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    LANDKREIS WÜRZBURG

    Hüter der Grenzen: Garanten für Ehrlichkeit und Rechtmäßigkeit

    Verdiente Feldgeschworene wurden für ihren aktiven Dienst bei einem Festakt in Unterpleichfeld ausgezeichnet. Foto: Wilma Wolf

    Hohe staatliche Auszeichnung: Landrat Eberhard Nuß ehrte verdiente, langjährige Feldgeschworene bei einem Ehrenabend in der Mehrzweckhalle in Unterpleichfeld.

    Weil man der staatlichen Ehrung verdienter Siebener nach so langen Dienstzeiten in der Öffentlichkeit mehr Beachtung schenken sollte, finde ein eigener Empfang statt. Schließlich sei das Amt des Feldgeschworenen das traditionsreichste Ehrenamt in Bayern und gilt seit 2016 auch als deutsches Unesco Kulturerbe. „Wir möchten uns bei Ihnen sehr herzlich bedanken für einen großartigen ehrenamtlichen Dienst, den Sie über Jahrzehnte hinweg ausgeübt haben“, sagte der Landrat.

    Feldgeschworene seien Garanten für Ehrlichkeit, Rechtmäßigkeit und als fränkische Bauern Garanten für natürliche Lebensgrundlagen, lobte er das große Engagement der 28 Geehrten aus allen Teilen des Landkreises. Darüber hinaus setzten sich Siebener in besonderem Maße für den Erhalt der heimischen Landwirtschaft ein.

    Hierfür wünsche er sich allerdings mehr Ehrlichkeit bei den Preisen. Das Bezahlen fairer und gerechter Preise für gute Ware dürfe sich nicht nur in der dritten Welt abspielen, sondern müsse vor der eigenen Haustür beginnen. „Die heimische Landwirtschaft hat ein Recht auf eine ordentliche Bezahlung ihrer Arbeit“, meinte Nuß. Ganz nebenbei wären gerechte und faire Preise auch ein Segen für das Land, sowohl ökologisch wie auch ökonomisch. Denn in der bäuerlichen Landwirtschaft lägen nach wie vor Chancen.

    Auf die Geschichte des Feldgeschworenenwesens ging Herbert Schmidt, stellvertretender Leiter des Vermessungsamtes Würzburg, in seiner Rede ein. In Franken lässt sich diese immerhin bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Bis heute sei das Siebener-Amt ein Modellfall lebendiger Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Verwaltung geblieben.

    Denn selbst die modernste Technik könne keinen Grenzstein zentimetergenau setzen. Aber auch für die Erhaltung des Grenzfriedens vor Ort gebe es nichts Besseres als die Feldgeschworenen. „Sie sind Kenner der Grenzen und Wahrer des Friedens“, lobte Schmidt.

    Als Hüter der Grenzen bezeichnete Norbert Jesberger, Vorsitzender der Feldgeschworenenvereinigung links des Mains und der Arge der Feldgeschworenenvereinigungen in Unterfranken, die Siebener. Diese Aufgabe erfordere nicht nur ausgezeichnete Ortskenntnisse, sondern auch ein großes Maß an Menschenkenntnis, Fingerspitzengefühl und diplomatischem Geschick.

    Auch heute, in Zeiten von GPS, Digitalisierung und 3-D-Vermessung sei das konkrete Wissen der Siebener über die Verhältnisse vor Ort unentbehrlich. Das Amt sei wertvoll und friedensstiftend und auch dafür da, der jungen Generation den Sinn und Zweck von Grenzen zu erläutern. „Macht weiter so, denn ihr seid das Bindeglied zwischen Gemeinde, Bevölkerung und Natur“, forderte er die Geehrten auf.

    Siebener leisten ihren Dienst bei Vermessungen der Vermessungsverwaltung, bei Baumaßnahmen der Gemeinde oder der Mitbürger oder machen Grenzgänge mit Schulen und anderen Vereinigungen, erklärte Jesberger. Für den Festakt mit Essen und Trinken bedankte er sich auch im Namen seiner Kollegen Werner Wenninger (Vereinigung Ochsenfurt) und Klaus Wild (Vereinigung rechts des Mains).

    Siebener könne nicht jeder werden, sondern nur „ehrenhafte und zuverlässige Bürger, die ein hohes Ansehen in der Gesellschaft haben“, meinte Unterpleichfelds Bürgermeister Alois Fischer, der als Hausherr die Mehrzweckhalle zur Verfügung gestellt hatte.

    Musikalisch umrahmt wurde der Ehrenabend vom Landfrauenchor, der mit seinen Liedern einen ganz besonderen Glanz zauberte. „Mit seinen Darbietungen ist der Landfrauenchor für den Landkreis Würzburg und ganz besonders für mich persönlich immer wieder ein Stück vom Paradies“, sagte Landrat Nuß gut gelaunt und sang bei seinem Lieblingslied selbst mit. Mit der Ehrenurkunde des Freistaates Bayern wurden ausgezeichnet:

    Vereinigung links des Mains: 50 Jahre: Dieter Schmitt (Höchberg), Andreas Wehr (Remlingen); 40 Jahre: Siegfried Seubert (Waldbüttelbrunn).

    Vereinigung rechts des Mains: 50 Jahre: Artur Pfister (Bergtheim); 40 Jahre: Kurt Weidner (Veitshöchheim-Gadheim); Hugo Stauder, Heinz Rockenmaier (beide Würzburg-Versbach); Richard Kremling, Konrad Friedrich (beide Bergtheim-Opferbaum); 25 Jahre: Michael Keller, Anton Fischer, Anton Ackermann (alle Estenfeld); Ethi Schmachtenberger (Randersacker); Wolfgang Roth (Würzburg-Lengfeld); Erich Freudenberger (Güntersleben); Ludwig Mark (Unterpleichfeld-Burggrumbach).

    Vereinigung Ochsenfurt: 40 Jahre: Burkard Wengel (Riedenheim-Stalldorf); Ernst Langmandel, Herbert Kemmer (beide Giebelstadt-Sulzdorf); Alfred Haaf (Aub-Baldersheim); Josef Englert (Gaukönigshofen-Acholshausen); Alfons Fries (Giebelstadt-Allersheim); 25 Jahre: Alfred Englert (Bütthard-Gützingen); Klaus Hufnagel (Gaukönigshofen-Wolkshausen); Volker Meyer (Ochsenfurt-Erlach); Heinz Deppisch (Giebelstadt-Eßfeld); Franz Herkert, Michael Behr (beide aus Bieberehren).

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