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    Würzburg

    Infizierter in Mittelfranken, aber keiner in Würzburg

    In Italien werden wegen der Corona-Infektionen schon Kommunen gesperrt. In Unterfranken wird bislang für den Ernstfall geplant. In Mittelfranken gibt es einen Infizierten.
    Eine Krankenschwester auf der Infektionsstation der Uniklinik Essen betrachtet in Schutzkleidung und mit einer Atemmaske zwei Abstrichröhrchen. 
    Eine Krankenschwester auf der Infektionsstation der Uniklinik Essen betrachtet in Schutzkleidung und mit einer Atemmaske zwei Abstrichröhrchen.  Foto: Bernd Thissen, dpa

    In Mittelfranken gibt es einen neuen Coronavirus-Fall. Das bestätigte das bayerische Gesundheitsministerium am Donnerstagabend. Der Mann hatte offenbar bei einem Kongress in München Kontakt zu einem Italiener, der bei seiner Rückkehr nach Italien positiv auf das Virus getestet wurde. Einzelheiten sollen am Freitag bekannt gegeben werden.

    Als Falschmeldung stellten sich wilde Spekulationen in sozialen Netzwerken über einen Corona-Infizierten in Würzburg heraus. Es gibt keinen Patienten, der deshalb zur Behandlung in eine Frankfurter Klinik kam. Manche Panik-Verbreiter hatten dem Gerücht noch eins draufgesetzt: Es sei von weiteren Fällen in Würzburg auszugehen. 

    70 negative Tests am Institut für Virologie

    Die Gesundheitsbehörden jedenfalls wissen davon nichts. Wie das Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg erklärt, sind am Institut für Virologie bis Mittwoch etwa 70 Proben auf das SARS-CoV-2-Virus getestet worden. Alle Proben seien negativ gewesen. Nach Angaben des Instituts gab es besonders in den vergangenen Tagen viele  Menschen, die vor kurzem in Italien waren und sich jetzt auf das Virus testen lassen wollten. 

    Indessen jagt – wie am Donnerstagnachmittag in Würzburg – ein Treffen das andere, in dem Stadt- und Kreisverwaltungen mit Gesundheitsämtern ihre Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung koordinieren. Dabei geht es bisher nur um Sicherheitsmaßnahmen weit unterhalb der Schwelle von abgeriegelten Städten. Selbst Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hält das Abriegeln nur für die letzte Möglichkeit. Experten des Robert-Koch-Instituts in Berlin (RKI) halten das für kaum machbar.

    Vorbereitete Ablaufpläne

    Die unterfränkische Polizei sieht sich grundsätzliche für Einsätze zum Schutz der Bevölkerung bei einer Epidemie vorbereitet - auch wenn es gelte, Bereiche abzuriegeln. "Wir haben für solche Fälle – ähnlich wie beispielsweise auch bei der Vogelgrippe - vorbereitete Ablaufpläne, wenn die Regierung auf uns zukommt", sagt Polizeisprecher Michael Zimmer. "Sie muss anordnen, wir leisten dann Vollzugshilfe."

    Bei den Rettungsdiensten seien die hauptamtlichen Mitarbeiter grundsätzlich geschult, wie sie Patienten und sich selbst beim Auftreten ansteckender Erkrankungen schützen, sagt Paul Justice vom Bayerischen Roten Kreuz in Würzburg. Spezielle Fortbildungen für den Einsatz bei Corona habe es für die Ehrenamtlichen noch nicht gegeben. Bisher gebe es auch keine Hinweise darauf, dass  die zahlreichen fränkischen Narren, die in den Hochburgen des Karnevals am Rhein mitgefeiert hatten, von dort das Virus mitgebracht hätten, hieß es am Rande des Behördentreffens in Würzburg. 

    Betroffenen werden rüde attackiert

    Rettungsdienste und THW verfolgen indes aufmerksam, was in den Regionen geschieht, in denen bereits Corona-Fälle gemeldet sind - um daraus für eigene Einsätze zu lernen. Ein Rettungsassistent aus Würzburg hat Verwandte in der 12 500-Einwohner-Gemeinde Gangelt nahe der deutsch-niederländischen Grenze. Dort werden ein Ehepaar und drei offenbar von ihm angesteckte Personen in den sozialen Netzwerken rüde attackiert. So, als ob sie an der Infektion schuld wären, berichtet der Rettungsassistent. Der dortige Bürgermeister habe öffentlich zur Mäßigung aufrufen müssen.

    In Baden-Württemberg errichtete das THW eine Schutzzone um ein Hotel, in dem Infizierte untergebracht wurden. Ein Sicherheitsdienst schützt das Gebiet, Sanitäter wurden speziell geschult. Mitarbeiter des Landratsamtes in Esslingen verteilen an die Nachbarn zweiseitige Informationsblätter, in denen Details erläutert werden. Betont wird, dass eine Gefährdung der Bevölkerung ausgeschlossen werden könne und eine DRK-Ärztin die Beobachteten vor Ort hausärztlich versorge.

    Indessen stellen sich viele Bürger in Unterfranken ganz konkrete Fragen. Etwa: Wird der Lohn weiter bezahlt, wenn man 14 Tage in Quarantäne muss? Bernd Spengler, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Würzburg, sagt: "Der Mitarbeiter, der nu in Quarantäne ist, erhält Verdienstausfall. Ist er erkrankt, erhält er normale Entgelt-Fortzahlung wie bei jeder anderen Erkrankung."

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