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    Obereisenheim

    Hölljugend feierte 40. Straßenweinfest

    Viele Gäste aus Nah und Fern waren zur dreitägigen Geburtstagsfeier gekommen, um bei beschwingter Musik mit der Hölljugend ein feuriges Fest zu feiern. Auch das Wetter mit seinen sommerlichen Temperaturen machte mit, sodass in den Straßen rund ums Rathaus bis tief in die Nacht gefeiert und aus alten Geschichten erzählt wurde.

    So auch die Entstehungsgeschichte der "Hölljugend". Christel Krämer, damals gerade mal 19 Jahre jung, konnte es nicht verstehen, dass in ihrem Ort unter dem damaligen Bürgermeister Hermann Heim so gar nichts los war, schon gar nicht für die Jugend. So saßen sie an den Abenden, besonders samstags, auf der Milchhäuslesrampe und überlegten, wo was los war, um dorthin zu fahren. Aber eigentlich, so erinnert sich Christel Krämer, "war alles ein wenig fad". Eines Tages kam ihr eine zündende Idee, die sie noch am Abend ihren Gleichaltrigen erzählte. Von diesem Gedanken angetan, trommelten die Jugendlichen alle ins Sportheim des SCO zusammen, um zu hören, was die anderen von der Idee halten.

    Ideen für eine Satzung bei einer benachbarten Jugendgruppe geholt

    Alle waren hellauf begeistert. Nur ein Vater kam wütend in die Veranstaltung und packte seinen Sohnemann am Kragen und zerrte ihn zum Ausgang. Dabei schrie er in den Saal: "Mein Sohn macht net mit. Wir haben daheim genug Arbeit". Doch die übrigen im Saal blieben.

    Ein wenig Bammel hatten sie bei der Gestaltung der Satzung, schließlich hatte man keine Ahnung und die Eltern wollte man partout nicht fragen. Allerdings wusste man, dass es in Freiburg eine ähnlich Jugendgruppe geben sollte.  Also machten sich einige auf zum Kaiserstuhl. Doch die Enttäuschung war groß, als man feststellen musste, dass alle recht alt waren und so gar nicht ins Jugendbild passten.

    Schließlich kam ihnen zu Ohren, dass sich in Escherndorf eine Jugendgruppe gebildet hatte. Sofort nahmen sie Kontakt auf. Nach langen Gesprächen wurden die Satzung und mögliche Ideen von dort abgeholt.

    Mit dem 30. Lebensjahr scheidet man aus der Hölljugend aus

    Keine acht Tage später fanden sich über 40 Jugendliche im Sportheim ein und konkretisierten ihre Idee: die Hölljugend wurde gegründet - mit Satzung und späterem Eintrag ins Vereinsregister. Dabei schworen sich die Mitglieder, dass sobald jemand das 30. Lebensalter erreicht, automatisch aus der Gruppe ausscheidet. "Denn wir wollten keine alten Knacker in unseren Reihen". Außerdem verpflichteten sie sich, alle vier Wochen ein lockeres Treffen zu veranstalten und alljährlich an einem Sonntag Anfang Juli ein eigenes Fest zu organisieren.

    Die Wochenendtreffen waren problemlos. Ein Fest zu veranstalten stellte sich hingegen als eine ganz andere Hausnummer heraus.  Niemand hatte eine Ahnung davon, wie man ein solches organisieren sollte. "Aber wir wollten es durchziehen", schildern Christel Krämer und Dagmar Reich (damals 17).

    Finanzielle Unterstützung vom Winzerverein

    Unbedarft ging man an die Sache ran. einigte sich auf vier Stände mit Schwenkbraten-, Bratwurst-, Käse- und Weinstand. Dann musste Ware gekauft und gelagert werden, die Helfer aus den eigenen Reihen auf die Stände verteilt und eingeteilt sowie Tische und Bänke bestellt werden. Bei allem stellte sich immer die gleiche Frage: "Mit wie vielen Leuten können wir rechnen?"

    Bei der Finanzierung des Festes seien sie vom Winzerverein großartig unterstützt worden, der sie mit einen Startkapital von damals 500 D-Mark ausstattete. Doch das Geld reichte natürlich hinten und vorne nicht. Also griff man auf eigene private Geldmittel zurück und kaufte reichlich ein. Das erste Fest lief ausgesprochen gut und man fühlte sich bestätigt, dass "die Hölljugend das kann". 

    Christel Krämer, die Hauswirtschaftslehrerin, heute: "Die Zeit in der Hölljugend waren für mich und meine weitere Berufsplanung entscheidend. Ich habe in der Zeit gelernt, mit Geld, anderen Meinungen und Charakteren umzugehen sowie Feste zu organisieren. Das Wichtigste sei aber der Zusammenhalt. "Nur so kann man große Aktionen bewältigen." 

    Schwenkbraten mit geheimer Marinade

    So wurde in den vergangenen 40 Jahren das Fest abgehalten - immer dabei der obligatorische "Schwenkbraten" mit eigener geheimer Marinade. Dazu werden die Weine von den örtlichen Winzern kredenzt.

    Kaffee und Kuchen gab es von Anfang an. Diese Aufgabe haben die evangelische Kirchengemeinde und der Liederkranz Obereisenheim übernommen und halten bis heute im Gemeindehaus leckere Bäckereien für die Gäste parat.

    Zur diesjährigen Festeröffnung waren auf Einladung von Weinprinzessin Mariola Jung und der Hölljugend neun Weinprinzesinnen und vier Symbolfiguren plus Bürgermeister Andreas Hoßmann gekommen. Bürgermeister Hoßmann lobte die Courage der Hölljugend. Das Fest sei für den Ort und seine Gäste ein Erfolgsmodell, das mit großem Engagement durchgeführt werde. Er überreichte einen Scheck in Höhe von 400 Euro - für 40 Jahre Hölljugend pro Jahr zehn Euro.

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