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    Würzburg

    Immer mehr "Problemhunde" in Unterfrankens Tierheimen

    Zunehmend werden Hunde unüberlegt im Internet gekauft. Die Tierheime schlagen Alarm, auch in Unterfranken. Denn wird das Tier zum Problem, müssen meist sie herhalten.
    Sie sind extrem ängstlich, wenig zutraulich oder beißen sogar zu: Immer mehr sogenannte Problemhunde werden in den Tierheimen abgegeben.
    Sie sind extrem ängstlich, wenig zutraulich oder beißen sogar zu: Immer mehr sogenannte Problemhunde werden in den Tierheimen abgegeben. Foto: Daniel Peter

    Man kauft nichts ahnend einen Hund im Internet. Zuhause angekommen, stellt sich heraus, dass er extrem ängstlich ist, keine Menschen an sich heran lässt oder gar zubeißt. Oft kommt das überraschend. Weil unseriöse Züchter im Netz falsche Versprechen zum Tier machen, Vermittlungsportale nicht genug über die Vorgeschichten von Hunden aus dem Ausland aufklären. Was dann? Immer öfter scheint die Lösung: ab ins Tierheim mit dem "Problemhund". 

    Die Einrichtungen schlagen nun Alarm: "Es kann keine Lösung sein, dass die nicht den Erwartungen entsprechenden Tiere im Tierheim landen. Das sprengt die Kapazitäten", klagt Ilona Wojahn, Präsidentin des Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes im Gespräch mit dieser Redaktion.

    Immer mehr Hunde gelten als "schwer vermittelbar"

    "Leider sind viele Hundehalter nicht mehr bereit, Hundetrainer zu engagieren, sich Beratung und Hilfe zu holen oder auch im Vorfeld abklären zu lassen, ob vielleicht medizinische Gründe Ursache des Verhaltens sind", bemängelt Wohjan.

    Die Folge: "Der Hund muss dann sofort weg", wird im Tierheim abgegeben "und kurze Zeit später ist schon ein neuer angeschafft", so Wohjan. In den Tierheimen gelten die Tiere dann als "schwer vermittelbar", nehmen langfristig Unterbringung, Personal und Kosten in Anspruch. Intensives Hundetraining und oft auch Kooperationen mit Hundeschulen sind gefragt, um sie wieder vermitteln zu können. Alles Ressourcen, die in vielen Heimen bereits jetzt schon Mangelware sind.

    Auch in der Region nimmt das Problem zu: "Mehr als die Hälfte unserer Hunde gelten derzeit als schwer vermittelbar", berichtet Maxim Iochim, Tierpfleger im Tierschutzverein Würzburg. In den Tierheimen Aschaffenburg und Kitzingen seien es ebenfalls knapp die Hälfte der Hunde.

    Zunehmender Online-Handel mit Hunden führt zu Problemen

    Doch wie kommt es, dass immer mehr Halter mit ihren Hunden überfordert sind? Laut Wohjan spiele dabei zunehmend der Handel mit Hunden im Internet eine Rolle. Allein auf dem Internetportal Ebay Kleinanzeigen sind derzeit 13 000 Hunde per Anzeige zum Verkauf gelistet, auf dem Portal Quoka sogar 20 000.

    Das Problem bei solchen Anzeige-Käufen: "Käufer können die Identität der Händler online kaum überprüfen, ebenso wenig wie Aussagen zur Vorgeschichte des Tieres", so Wohjan. Dumpingpreise reizten zudem zu unüberlegten Spontankäufen. "So kann es schnell zu unliebsamen Überraschungen nach dem Kauf kommen. Etwa wenn der neue Welpe plötzlich krank ist, weil er aus illegaler Zucht im Ausland stammt", mahnt Wojahn.

    Auch Tierpfleger Iochim warnt vor den Online-Käufen: Zu oft gerate man an unseriöse Züchter, sogenannte "Vermehrer", die zwar suggerieren, verantwortungsvoll zu züchten, in Wahrheit die Hunde jedoch unter unzumutbaren Bedingungen massenweise produzieren. Zudem würden einige Vermehrer bewusst fälschliche Angaben zum Hund machen: "Es gibt teilweise sogar Fälle, bei denen einfach Listenhunde gezüchtet werden, aber eine andere Rasse im Internet angeben wird", so der Würzburger.

    Hunde aus dem Ausland: Die Entscheidung sollte überlegt sein

    Und dann sind da noch die "Importhunde", die immer öfter in den Tierheimen landen. Ehemalige Straßenhunde aus Ländern wie Italien oder Rumänien, die von Tierschutzorganisationen über das Internet nach Deutschland vermittelt werden. Leider ein Problem bei den vermeintlichen Rettungsaktionen: "Manche Tierschutzorganisationen vermitteln wahllos nach Deutschland, ohne darauf zu achten, in welche Haushalte die Tiere letztendlich kommen", bemängelt Iochim. 

    Die Straßenhunde hätten teilweise vorher noch nie in einer Familie gelebt, aus Tötungsstationen gerettete Hunde seien oft schwer traumatisiert. "Und dennoch werden sie hier in Deutschland  als Anfängerhunde an Familien vermittelt." Was für Folgen das haben kann, zeigt ein aktueller Fall im Würzburger Tierheim: "Ein aus dem Ausland vermittelter Hund kam in eine Familie, war dort mit der Familiensituation völlig überfordert und hat letztendlich zugebissen", erzählt der Tierpfleger.

    "Hunde sind keine Wegwerfartikel."
    Maxim Iochim, Tierpfleger

    Eine Möglichkeit, den Hund bei Problemen wieder zurückzugeben? Bei vielen dieser Tierschutzorganisationen nicht gegeben. "Dies birgt die Gefahr, dass ein Tier sein Leben lang unter mangelhaften Haltungsbedingungen leiden muss oder es – wenn die Erwartungen des Käufers nicht erfüllt werden – im Tierheim abgegeben oder ausgesetzt wird", so Wohjan.

    "Dies ist natürlich nicht immer der Fall", stellt Iochim klar. In vielen Fällen gelinge die Eingliederung der Straßenhunde problemlos auch in Familien. Die meisten Tierschutzorganisationen achteten explizit darauf, dass Interessenten ausreichend beraten werden und seien im Notfall auch bereit, die Hunde wieder zurückzunehmen. "Dies sollte jedoch eben immer der Fall sein."

    Tierheime fordern politisches Handeln

    Um die unseriösen Verkäufe von Hunden über das Internet einzudämmen, appelliert der Bayerische Tierschutzverband an die Politik. Man müsse "europaweit gegen die illegalen Zuchtfabriken und den illegalen Tierhandel vorgehen", so Wohjan gegenüber dieser Redaktion. Der Deutsche Tierschutzbund habe bereits Internetportale wie Ebay aufgefordert, die Option des Handels mit Tieren einzustellen.

    Dass der Hundehandel stärker reglementiert werden müsse, fordern auch Tierheime in der Region. Nur seriöse, qualifizierte Stellen sollten Hunde nach ausführlicher Beratung an aufgeklärte Halter abgeben dürfen. Außerdem müssten diese dafür Sorge tragen, dass der Hund, gibt es Probleme, beispielsweise übergangsweise in einer Pflegestelle betreut wird, bis ein passender Besitzer gefunden ist.

    Aber auch bei den Käufern selbst sei ein Umdenken gefragt, mahnt Tierpfleger Iochim: "Hunde sind keine Wegwerfartikel." Es brauche wieder mehr Geduld und Bereitschaft seitens der Besitzer, an den Problemen zu arbeiten.

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