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    Würzburg

    Hyrox: Der Weltmeister der Trendsportart kommt aus Würzburg

    Hyrox-Weltmeister Lukas Storath schiebt einen 175 Kilo schweren Schlitten über die Tartanbahn der Würzburger Bereitschaftspolizei. Foto: Tim Eisenberger

    175 Kilogramm: Es ist das Gewicht zweier groß gewachsener Männer, das Lukas Storath auf einem Schlitten über die Tartanbahn am Sportplatz der Würzburger Bereitschaftspolizei schiebt. Dabei verzieht der Polizist kaum eine Miene, denn er ist Weltmeister im Hyrox - einer neuen Fitness-Sportart, bestehend aus neun Disziplinen.

    Was ist Hyrox?
    Hyrox besteht aus acht Kraft-Ausdauer-Übungen, nach denen jeweils ein 1000-Meter-Lauf absolviert werden muss. Die Übungen in der Kategorie "Pro" für Männer sind: 
    • 1000 Meter auf dem Ski-Ergometer
    • Zwei Mal 25 Meter einen 175 Kilo schweren Schlitten schieben
    • Zwei Mal 25 Meter einen 125 Kilo schweren Schlitten ziehen
    • 80 Meter Burpee (Liegestütz und Aufstehen) mit Sprüngen
    • 1000 Meter auf dem Ruder-Ergometer
    • 200 Meter zwei Mal 32 Kilo Kugelhantel tragen
    • 100 Meter Ausfallschritte mit 30 Kilo Extragewicht
    • 100 Würfe mit einem Neun-Kilo Ball auf drei Meter Höhe
    Für Sportler, die Hyrox eher als Ausgleich betreiben wollen, gibt es die "Jedermann-Version" mit geringeren Gewichten und Wiederholungszahlen. Genauere Infos, sowie Wettkampfdaten und Ergebnisse gibt es unter www.hyrox.com

    Gemeinsam mit seiner Kollegin Lisa Düngfelder, die wie der 38-Jährige Sportleiterin bei der Würzburger Bereitschaftspolizei ist, reiste Storath Anfang April zur Weltmeisterschaft nach Oberhausen. Nur 59:07 Minuten brauchte er für acht Mal einen Kilometer Laufstrecke und acht Kraftausdauer-Übungen - und war damit mehr als drei Minuten schneller als sein direkter Verfolger. Lisa Düngfelder wurde im Finale bei den Damen Dritte (1:10:40 Stunden). Beide starteten in der Kategorie "Pro", in der bei der Weltmeisterschaft nur die 70 besten Männer und Frauen von insgesamt über 10 000 Startern teilnehmen durften.

    Dass Hyrox in Deutschland immer bekannter wird, dafür sorgt aktuell Christian Toetzke. Der Gründer des Hamburger Radrennens "Cyclassics" hat mit seiner Agentur Upsolut Sports die Organisation von Hyrox-Veranstaltungen in Deutschland übernommen. Mit Puma steht ein großer Partner im Bereich Sportartikel an seiner Seite. "Alleine in Deutschland gibt es über zehn Millionen Fitnessstudio-Mitglieder, die bisher in dieser Form keinerlei Wettkampfmöglichkeiten hatten. Jetzt gibt es erstmalig einen Wettbewerb, um all diese Menschen zu aktivieren", so Puma-Marketing-Chef Paul Paska.

    Gute Fitness hilft im Polizei-Alltag

    "Es ist ein kleiner Teil der Arbeit, aber natürlich hilft die körperliche Fitness im Einsatz, zum Beispiel beim Tragen der schweren Ausrüstung", erklärt Jürgen Schneider, Hundertschaftsführer bei der Bereitschaftspolizei. Gemeinsam mit Thomas Bauer, dem Leiter der III. Bereitschaftspolizeiabteilung, ehrte Schneider Storath und Düngfelder für ihre Erfolge. Innerhalb des Zugs gebe es schon Nachahmer. "Lukas und Lisa haben da eine Art Führungsfunktion", so Schneider.

