• aktualisiert:

    Höchberg

    Hochkonjunktur beim Instrumentenbauer

    Seit 26 Jahren betreibt Gerhard Nefzger sein Musikgeschäft in Höchberg und in jedem Jahr ist es dieselbe Prozedur. Immer zur Ferienzeit, also wenn andere in den Urlaub fahren, hat er Hochkonjunktur. "Ich fahre jetzt für drei Wochen weg und brauche mein Instrument nicht. Können sie es bitte einmal durchsehen", so klingt es meist am Telefon oder direkt im Laden, wenn ein Musiker sein Instrument zur Inspektion geben möchte.

    Nefzger bleibt die Ruhe selbst, Stress ist ihm unbekannt. Selbst in der größten Hektik behält er die Übersicht. Seine Frau Angelika ist da ganz anders, sie hat immer Angst, dass die Aufträge nicht rechtzeitig fertig werden. Die werden von Jahr zu Jahr mehr. Nefzger ist Spezialist für Holzblasinstrumente. Zu seinen Kunden aus ganz Deutschland zählen Musikschulen, Blas- und Streichorchester, aber auch viele Einzelpersonen.

    Ein ganzes Zimmer steht voll mit Instrumentenkoffern

    Ein ganzes Zimmer, das sonst als Lagerraum genutzt wird, steht voll mit Instrumentenkoffern. Da geht es von teuren Flöten über Klarinetten bis hin zu Saxophonen oder Fagotts. Nefzger kennt seine Kunden meist seit vielen Jahren und die Kunden vertrauen ihm. Hochwertige Instrumente gehören in die Hände von Fachleuten und den Ruf als Fachmann hat sich Gerhard Nefzger selbst über all die Jahre erarbeitet. Selbst Profimusiker kommen zu ihm und lassen ihre Instrumente überholen oder wieder richten, wenn die Töne nicht mehr so kommen, wie sie sollen.

    Und wenn es überhaupt nicht mehr geht, sagt Nefzger es seinen Kunden auch direkt. Dann bleibt meist nur der Neukauf. Hochwertige Instrumente kosten natürlich auch ihr Geld, aber sie sind um ein vielfaches haltbarer als die Billigimporte aus China. "Da sparen die Leute an der falschen Stelle", ist sich Nefzger sicher.

    Aktuell repariert er ein Saxofon eines bekannten Musikers, dessen Name er nicht nennen möchte. Diskretion und Datenschutz sind ihm wichtig, genauso wie absolute Konzentration auf das Objekt. In seiner Werkstatt fühlt sich Nefzger am wohlsten. Hier am Werktisch stehen schon die nächsten Aufträge bereit. Frau Angelika übernimmt dabei die Grobarbeit, trennt die einzelnen Instrumententeile und reinigt sie vor. Das ist seit Jahren ein eingespieltes Team und jeder Handgriff sitzt. Egal ob Piccoloflöte, Oboe, saxophon oder Kontrafagott, die Nefzgers wissen genau was sie tun.

    Gerhard Nefzger übernimmt auch Aufträge von Kollegen, die sich auf andere Instrumentengruppen spezialisiert haben und einen Generalvertrag mit Musikvereinen oder Orchestern übernommen haben. Er ist eigentlich das ganze Jahr ausgelastet, aber jetzt in der Sommerzeit ist seine Arbeit am meisten gefragt.

    Der Arbeitstag beginnt früh um sechs

    Der Arbeitstag beginnt früh um sechs. "Da ist es draußen noch schön kühl und ich kann mich am besten konzentrieren", gibt Nefzger zu, der zwar in Höchberg sein Geschäft betreibt, aber nach wie vor in Versbach wohnt. Er bereut den Schritt in die Selbständigkeit nicht, auch wenn der Anfang schwer war. Zusammen mit einem Klavierbaumeister hatte er sich in eine Werkhalle in der Zellerau eingemietet, bevor man sich zusammen nach Höchberg umorientierte. Das war vor 26 Jahren, der Klavierbauer ist mittlerweile ausgezogen.

    Zum Glück für Gerhard Nefzger. Die ganzen Räumlichkeiten sind mittlerweile von ihm und seinen Instrumenten belegt. Dabei handelt es sich nicht nur um Reparaturen, bei Musik Nefzger gibt es auch neue Instrumente. Die Kunden kommen gerne, lassen sich von den Fachleuten im Geschäft beraten und probieren dann zu Hause aus. "Wir wollen unsere Kunden mit Qualität überzeugen". Nefzger selbst spielt Saxofon in mehreren Bands. Das ist für ihn ein Ausgleich nach dem anstrengden und fordernden Arbeitstag.

    In neuem Glanz und mit neuer Akustik

    Immer wieder kommt es vor, dass defekte Instrumente den Weg zu ihm finden, die nach seiner Behandlung in neuem Glanz und mit neuer Akustik erstrahlen. So wie die Klarinette, die vor ihm liegt. Sie ist schon älter und einige Teile der Mechanik sind nicht mehr beweglich. Außerdem ist bei einem Verbindungsstück ein Stück Holz ausgebrochen. Mit viel Geduld wird die Mechanik mit den einzelnen Klappen gereinigt und neu justiert. Für das fehlende Stück Holz wird Sägespäne mit einem Spezialkleber Stück für Stück aufgetragen und anschließend poliert, bis man nichts mehr von den Vorschaden sieht.

    Natürlich ist so eine Reparatur nicht ganz billig, aber für Nefzger zählt der Kundenwunsch. Er rät bei Billiginstrumenten allerdings auch schon mal von einer Reparatur ab. Viele Menschen denken beim Einkauf sparen zu können, aber das röche sich nach einer kurzen Zeit, denn die Instrumente werden doch viel genutzt und dann zahlt sich Qualität eben aus.
    So wie bei hochwertigen Reparaturen, die Nefzger im Moment zuhauf hat. Doch er ist sich sicher, bis zum Ende der Sommerferien sind alle Aufträge abgearbeitet. Es hat schließlich schon jedes Jahr geklappt.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!