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    Würzburg

    Im Drogenrausch Polizeibeamte geschlagen und bespuckt

    Weil er Polizeibeamte geschlagen, bespuckt und gebissen hat, stand ein 40-jähriger Mann nun vor dem Landgericht. Foto: Christopher Schulz

    Bereits zum zweiten Mal hat ein Mann aus dem Landkreis Würzburg wegen einer psychischen Erkrankung Straftaten begangen, für die er wegen erwiesener Schuldunfähigkeit nicht bestraft werden konnte. Im sogenannten Sicherungsverfahren vor dem Landgericht stellte sich dann heraus, dass er auch nicht in der Psychiatrie untergebracht werden kann, weil die dafür erforderlichen Voraussetzungen nicht vorliegen.

    Mann attackierte vier Beamten 

    Der Beschuldigte hatte in seinem Wohnort kurz hinter der Würzburger Stadtgrenze an einem späten Aprilabend im letzten Jahr im nicht schuldfähigen Zustand mit einem kleinen Hammer zunächst die Glasscheibe der Haustür des Nachbarhauses eingeschlagen. Dort wohnt sein Vermieter, der die Polizei informierte. Zwei Streifenbesatzungen der Polizeiinspektion Würzburg-Land rückten an und wollten den 40-Jährigen vernehmen, der die vier Beamten dann aber attackierte und sich gegen die Festnahme heftig wehrte.

    Er schlug um sich, spuckte in Richtung der Beamten und versuchte einen von ihnen ins Bein zu beißen. "Ich habe seine Zähne am Oberschenkel gespürt. Wir haben mindesten eine Viertelstunde mit ihm gekämpft", berichtet einer der Beamten im Zeugenstand. "Ich habe so etwas noch nicht erlebt, er war in einem Ausnahmezustand." Die Polizisten riefen einen Notarzt, der dem Beschuldigten ein Beruhigungsmittel gab, damit er in eine Klinik gebracht werden konnte.

    Drogencocktail im Blut

    Hintergrund der Tat und der Schuldunfähigkeit ist eine Psychose und der damalige Hang des 40-Jährigen, neben Schmerzmitteln auch immer wieder verschiedene Drogen einzunehmen. Auch nach der Tat wurde in seinem Blut eine Dosierung verschiedener Wirkstoffe festgestellt, "die vermutlich fast toxisch war", so der Staatsanwalt.

    Er habe in seinem damaligen Zustand die Situation mit den Polizeibeamten nicht richtig einordnen können, gab der Mann zu Protokoll. "Ich war wie benebelt und habe mich gewehrt", sagte er und entschuldigte sich bei jedem einzelnen der Beamten.

    Anklagevertreter: Weitere erhebliche Straftaten sind zu erwarten

    Ein Sicherungsverfahren wird immer dann durchgeführt, wenn bei einem schuldunfähigen Straftäter statt einer Bestrafung eine Unterbringung in der Psychiatrie zum Schutz der Allgemeinheit in Betracht kommt. Davon ging die Staatsanwaltschaft vor dem Prozess auch aus: Es seien weitere erhebliche Straftaten zu erwarten, deswegen sei der 40-Jährige für die Allgemeinheit gefährlich, sagte der Anklagevertreter.

    Seit April 2018 ist kein weiterer Vorfall mehr bekannt geworden und mit Unterstützung der Selbsthilfegruppe "Narcotics Anonymous" hat der Mann nach einer Entgiftung seine Drogenprobleme in den Griff bekommen. "Ich habe gemerkt, dass etwas schief gelaufen ist. Deswegen nehme ich keine Drogen mehr", so der 40-Jährige. Er nimmt seine Medikamente inzwischen zuverlässig ein und hat eine Psychotherapie begonnen, nachdem er mehr als 60 Therapeuten in der ganzen Region abtelefoniert hat, um einen Platz zu bekommen.

    Unterbringungsantrag zurückgewiesen

    Die Bemühungen des Beschuldigten hatten Erfolg, denn die Voraussetzungen für eine Unterbringung der Psychiatrie liegen nicht mehr vor, wie ein Sachverständiger vor Gericht bestätigte. "Stand heute ist die Prognose so, dass von ihm keine erheblichen Straftaten mehr zu erwarten sind", meinte auch der Staatsanwalt, und die erste Strafkammer wies den Unterbringungsantrag zurück. "Das ist aber kein Freibrief für sie", warnte der Vorsitzende den Mann. "Sie sollten Ihre Medikamente weiterhin zuverlässig nehmen. Das Damoklesschwert der Unterbringung schwebt immer über Ihnen."

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