meist ein Leben in dunklen Ställen fristen". Die Aussagen der Kunden haben ihn bestärkt, den Bio-Weg weiterzugehen, und da gehöre das fränkische Gelbvieh dazu, bekräftigt Kraus-Egbers.

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