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    Gerbrunn

    Igel in Not: Was den Tieren wirklich hilft

    Igel brauchen grüne Gärten mit Würmern, Schnecken und Insekten, um zu Überleben. Archivfoto: Herbert Martin

    Unter der derzeitigen Hitze und Trockenheit leiden auch viele Tiere. Gudrun und Herbert Martin, Betreiber der Igelstation in Gerbrunn, und ihre Vertretung Brigitte Ales machen sich deshalb momentan große Sorgen. Wobei die größte Gefahr für die weiblichen Tiere derzeit nicht einmal das Wetter ist.

    Nicht hilflos, sondern schwanger

    Wenige Tage ist es erst her, dass eine besorgte Tierfreundin Rat suchte. "Bei uns lag ein hilfloser Igel, der sich gar nicht mehr bewegte", berichtete sie. Sie habe nicht lang gefackelt und sich das Tier gegriffen, um es im Karton zur Igelstation zu bringen. Dort bewahrheitete sich, was Gudrun Martin befürchtet hatte: "Die Igelin war nicht hilflos, sondern damit beschäftigt, Junge zu werfen."

    Das erste Kleine, das bei der Ankunft in Gerbrunn bereits im Karton lag, war beredtes Zeugnis davon. Leider endete die Geschichte wie in solchen Fällen meist, sagt Gudrun Martin: "Zwar brachte die Mutter noch ein weiteres Junges zur Welt. Am nächsten Morgen hatte sie jedoch beide totgebissen."

    Die Natur ist heuer Wochen voraus

    Nicht umsonst stehen die nützlichen Kleinsäuger unter Naturschutz. "Mütter, die werfen, brauchen einfach Ruhe. Während der Geburt, aber auch in der Kinderstube", erklärt Gudrun Martin. Dass die Natur in diesem Jahr Wochen voraus ist, macht sich bemerkbar.

    "Die Würfe kommen früher als sonst", sagt sie. Bisher war meist ab August Hochbetrieb in der Igelstation und das Ehepaar suchte händeringend nach Helfern, um die vielen hungrigen Jungigel zu füttern und zu versorgen. "Ich rechne damit, dass es schon bald bei uns hoch hergeht", sagt Gudrun Martin.

    Katzenfutter und Wasserschalen helfen

    Wobei auch die letzten Wochen nicht sorgenfrei waren. Nach wie vor gilt: "Die Igel verhungern und verdursten. Deshalb sollten Gartenbesitzer Katzendosenfutter und Schalen mit Wasser aufstellen." Außerdem hilft es Igelfamilien, steht ihnen ein Reisighaufen und Laub als Unterschlupf zur Verfügung. Auch der Komposthaufen eignet sich bestens als Igel-Kinderstube, wie Gudrun Martin erklärt. "Natürlich sollte man den in den nächsten Wochen nicht umsetzen." Mit Grausen erinnert sich Gudrun Martin an die Igelkinder, deren Mutter bei einer solchen Gelegenheit der Mistgabel zum Opfer fiel.

    Schwer fällt ihr auch über das Drama zu sprechen, das eine gut meinende Tierfreundin diese Woche auslöste. Sie hat einen vermeintlich hilflosen Igel aufgegriffen und im Katzenkorb in den Keller gestellt. Die Gefangennahme der Mutter haben die Jungen, die dort zur Welt kamen, nicht überlebt. "Die verzweifelte Mutter hat sie totgebissen", berichtet Gudrun Martin.

    Mehr grüne Gärten statt Steinwüsten

    Dabei sei Igeln zu helfen einfach. "Wieder mehr grüne Gärten mit Würmern, Schnecken und Insekten statt Steinwüsten, abgedeckte Kellerschächte, verwilderte Gartenecken, Steine oder Bretter als Ausstiegshilfen im Gartenteich", zählt sie auf. "Und vor allem: In Ruhe lassen." Wer etwa, um das Kleintier zu schützen, eine Igelmutter kilometerweit von der Straße wegträgt, verurteilt deren Junge zum Tod. "Das Tier in einiger Entfernung von der Straße abzusetzen, reicht."

    Nur hilfsbedürftige Igel dürfen gefangen, versorgt und bald möglichst wieder in Freiheit entlassen werden. Typische Merkmale für hilfsbedürftige Igel, sind laut Gudrun Martin, wenn der Igel schwankt, umfällt oder auf der Seite liegt und Fliegen sich drauf setzen. Hilfsbedürftig sind auch nackte, blinde außerhalb des Nestes kriechende Igelsäuglinge.

    Die Igelstation Gerbrunn
    Wer nicht im eigenen Garten dazu beitragen kann, aber trotzdem etwas für die Stacheltiere tun und helfen will, meldet sich unter Tel: (0931) 30 48 96 08.

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