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    Fuchsstadt

    Im Baugebiet siedelten schon vor 2000 Jahren Menschen

    Neu ist das Bauen im geplanten Gebiet „Heppental“ in Fuchsstadt nicht. Denn schon grauer Vorzeit haben hier Menschen gelebt. Archäologische Funde beweisen das jetzt.
    Viele Scherben von Tontöpfen kamen bei den Grabungen zum Vorschein.
    Viele Scherben von Tontöpfen kamen bei den Grabungen zum Vorschein. Foto: Wilma Wolf

    Merita Dereshaj kniet vor einem abgesteckten Quadrat auf der Erde. Mit einer kleinen Kelle kratzt sie im trockenen Erdreich. Kelle für Kelle durchforstet die Archäologin den Boden nach Fundstücken. Und wieder hält sie ein schmales Stück Ton in der Hand. Es stammt aus der Eisenzeit und gehörte wohl zu einem Vorrats- oder Kochtopf.

    Seit einigen Monaten wühlen sich die Archäologen hier durch den Lößlehmboden eines bis vor kurzem genutzten Ackers. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass hier nach Funden aus der frühen Siedlungsgeschichte gegraben wird? „Rund um Fuchsstadt gibt es zahlreiche Bodendenkmäler, die auch im Denkmalatlas Bayern gelistet sind“, erklärt Dr. Matthias Merkl vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege bei einem Ortstermin.

    Archäologin Merita Dereshaj bei ihrer täglichen Grabungsarbeit.
    Archäologin Merita Dereshaj bei ihrer täglichen Grabungsarbeit. Foto: Wilma Wolf

    Das nächste Bodendenkmal liege in unmittelbarer Nähe. Deshalb und aufgrund der „siedlungsgeografisch guten Position“ mit leichter Hanglage nach Süden und Bachlauf habe man vermutet, dass es hier prähistorische Siedlungsreste gibt, die „wir noch nicht kennen“. Nach ersten Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass es auf einer Teilfläche des geplanten Baugebietes wirklich so ist.

    Archäologen finden Grubenhäuser aus der Eisenzeit

    Und so machten sich rund zwölf  Mitarbeiter der Grabungsfirma Archbau aus Augsburg im Auftrag der Gemeinde Reichenberg ans Werk. Stück für Stück durchsuchten sie das Gelände nach „archäologisch relevanten Befunden“, erklärt Grabungsleiterin Alexandra Völter. Fünf Befunde seien als Grubenhäuser aus der ausgehenden Eisenzeit zu interpretieren.

    Alexandra Völter (links) von der Grabungsfirma Archbau informierte Mitglieder des Gemeinderates und des Bauhofs Reichenberg über den Stand der Grabungen in Fuchsstadt.
    Alexandra Völter (links) von der Grabungsfirma Archbau informierte Mitglieder des Gemeinderates und des Bauhofs Reichenberg über den Stand der Grabungen in Fuchsstadt. Foto: Wilma Wolf

    Ein ganz kleiner Teil, ein Hausgrundriss, sei dem frühen Mittelalter zuzuordnen. Die hierzu gehörigen Gruben seien vermutlich Abfallgruben gewesen. Ungewöhnlich viele – etwa 20 Stück – Silogruben fanden die Wissenschaftler auch auf dem Gelände. Sie stammen aus der späten Eisenzeit, dem sogenannten Latène. „Das sind typische Vorratsgruben, um beispielsweise Getreide zu speichern“, erklärt Völter.

    Eine Gewandnadel ist das Prunkstück der Ausgrabung

    Die Siedlungshäuser dazu, typische Pfostenbauten, habe man allerdings nicht gefunden. „Das kann verschiedene Gründe haben, entweder sie sind schon ab erodiert oder sie liegen außerhalb dieser Fläche“, erläutert Völter. Das könne man aber nicht mehr feststellen.

    Das schönste Fundstück der Grabung: eine Fibel aus Eisen.
    Das schönste Fundstück der Grabung: eine Fibel aus Eisen. Foto: Kristin Kurze

    Eine der großen und tiefen Vorratsgruben aus der Latènezeit sei sehr spannend gewesen, weil die Archäologen dort neben Gebrauchskeramik auch eine „ganz, ganz tolle“ Fibel, also eine Gewandnadel aus Eisen fanden. „Ein sehr, sehr schönes Stück“, meint Völter: „Wir geben das jetzt in die Restaurierung, da kümmern sich dann Spezialisten drum. Das übersteigt unsere Möglichkeiten bei Weitem.“

    „Wir haben sehr viele, meist sehr kleine Scherben gefunden."
    Alexandra Völter, Grabungsleiterin

    Außerdem wurde ein Schlackerest eines Eisenverhüttungsofens gefunden. In diesen Öfen wurden lagenweise Holzkohle und Eisenerz geschichtet. „Über einen mehrere Tage dauernden Brennvorgang entstand dann das Roheisen“, erklärt die Wissenschaftlerin. Da das Gebiet wohl sehr feucht gewesen sein muss, sei das eine gute Lage für die Eisenproduktion gewesen.

    Schwerer Fund: ein altes Webstuhlgewicht aus Lehm.
    Schwerer Fund: ein altes Webstuhlgewicht aus Lehm. Foto: Wilma Wolf

    Neben Scherben kamen auch tierische Knochen zum Vorschein

    Neben Tonscherben haben die Archäologen auch jede Menge tierische Knochen auf der Fläche in Fuchsstadt gefunden. Insgesamt wurden rund 130 große Kisten an Material ausgegraben und „gesichert“. Nach dem Waschen, Trocknen und Verpacken bei Archbau gehen die Fundstücke an das bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Dort werden sie „erstversorgt“, geprüft, gelistet und archiviert, sagt Merkl. Dann könne die Gemeinde, der die Funde gehören, überlegen, sie an die bayerische Staatssammlung nach München zu geben.

    Ein gut erhaltener und verzierter oberer Rand eines Tongefäßes.
    Ein gut erhaltener und verzierter oberer Rand eines Tongefäßes. Foto: Wilma Wolf

    Doch auch vor Ort verraten die Stücke schon einiges. „Wir haben sehr viele, meist sehr kleine Scherben gefunden, weil man ja keine Töpfe wegwirft, die noch heil sind“, sagt Völter. Weil diese sehr weich seien, sind sie als vorgeschichtlich einzuordnen. An den Bruchstellen erkenne man, dass die Brenntemperaturen nicht immer konstant waren.

    Bis Ende der Woche werden die Archäologen noch in Fuchsstadt aktiv sein. Dann sei alles gesichert, erklärt Merkl. Und es darf gebaut werden, sogar mit Keller, schmunzelt er. Bis das aber soweit ist, wird es noch rund ein Jahr dauern, vermutet Bürgermeister Stefan Hemmerich.

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