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    Höchberg

    Höchberger Verbindungen ins thüringische Heinersdorf halten

    Günter Klopf und Doris Strauch erinnern sich beim Durchsehen eines Ordners an 30 Jahre Verbindung von Höchberg und Heinersdorf. Foto: Matthias Ernst

    Doris Strauch und Günter Klopf stehen vor zwei dicken Orndern mit Erinnerungen. Erinnerungen an 30 Jahre Verbindungen und persönliche Beziehungen von Menschen beiderseits der Landesgrenze von Bayern und Thüringen. "Die Grenze ist offen und wir müssen unseren Brüdern und Schwestern im Osten doch helfen".

    Was so lapidar klingt, war im Jahr 1989 vor dem 9. November noch unvorstellbar. Der eiserne Vorhang oder besser gesagt eine bestens gesicherte Grenze verhinderte den direkten Kontakt von Menschen aus Westdeutschland und Ostdeutschland. Die DDR hatte sich perfekt gegen die BRD abgeschirmt und erst mit der friedlichen Grenzöffnung am 9. November 1989 änderte sich dies.

    "Oft haben wir in Oberfranken vor den Grenzanlagen gestanden und bedrückt Richtung Osten geschaut", erinnert sich Strauch. "Wir haben die Menschen gesehen, konnten aber nicht mit ihnen sprechen". Ihr Mann Michael hatte einen Studienfreund in Pressig-Welitsch, den die Familie oft besuchte. Da gehörte ein Besuch an der Grenze einfach dazu.

    Verbindungen halten bis heute

    Vor allem Heinersdorf war immer im Blick gewesen. Diese thüringische Enklave war von drei Seiten vom Grenzzaun umschlossen und lag in dem 500 Meter Schutzstreifen, der nur mit besonderem Passierschein und Personalausweis von den Einwohnern betreten werden durfte. Familie Strauch ging damals ins Rathaus von Pressig und holte sich Adressen von Menschen in Heinersdorf, die man besuchen konnte, bereits eine Woche nach der Grenzöffnung. Sie liefen also über den provisorischen Grenzübergang nach Thüringen.

    Die Herzlichkeit, mit der die Höchberger aufgenommen wurden, steckte an. "Wir haben die Menschen damals so angenommen, wie sie waren", erinnert sich Doris Strauch und die Verbindung hält bis heute. Erst am vergangenen Wochenende war man zum Geburtstagsbesuch bei Brigitte Eckerdt gewesen.

    Sie und ihr Mann Erich sind zu echten Freunden geworden. Viel hat man zusammen erlebt in den vergangenen 30 Jahren und sich nicht nur gegenseitig besucht. "Zu Anfang war echte Lebenshilfe gefragt", erinnert sich Günter Klopf. Vieles Westliche war für die Menschen in Heinersdorf fremd und hier half man mit Rat und Tat.

    Fahrt nach Heinersdorf am 16. November

    Zusammen mit ihren Freunden aus der örtlichen CSU organisierten Strauch und Klopf im Januar 1990 ein Besuchsprogramm für die Bürger aus Thüringen in Höchberg. Rund 150 Personen kamen damals in der Marktgemeinde mit Trabant und Bundesbahn an und verbrachten ein unvergessliches Wochenende, untergebracht bei Familien im Ort. "Wir haben die Menschen damals total überfordert", sagt Klopf heute. Hatte man doch ein straffes Programm auf die Beine gestellt. Neben der Rundfahrt durch die Gemeinde stand der Besuch eines großen Möbelhauses auf dem Programm, ein Supermarkt wurde besucht und in den Weinkellern der Residenz eine Weinprobe abgehalten. Die westliche Lebensart wurde vermittelt und doch hielten die Menschen nur langsam Schritt.

    Das hat sich heute geändert, die Lebensinhalte haben sich angeglichen. Und immer noch gibt es fast täglich ein Telefonat oder eine Nachricht, echte Freundschaft eben. "Es ist normal geworden", beschreibt Günter Klopf die aktuelle Situation.

    Nun organisiert Doris Strauch eine Fahrt am 16. November nach Heinersdorf zu den offiziellen Feierlichkeiten am Grenzübergang. Hier ist ein Stück Grenzbefestigung stehengeblieben und auch ein kleines, privat geführtes Museum im ehemaligen Grenzhäuschen erinnert an die Zeit von vor 30 Jahren. Daneben ist ein Austausch mit Zeitzeugen geplant und eine zentrale Gedenkfeier. Vorher ist ein Besuch des Schlosses Rosenau in Coburg geplant.

    Kurzfristige Anmeldungen nimmt Doris Strauch unter Tel.: (0931) 49844 entgegen.

    Anfang 1990 besuchten 150 Heinersdorfer Höchberg und wurden am Marktplatz freudig begrüßt. Foto: Doris Strauch
    Einen Blick von der thüringischen Seite auf die Grenzanlagen der DDR in Richtung Oberfranken wagten die beiden Höchberger Doris Strauch und (rechts) Adolf Ullmann. Foto: Michael Strauch

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