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    FÄHRBRÜCK

    Hubertusverein: 175 Jahre „Verantwortung in der Welt“

    Am 30. Juni feiert der „Katholische Männerverein St. Hubertus“ sein 175-jähriges Jubiläum. Die Gründung war im Jahr 1843, als Ludwig I. im Königreich Bayern regierte.

    Nimmt man es genau, gab es 1843 noch keinen „Verein“ im heutigen Sinn. Königliche Forstbeamte im Gramschatzer Wald, Jäger und Jagdliebhaber hatten den Wunsch zu regelmäßigen Treffen. Die Wallfahrtskirche Fährbrück erschien der Freundesgruppe ideal und Pfarrer Johann Samfaß unterstützte sie. Bis heute spielt der „geistliche Beirat“ in Fährbrück eine bedeutende Rolle im Verein.

    Messen für verstorbene Jagdfreunde

    Bei den Treffen sammelte Pfarrer Samfaß Geld für eine Stiftung. Sie sollte Messen für verstorbene Jäger und Jagdfreunde sicherstellen. 1853 sind die „Quartalsgottesdienste“ gestiftet worden. Im gleichen Jahr wurde dem „Königlichen Pfarramt Hausen“ vom Amtsgericht Arnstein die Vereinsgründung des „Katholischen Männervereins St. Hubertus, Fährbrück“ bestätigt.

    „Der Verein will seinen Mitgliedern helfen, ein rechtes Verhältnis zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst zu finden. Er will die Tradition erhalten und das Gedächtnis der Toten pflegen“, heißt es in der Satzung. Die Mitglieder sollen „Verantwortung in der Welt“ übernehmen, sich „um eine zeit- und sachgerechte Meinungs- und Willensbildung“ bemühen und die Brüderlichkeit pflegen.

    Heute gibt es 84 Ortsvereine

    Die Zahl der Gründungsväter ist nicht bekannt. Zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1868 waren es 167 Mitglieder. Geblieben ist der „Hauptverein“ in Fährbrück. Heute gibt es in 84 Ortsvereinen in den Landkreisen Würzburg, Schweinfurt, Kitzingen und Main-Spessart über 3000 Hubertusbrüder. Sie werden im Hauptverein gebündelt.

    Seit Jahren ist regelmäßig jeden letzten Samstag im Juni „Hubertus“. Zuerst wird der Satzung gemäß die Messe für die verstorbenen Mitglieder gehalten. Mit geistlicher Festpredigt. Dann gibt es eine Kundgebung im Freien, damit die „zeit- und sachgerechte Meinungs- und Willensbildung“ gewährleistet ist.

    Augustinerpater Franz Klein als Festprediger

    Die Themen der Kundgebung sind breit gefächert. „Wir engagieren Festredner aus den Bereichen Kultur, Kirche, Wirtschaft oder Politik“, erklärt der dritte Vorsitzende Wilhelm Issing. Aktuell soll deren Thema sein und sich ergänzen mit den Ansprachen des jeweiligen Festpredigers. Diesmal kommt Augustinerpater Franz Klein als Festprediger. Jürgen Vocke, der Präsident des Landesjagdverbands Bayern, ist der Festredner.

    500 bis 600 Hubertusbrüder werden wieder zum Hauptfest erwartet. Alle freuen sich auf den kräftigen Männergesang. Das sei bei der guten Akustik in der frühbarocken Kirche jedes Mal ein Gänsehaut-Erlebnis, sagen sie. Ähnlich ist es mit dem Singen des Ave-Maria beim 12-Uhr-Läuten und zum Abschluss der Veranstaltung. Dann spielt die Musikkapelle aus Eßleben im Wechsel mit den Kirchenglocken - wie seit 100 Jahren.

    Nach erhitzter Diskussion abgeschmettert

    Ab und zu denkt der Verein darüber nach, auch Frauen aufzunehmen. 1994 beispielsweise ist dieses Ansinnen „nach einer erhitzten Diskussion einstimmig abgeschmettert worden“. Die Frauen hätten ihre eigenen Vereine wie den Katholischen Frauenbund. „Warum sollte es nicht auch Vereine geben, die nur den Männern vorbehalten sind?“, steht in der Chronik.

    Ehrenvorsitzender Josef Hell aus Opferbaum möchte die Tradition gewahrt wissen. 45 Jahre hat er sich im Verein engagiert, zuletzt von 1984 bis 2008 als Vorsitzender. Gerade die Brauchtumspflege scheint junge Männer anzuziehen. „Seit dem letzten Hubertusfest sind 114 neue Mitglieder dazu gekommen“, weiß Schatzmeister Norbert Wendel. Etwa 30 Mitglieder sind in dieser Zeit gestorben. Nur wenige treten aus. Der Verein wächst.

    Die Ortsvereine sind unterschiedlich aktiv

    Der Jahresbeitrag kostet fünf bis sechs Euro im Jahr, je nach Ortsverein. Drei Euro pro Mitglied werden an den Hauptverein abgeführt. Die Ortsvereine sind unterschiedlich aktiv. Manche kümmern sich um die Kirche und Bildstöcke ihres Heimatdorfes, andere engagieren sich für die Entwicklungshilfe oder für den Zusammenhalt im Dorf.

    „Unser Hubertusverein hat sich sehr positiv entwickelt“, freut sich Vorsitzender Bruno Strobel aus Waigolshausen. Der Hauptverein kümmert sich um das Hubertusfest, die vier gestalteten Quartalsmessen im Jahr, eine davon beim Hubertusfest, dazu eine Hubertusmesse mit Jagdhörnern im November und um Verwaltungs- und Repräsentationsaufgaben.

    Vorbildlich wollten die Gründungsväter sein, als Christen und Familienväter. Heute sind Hubertusbrüder oft Vereinsvorsitzende oder sie engagieren sich als Politiker. Der nach 175 Jahren immer noch aktive und wachsende Verein kann wahrlich stolz auf sich sein.

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