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    Würzburg

    Hubland: Ist die Kritik am Zustand des Geländes berechtigt?

    Das Hubland ein Jahr nach der Landesgartenschau. Aus der ehemaligen Landebahn links entlang des Beltwalks soll nach Plänen des Gartenamtes ein Gebrauchsrasen werden. Die Kräne links im Hintergrund zeugen von reger Bautätigkeit. Foto: Patty Varasano

    Im vergangen Jahr rief die Landesgartenschau die Besucher ans Hubland. Doch nicht allen gefiel das Konzept und was sie dort sahen. Sie machten ihrem Unmut in den sozialen Netzwerken Luft. Heute, ein Jahr später, könnte man meinen, es sei das buchstäbliche Gras über die Sache gewachsen. Das ist es auch, das ist unübersehbar. Aber auch jetzt gibt es Kritiker, denen das nicht gefällt. Mit Fotos wird in Würzburg-Gruppen auf Facebook dokumentiert, was stört. Das Gelände sei verwildert und ungepflegt, das Gras sei trocken und nicht gemäht, heißt es. Bauzäune stören das Auge. "Verwahrlost" nennen einige Kommentatoren das Gelände und fragen, warum die undichte Stelle im großen Brunnen noch nicht gefunden und repariert sei.

    Das große Wasserbecken liegt immer noch trocken. Es hat ein Leck. Die Stadtverwaltung  geht davon aus, dass das Becken im Frühjahr kommenden Jahres wieder in Betrieb geht. Foto: Patty Varasano

    Andere allerdings verteidigen den Zustand des Geländes. "Abgeblühte Wildblumenwiesen sind so", schreibt eine Kommentatorin. "Eine richtige Parkanlage mit Kulturpflanzen, englischer Rasen, wer will das auf dieser Fläche finanzieren?", fragt sie. Und gibt den Tipp: "Wer das möchte, dafür hat Würzburg den Hofgarten und Teile des neuen und alten LGS-Geländes."

    Der erste, flüchtige Blick täuscht

    Kommt man aus Richtung der Magdalena-Schoch-Straße, so scheint das Gelände auf den ersten Blick in der Tat alles andere als gepflegt. Schaut man jedoch genauer hin, so stellt man fest, die Hochbeete dort werden gepflegt und bewirtschaftet, nur dazwischen herrscht die ungezähmte Natur, worüber sich Insekten und allerlei Kleingetier sicherlich freuen . Wer einen mit der Nagelschere gestutzten fünf-Millimeter-Vorgartenrasen vorzieht, dem kann das nicht gefallen.

    An vielen Stellen wird noch gebaut. Der Bagger gräbt auf der Höhe der alten Tankstelle, im Hintergrund ist der sogenannte "Cube", des Zentrums für digitale Innovationen, zu sehen. Foto: Patty Varasano

    Zucchini wachsen dort, allerlei verschiedene Tomatensorten, gelbe und grüne Kürbisse, Artischocken, Bohnen und große, grüne Peperoni. Auch eine Kräuterspirale gibt es. Samentütchen auf Stöckchen in den Beeten und ein gut gefüllter Komposthaufen zeugen von regelmäßigen Pflegearbeiten. Ein Schild am Kürbishochbeet mahnt: Keine Selbstbedienung, wer einen will, gärtnert mit!

    Dass der Eindruck der "Verwahrlosung" trügt, bestätigt auch Rathaussprecher Christian Weiß. "Von Seiten des Gartenamtes wird die Anlage von einem Obergärtner und drei Mitarbeitern des Gartenamtes betreut", berichtet er auf Anfrage. Unterstützt würden diese beim Inklusionsprojekt durch sechs bis acht Personen. Der sogenannte "Stadtgarten am Hubland" werde vom Verein "Stadtgärtner Urban Gardening Würzburg e.V." betreut. Dieser Stadtgarten umfasse die Fläche bei der inzwischen abgerissenen Mall und die bereits angesprochenen Hochbeete im Bereich des ehemaligen großen Gastrozeltes.

    Ein gut gefüllter Komposthaufen zeugt von Urban Gardening am Hubland auf dem Gelände der ehemaligen LGS. Dazwischen: Wilde Natur. Foto: Ernst Lauterbach

    Aufgrund der Hitze und Trockenheit der vergangen Wochen liege das Hauptaugenmerk derzeit auf der Bewässerung aller Pflanzungen. Auch die Rasenfläche am Beltwalk werde regelmäßig gewässert und gemäht und befinde sich, angesichts der extremen Trockenheit, insgesamt in einem guten Zustand, so der Rathaussprecher weiter. Aus Sicht des Gartenamtes sei es allerdings nicht nachhaltig, mit einem extremen Aufwand an kostbarem Trinkwasser eine sattgrüne Rasenfläche herzustellen. Stattdessen werde durch Mahd und abgestimmte Wässerung versucht, einen einigermaßen grünen Gebrauchsrasen zu etablieren, der zum Spielen und Verweilen geeignet ist, erklärt Weiß.

    In bestimmten Bereichen wird das Mahdgut eine Zeit lang liegen gelassen, damit die Samen ausfliegen können. Foto: Patty Varasano

    Die große Wiesenfläche im westlichen Bereich werde sehr extensiv gepflegt. Dort würde das Gartenamt abschnittsweise mähen und das Mahdgut zum Trocknen liegen lassen. Somit könne der Samen ausfliegen und Insekten würden geschont, informiert Weiß. Er räumt ein, dass aufgrund der fehlenden Niederschläge die Fläche nach dem Abräumen braun wirken könne, was aber nicht auf mangelnde Pflege zurückzuführen sei. "Ziel ist es, es langfristig eine blütenreiche Magerwiese zu etablieren, die einen wertvollen Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger darstellt", erläutert er die Absicht des Gartenamtes. Sein Fazit: Die Grünanlage befinde sich in einem für die aktuell vorherrschenden Witterungsverhältnisse entsprechenden guten Pflegezustand. Zudem seien mittlerweile 15 Mülleimer aufgestellt worden, die regelmäßig geleert würden.

    Der sogenannte "Stadtgarten am Hubland" wird vom Verein "Stadtgärtner Urban Gardening Würzburg e.V." betreut. Foto: Ernst Lauterbach

    Bauzäune gebe es, weil an einigen Stellen noch gebaut werde, sagt Weiß. Schließlich sollen am Hubland einmal rund 4500 Menschen wohnen. So stehen Zäune zum Beispiel im Bereich der alten Tankstelle, an den Mannschaftshäusern neben dem ehemaligen Biergarten, aber auch immer noch am großen Brunnen, wo die Suche nach dem Leck läuft. "Wir gehen aber davon aus, dass das Becken im Frühjahr kommenden Jahres wieder in Betrieb geht", sagt der Rathaussprecher.  

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