• aktualisiert:

    FRICKENHAUSEN

    Hundert Jahre bis zum Hochwasserschutz

    Gelöste Stimmung herrschte im historischen Rathaussaal von Frickenhausen für einen Moment, als sich der SPD-Fraktionsvor... Foto: Klaus L. Stäck

    Im historischen Rathaus machten der SPD-Fraktionsfraktionsvorsitzende im Landtag, Markus Rinderspacher, MdB Volkmar Halbleib und weitere Sozialdemokraten aus der Umgebung Station bei ihrer Fahrradtour. Zum Schoppentrinken blieb kaum Zeit, nicht nur wegen des engen Fahrplans.

    Bürgermeister Reiner Laudenbach legte ausführlich dar, wie sich kleine Gemeinden bei der Daseinsvorsorge vom Staat allein gelassen fühlen. Beispiel war der Hochwasserschutz. Der würde rund 15 Millionen kosten. Lange habe der Freistaat darauf beharrt, dass die Gemeinde die Hälfte übernehme, dann waren es 32 Prozent. Aber selbst so blieben fünf Millionen an der Gemeinde hängen, die aber nur eine freie Finanzspanne von 50 000 bis 100 000 Euro im Jahr hat. Unter diesen Voraussetzungen würde die Verwirklichung 100 Jahre dauern, rechnete Laudenbach aus.

    Die Finanzierung der Pflichtaufgaben sei ein Problem. Die Gemeinde habe ihre Grundschule aufgegeben, auch um etwas mehr Geld verfügbar zu haben. Aktuell steht die dringende Sanierung des Kindergartens an. Dabei gibt es eine Obergrenze der förderfähigen Kosten. Zuschüsse richten sich nach Bedarf und Quadratmetern. Zudem muss die Gemeinde jährlich bis zu 60 000 Euro für den laufenden Betrieb zuschießen. Am liebsten wäre es Laudenbach, wenn der Bund, der Kinderbetreuung zur Pflicht macht, auch die Kosten übernähme.

    Der Bau des neuen Feuerwehrhauses würde rund 1,2 Millionen kosten. Durch viel Eigenleistung wolle man mit 700 000 Euro zurecht kommen. Zum Glück sei die Dorfgemeinschaft intakt, so dass Bürger vieles selbst in die Hand nehmen und Spenden sammeln, wie beispielsweise beim magischen Ort in den Weinbergen oder beim Spielplatz. Markus Rinderspacher sagte, dass die Bürger Leistungen erwarten. Die in den Gemeinden Verantwortlichen müssten aber den Kopf hinhalten, wenn nicht alles so gehe wie gewünscht. Der kommunale Finanzausgleich müsste neu organisiert, die über 400 Fördertöpfe auf 30 reduziert werden. Bayern sei ein reiches Land und müsse die Kommunen finanziell so ausstatten, dass sie ihre Aufgaben erfüllen können. Die „eindringliche Darstellung“ des Frickenhäuser Bürgermeisters nehme er mit „als Auftrag, dicke Bretter zu bohren“, sagte Rinderspacher.

    Laudenbach erinnerte auch daran, dass den Bürger soziale Themen beschäftigen. In Frickenhausen mit einem hohen Anteil an älteren Menschen seien es oft die Renten. Beispielsweise könne ein Rentner, der nach jahrzehntelanger Arbeit mit 500 Euro im Monat auskommen muss, nicht verstehen, dass eine Asylantenfamilie, die nie in die Sozialsysteme einbezahlt hat, 1700 Euro erhält. Auch Gesundheitswesen und Leiharbeit seien Themen mit Zündstoff. Die Lunte glühe schon, aber: „Die etablierten Parteien erkennen diese Probleme nicht,“ machte Laudenbach deutlich.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!