• aktualisiert:

    RANDERSACKER

    Im Vordergrund soll der Genuss von Natur und Wein stehen

    Vorfreude auf eine ruhige Familien-Weinbergswanderung an Christi Himmelfahrt. Im Bildhintergrund, rechts vom Kirchturm St. Stephanus, die Flanke der Weinlage Sonnenstuhl (von links): Bernhard König, Bruno Schmitt, Weinprinzessin Madeleine Füßl, Heiko Lörner mit Tochter Maria, CSU-Ehrenvorsitzender Wolfram König, die stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende Ingrid Aster-Schenk und CSU Vorstandsmitglied Michael Blaß. Foto: Traudl Baumeister

    Erfolg ist schön, kann einen aber auch herausfordern. Wie beispielsweise die Weinbergswanderung die örtliche CSU und den Weinbauverein Randersacker. Für die Veranstalter wird die Organisation immer komplexer, angesichts von tausenden Fans. Neben diesen gab es für die Wanderung an Christi Himmelfahrt, die Wolfram König vor 35 Jahren ins Leben rief, einzelne kritische Stimmen.

    Diese monierten vor allem die Bollerwagen mit Getränken, die nicht zu einer Weinwanderung passen, sowie lautstarke Beschallung durch mitgeführte Verstärker veränderten die Stimmung auf der Weinrunde zusehends. „Gefährlich“, sagt Heiko Lörner, Vorsitzende des organisierenden CSU-Ortsvereins, „wurde es auch.“ Scherben entlang der Strecke gefährdeten die vielen Kinder, die mit ihren Eltern unterwegs waren. Und genau diese Kunden, die Familien, wollen die Randersackerer schützen, ergänzt Lörner. „Unsere Weinwanderung war von Anfang an als Tag für die ganze Familie gedacht“. Sozusagen als Gegenpol zu den am Himmelfahrtstag sonst üblichen feucht-fröhlichen Vatertagstouren.

    „Die Weinwanderer sollten nicht nur unsere Weine kennenlernen, sondern beim Gang durch die Weinberge auch die Natur entdecken und schätzen lernen. Die Böden, die Flora, die Trauben und Reben prägt, mit und in der unsere Weinbauern arbeiten“, ergänzt der Vorsitzende des Weinbauvereins Bernhard König.

    Gründer Wolfram König, bei jeder Wanderung dabei, packt die ganze Situation in einen Satz: „Wer nicht genießen kann, ist ungenießbar“ – in dem Fall fürs Umfeld. Um zum bewussten Genuss anzuregen, gibt es den Probierwein in 0,1-Liter Gläsern, viermal pro Eintrittskarte (für die vier Stände). Die Winzer möchten Gäste, die Natur, Weinberge und Wein genießen wollen. „Wir wollen quasi zurück zu unseren Wurzeln“, sagt Bruno Schmitt, „und appellieren an die Vernunft der Teilnehmer.“

    Drei klare Regeln sollen die Rückkehr zum Familienevent ermöglichen: Keine Musikbeschallung, kein Mitführen von Fremdflaschen, kein Mitführen von Bollerwagen (außer sie dienen zum Transport von Kleinkindern). Verstärkt wird der Versuch, wieder zum Ursprung zurückzukehren, durch die in diesem Jahr gewählte 7,5-Kilometer lange Runde am Sonnenstuhl, hoch zum Terroir F-Punkt, vorbei an alten Steinbrücken und viel ursprünglicher Natur, abseits des Trubels im Ort.

    Gelingt es nicht, auf diese Weise die unguten Auswüchse einzudämmen, könnte die Veranstaltung als solche zukünftig in Frage stehen. Denn angesichts der Tausende, die Jahr für Jahr buchstäblich aus aller Welt zu Himmelfahrt in die Marktgemeinde strömen, sind die Organisatoren bis an die Grenzen gefordert. Das steigende Risiko durch den Missbrauch zu bewältigen, das würde ihnen über den Kopf wachsen und den Zweck der Veranstaltung entgegenlaufen: Himmelfahrt in Randersacker sollte eine Chance sein, gemeinsam als Familie einen unvergesslichen Tag zu erleben.

    Was für die fränkische Weinkönigin Klara Zehnder aus Randersacker gilt, trifft auch auf viele andere regelmäßige Gästen zu. Das Prinzip hat Jahrzehnte gut funktioniert. Weil sie sich an die vielen schönen Erlebnisse in ihrer Kindheit erinnern, kommen viele auch als Erwachsene wieder – oft mit dem eigenen Nachwuchs. Auch wenn sie eventuell längst irgendwo in Deutschland, Europa oder der Welt leben. „Für viele ehemaligen Randersackerer ist die alljährliche Weinwanderung Familien- und Klassentreffen in einem“, sagt Lörner.

    Ein besonderes Großereignis ist die Wanderung auch für den örtlichen BRK und die Verstärkung, Kollegen aus Goldbach. „Für unsere Leute ist es ein interessanter Dienst, weil man durch die lange Strecke ständig gefordert und auf Achse ist“, sagt der Ortsvorsitzende Johannes Krenig. Für die Masse an Menschen, ergänzt er, gebe es relativ wenig Alkohol-Geschädigte zu versorgen. Viel häufiger müssten sich die Sanitäter, die auf Segways ständig patrouillieren, um Wanderer kümmern, die sich in den Weinbergen wegen Hitze, der Steigungen, mangelnder Flüssigkeitszufuhr oder gesundheitlichen Vorbelastungen schlicht übernehmen würden.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!