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    Würzburg

    Inge Gehrold: "Die Bäckerei ist mein Leben"

    Von wegen Ruhestand: In der Bäckerei Gehrold in der Münzstraße in Würzburg arbeitet immer noch die 82-jährige Seniorchefin Inge Gehrold mit und hilft wo sie kann. Foto: Silvia Gralla

    Im Jahr 1957 gab es in Würzburg noch 160 Bäckereien, eine davon war die Bäckerei Gehrold in der Münzstraße. Bis heute hat sich der Handwerksbetrieb gehalten. Auch wenn die jüngste Tochter von Inge Gehrold, Cornelia und Schwiegersohn Jürgen Thein mit ihren Kindern, die Geschäfte heute führen, ist "Brot-Oma" Inge aus dem Laden einfach nicht wegzudenken. "Nach dem Krieg war alles zerstört. In unserem Viertel waren noch überall Ruinen, alles war im Aufbau", erinnert sich Inge Gehrold.

    In dieser Zeit hatte ihr Mann Wilhelm, der Bäckermeister war, den Mut, eine eigene Backstube aufzumachen. Inge Gehrold hat Verkäuferin gelernt und sie war von Anfang an dabei. "Ich habe verkauft, die Bestellungen gemacht und Ware ausgefahren", erzählt die heute 82-Jährige. "Wenn der Geselle krank war, dann hat mich mein Mann um 3 Uhr nachts geweckt und ich bin mit in die Backstube und habe gebacken." Ihre drei Kinder sind mit und zum Teil auch im Laden aufgewachsen. Die Arbeit hat ihr immer Spaß gemacht und von Ruhestand will sie nichts wissen.   

    So kennen sie viele Würzburger: Seniorchefin Inge Gehrold steht auch mit 82 Jahren noch hinter der Ladentheke der Bäckerei Gehrold. Foto: Silvia Gralla

    Genau wie Inge Gehrold arbeiten viele Rentner noch im Ruhestand weiter: Im vergangenen Jahr gingen mehr als 220 000 Menschen im Ruhestandeiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Fast 900 000 Rentner haben einen Minijob. Im Durchschnitt arbeiten die Erwerbstätigen im Ruhestandsalter knapp 32 Stunden in der Woche. Mehr als 350 000 Menschen im Alter von 65 bis 74 Jahren waren selbständig. Das geht aus einem Report der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2017 hervor.

    Die Vielfalt erhöht die Anforderungen

    Früher habe es in der Bäckerei viel weniger Ware gegeben, erinnert sie sich. "Wir hatten vier verschiedenen Brote: Schwarzbrot, Bauernbrot, Mischbrot und Weißbrot. Mehr gab es nicht." Erst vor 20 Jahren sind die vielen verschiedenen Vollkornbrote hinzugekommen. Auch bei Kuchen und Brötchen gab es bei weitem nicht die Auswahl, die es heute gibt. "Aber diese Vielfalt erhöht auch die Anforderungen an die Bäckereien, was für einige kleine Betriebe das Aus bedeutete", sagt Gehrold. 

    Bis vor einem Jahr hat die rüstige Seniorin noch voll im Laden gearbeitet und richtige Schichten übernommen. Derzeit hat sie Probleme mit dem Laufen. "Aber ich mache immer noch die Bestellungen. Ohne Arbeit fehlt mir etwas." Mit ihrem Mann Wilhelm, der 1997 verstorben ist, hat sie immer gearbeitet. "Wir waren nie im Urlaub", erzählt sie. Aber darüber ist sie kein bisschen traurig. "Teneriffa oder so, das ist nicht meine Welt. Ich liebe mein Würzburg", sagt sie und schmunzelt.

    "Der Laden ist mein ein und alles"
    Inge Gehrold, Seniorchefin der Bäckerei Gehrold

    Besonders stolz ist sie, dass ihre drei Enkel Tanja, Kristina und Tim im Familienbetrieb mitarbeiten. Tim ist Bäcker, Kristina Konditorin und Tanja im Verkauf. "Der Laden ist mein ein und alles", sagt Inge Gehrold. Besonders das Verkaufen und die Gespräche mit den Kunden machen ihr Freude, aber auch die Abwechslung, die so ein Geschäft mit sich bringt. "Die Arbeit hat mich jung gehalten." 

    Inge Gehrold arbeite nicht wegen des Geldes. Auch wenn sie einen Hinzuverdienst gut brauchen kann, denn sie hat nur eine kleine Rente. "Ich habe immer gearbeitet, weil es mir Spaß gemacht hat."

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