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    WÜRZBURG

    In Würzburg begann ihre musikalische Berufung

    Shalom
    Die verstorbene Tzipora Jochsberger 2003 bei einem Besuch in Würzburg. Foto: Thomas Obermeier

    Die Wegbereiterin für jüdische Musikerziehung besuchte 2003 noch einmal Würzburg. Bei einem Konzert in der Musikhochschule war ihre Tondichtung „Lament and Kaddish“ zu hören. Diese Redaktion hatte darüber berichtet.

    Hilde Jochsberger kam 1920 im mittelfränkischen Leutershausen zur Welt. Mittels Musik die Geschichte und Werte des Judentums zu vermitteln und die Menschen im Innersten zu erreichen, das wurde für sie Lebenstraum und Berufsweg. Schon mit fünf Jahren hatte sie ein Klavier bekommen. Zum Klavierunterricht fuhr sie später jede Woche mit dem Zug nach Ansbach.

    Als 1933 die deutschen Schulen für jüdische Kinder verschlossen wurden, besuchte sie ab 1934 die Jüdische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Hier konnte sie ihre Begeisterung für Musik entfalten und sich vom reichen Musikleben in der Stadt anregen lassen. „Würzburg, das waren wunderbare Jahre für mich“ schwärmte sie noch im hohen Alter.

    Ihr Talent entdeckte der Leiter des damaligen Musik-Konservatoriums in Palästina. Bei einem Besuch in Würzburg empfahl er ihr, in Jerusalem Musik zu studieren. Sie folgte Anfang 1939 seiner Einladung und nannte sich sodann Tzipora. Die Eltern, die in Franken verblieben, wurden später in Auschwitz ermordet. Tzipora vollendete ihre Ausbildung in Jerusalem mit Diplomen zweier Akademien: der Palestine Academy of Music sowie des Music Teachers Seminary.

    1950 bekam Tzipora Jochsberger einen Ruf nach New York. Sie gründete 1952 eine jüdische Musikschule und baute diese mit ihrer pädagogischen Vision in drei Jahrzehnten zu einem der größten amerikanischen Konservatorien auf. Außerdem erwarb sie noch den Doktorgrad in geistlicher Musik und schuf ein umfangreiches kompositorisches Werk.

    Nach der Pensionierung kehrte Tzipora Jochsberger 1986 nach Jerusalem zurück. Dort begann sie ein neues Arbeitsprogramm als Komponistin und Musikforscherin. „Mein Leben galt der Musik“ sagte sie immer wieder, lächelnd, energiegeladen, und mit einem Sprachklang, der die mittelfränkische Herkunft unverkennbar ausdrückte. Bis ins hohe Alter war sie innerlich jung geblieben. Am 28. Oktober ist sie nun in Jerusalem gestorben.

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