    "Lukas und Lisa haben da eine Art Führungsfunktion."
    Jürgen Schneider, Hundertschaftsführer bei der Bereitschaftspolizei

    Der Vorteil von Hyrox ist: Die Sportart erfordert wenig Technik - sobald die Ausrüstung vorhanden ist, kann sie fast jeder ausüben. "Es sind kürzere Workouts, das Ganze ist technisch weniger anspruchsvoll als Crossfit, eine weitere Fitness-Trendsportart, die sich nach den USA auch in Europa ausgebreitet hat. Deshalb ist es einfacher", erklärt Storath. In Würzburg kann man Hyrox im Fitnessstudio McFit in der Grombühlstraße trainieren. Dort brachte sich auch Storath in Weltmeister-Form.

    Der Leiter der Einsatzhundertschaft Jürgen Schneider, Weltmeister Lukas Storath, WM-Dritte Lisa Düngfelder und der Leiter der III. Bereitschaftspolizeiabteilung, Thomas Bauer. Foto: Tim Eisenberger

    Dafür quälte er sich zehn Mal die Woche; teilweise absolvierte er die erste Einheit bereits vor Dienstbeginn. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Der Erfolg in Oberhausen, bei dem ihn auch 22 extra angereiste Kollegen unterstützten, brachte Storath ein Preisgeld von 2500 Euro ein. In den USA, wo er nächstes Jahr an ein oder zwei Events teilnehmen möchte, ist die Sportart bereits weitaus populärer als hierzulande. "Mit Zuschauern macht es nochmal mehr Spaß", so Storath.

    Über Umwege zum Weltmeister

    Zu Hyrox kam Storath über Umwege. Er nahm an der RTL-Show "Showdown - Die Wüsten-Challenge" teil, schied jedoch früh aus, weil er einen Wimpernschlag zu spät kam. Dann bekam er von einem anderen Kandidaten den Tipp, es mal mit Hyrox zu probieren, da dort der Wettkampf länger dauert. Für Storath erwies sich dieser Tipp als Glücksfall - nur knapp ein Jahr später war er Weltmeister in ebendieser Sportart. Neben der körperlichen Fitness erwies sich der Polizeibeamte seinen Gegnern auch technisch und psychisch als überlegen. 

    Lisa Düngfelder auf dem Ruderergometer, auf dem sie bei der Weltmeisterschaft Zeit gut machte. Foto: Bereitschaftspolizei Würzburg

    Seit seinem ersten Wettkampf schaut sich Storath immer wieder Tipps und Tricks ab und perfektionierte so zum Beispiel seine Technik bei den Burpee-Sprüngen. Auch die Vorbereitung auf den Wettkampf optimierte er. "Zwei Stunden vorher nichts mehr essen und ordentlich aufwärmen", lautet seine Empfehlung.

    "Zwei Stunden vorher nichts mehr essen und ordentlich aufwärmen."
    Weltmeister Lukas Storath über sein Wettkampfvorbereitungen

    In Zukunft will Storath sich auch in einem "Mixed Double", bei dem man zu zweit antritt, versuchen. Dann eventuell mit seiner Kollegin Lisa Düngfelder, oder der ehemaligen Weltklasse-Distanzläuferin Sabrina Mockenhaupt. Sie wäre für Storath eine gute Mixed-Partnerin, da im Double beide Athleten das Programm absolvieren müssen, wobei die Laufleistung eine große Rolle spielt. Fürs kommende Jahr hat Storath neben dem Trip in die USA geplant, an drei bis vier der insgesamt sieben Hyrox-Veranstaltungen in Deutschland teilzunehmen. Storaths großes Ziel: seinen WM-Titel in Berlin im kommenden Jahr zu verteidigen.

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