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    Würzburg

    Hitzige Diskussionen: Was hat der Bauern-Protest gebracht?

    1000 Landwirte aus der Region haben ihrem Ärger Luft gemacht, legten den Verkehr in Würzburg lahm. Der Verband äußert Verständnis, erste Kritik gibt es von den Grünen.
    Bauern-Protest: Um die 1000 Landwirtinnen und Landwirte aus der ganzen Region legten am Dienstag mit ihren Traktoren den Verkehr in der Würzburger Innenstadt weitestgehend lahm. Foto: Daniel Peter

    Vom Bayerischen Bauernverband kam noch am Dienstagabend per Facebook ein großes Dankeschön an die tausenden Bauern und Bäuerinnen, die unter dem Motto "Land schafft Verbindung" an der bundesweiten und nur über soziale Netzwerke initiierten Protestaktion teilgenommen hatten. "Dieses tolle Engagement ist ein positives Signal für die gesamte Branche", heißt es dort. Ein geglücktes Unterfangen sei das gewesen, sagt auch Markus Drexler, Presseprecher des Verbandes auf Anfrage. Der Frust über strenge Auflagen zum Klimaschutz, über die ausufernde Bürokratie und über die heftigen wie pauschalen Verurteilungen von Landwirten als bloße Umweltverschmutzer seien damit kraftvoll in die Öffentlichkeit getragen worden.

    Keine Abspaltung von der Verbandspolitik 

    Dass dieser Protest kein offizieller des Bauernverbandes war, sondern ein privater, ist laut Drexler kein Widerspruch oder gar eine bewusste Abspaltung zur Verbandspolitik. "90 Prozent der Teilnehmer sind ja Mitglieder bei uns", erklärte er. Die Aktion der Organisatoren, die hauptsächlich über soziale Medien kommuniziert worden sei, sei vielmehr als ein gemeinsamer Aufruf an Gesellschaft und Politik zu verstehen.

    Die Protestaktion ist auch am Tag danach ein großes Thema, auch und gerade in Würzburg, wo rund 1000 Teilnehmer mit 800 Traktoren den Verkehr am Dienstagvormittag zum Erliegen gebracht hatten – und die geplante Kundgebung aus logistischen Gründen abgesagt werden musste. Das allein ist aber nur ein Grund von vielen für die hitzigen Diskussion um Sinn oder Unsinn solcher Aktionen, die aktuell unter den Lesern dieser Redaktion aber auch in Verbänden, auf Höfen und in Sitzungen von Politikern aus Unterfranken geführt werden. Und eines wird schnell klar: In dem Spagat zwischen Umweltschutz und funktionierender Landwirtschaft befinden sich nicht nur die Bauern. Es ist ein Dilemma, das sich nicht auf die Branche beschränkt, sondern eine hohe gesellschaftspolitische Komponente trägt.

    Trägt der Verbraucher eine Mitschuld?

    Verbraucher, Landwirte, Politiker – sie sitzen ganz offensichtlich alle in einem Boot, das zu kentern droht, wenn sich nicht bald etwas tut. Wenn keine gemeinsamen Lösungen und Konzepte auf politischer Ebene und im Verband in Sicht sind. Genau das diskutieren auch Leser dieser Redaktion im Internet: "Wir brauchen vernünftige Umweltstandarts und eine Förderung nach diesen Kriterien - und nicht  rein nach Fläche", heißt es in einem Kommentar. Schuld an der Misere habe auch nicht der Verbraucher: "Wenn ich im Supermarkt nur Trauben aus Italien und Frankreich bekomme, kann man schwer Fränkische kaufen." Ein anderer sieht eben doch die Schuld beim Verbraucher, der es möglichst billig haben will und die Herkunft der Produkte nicht hinterfrage. 

    Der Grünen-Landtagsabgeordnete aus Unterfranken, Öko-Landwirt Paul Knoblach, fordert das Aufbrechen alter Strukturen und positive Motivation vom Bauernverband.    Foto: Angelika Cronauer

    Während Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder (CSU) aus Würzburg im Gespräch mit dieser Redaktion unverhohlen mit der Aktion der Bauern sympatisiert, weil er eben auch als ehemaliger, langjähriger Bürgermeister eines kleinen Dorfes im südlichen Landkreis Würzburg die Existenznöte und Sorgen der Landwirte angesichts immer höherer Auflagen aus Brüssel und Berlin aus erster Hand kennt, sieht der im Bayerischen Landtag für die Grünen bestellte unterfränkische Ökolandwirt Paul Knoblach die Sache anders. "Meine Sorge ist, dass die Bauern nicht immer den richtigen Propheten hinterherlaufen."

    Grünen-Landtagsabgeordneter Knoblach: Keine Feindbilder schüren     

    Der Bauernverband sei in einer schwierigen Rolle. Dennoch, so Knoblach, sollte er aufhören, die Bauern in der Rolle der ewig Jammernden und Leidenden zu belassen und sich ihnen als Retter vor der bösen Welt draußen zu präsentieren. "Der Verband tut das, obwohl er weiß, dass ihm das nicht gelingen kann." Viel wichtiger sei es, veraltete Strukturen aufzubrechen, klare Konzepte anzubieten und von der Politik verbindliche Vorgaben bezüglich der Umsetzung dieser Konzepte einzufordern. "Wir spüren die Verzweiflung, die Orientierungslosigkeit auf den Höfen. Wir spüren aber auch Aufbruchstimmung durch die Klimadiskussion." Feindbilder zu schüren, sich gegenseitig die Schuld zu geben an dem Dilemma,  sei der falsche Weg. "Wir brauchen kein lautes Klagen, wir brauchen einen Bauernverband, der zukunftsgerichtet und mit positiver Motivation handelt."

    In einer früheren Version des Textes hieß es in der Überschrift "Bauern-Aufstand".

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