• aktualisiert:

    Würzburg

    Josef Schuster: Kemmerich hat Macht vor Moral gestellt

    Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, begrüßt den Rücktritt des thüringischen Ministerpräsidenten. Warum er aber an seiner deutlichen Kritik festhält. 
    Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hält an seiner Kritik an den Vorgängen in Thüringen fest. Foto: Thomas Obermeier

    Als "die einzig richtige Entscheidung" kommentiert Josef Schuster den angekündigten Rücktritt von Thomas Kemmerich als Ministerpräsidenten von Thüringen nach gerade mal 24 Stunden im Amt. An seiner unmissverständlichen Kritik an den Vorgängen in Erfurt hält der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland aber fest.

    Schusters aktuelle Stellungnahme fällt deutlich aus. Kemmerich hätte die Wahl zum Ministerpräsidenten niemals annehmen dürfen, schreibt er. "Eine Regierung von Gnaden der AfD darf es nicht geben. Nicht in Thüringen und nicht anderswo." Der FDP-Politiker habe "das Spiel der Höcke-AfD" bewusst mitgespielt. "Haltung sieht anders aus."

    "Eine Regierung von Gnaden der AfD darf es nicht geben." 
    Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

    Laut dem Zentralratspräsidenten hat Kemmerich mit seinem Verhalten nicht nur seine Partei schwer beschädigt. "Er hat auch der Demokratie einen Bärendienst erwiesen." Wer in dieser Weise Macht vor Moral stelle, handele verantwortungslos. Gerade in der heutigen Zeit brauche es "aufrechte Demokraten, die sich klar und deutlich von Rechts abgrenzen".

    Schuster: Kemmerich hat im Geschichtsunterricht nichts gelernt

    Im Wahlkampf habe Thomas Kemmerich noch mit dem Slogan geworben „Endlich eine Glatze, die in Geschichte aufgepasst hat“, heißt es in Schusters Stellungnahme. Gelernt habe der FDP-Chef im Geschichtsunterricht "wohl nichts".  Zum Rücktritt habe er sich erst unter großem Druck  entschlossen. Abschließend schreibt der Zentralratspräsident: "Ich hoffe, dass Thüringen wieder in ruhigeres politisches Fahrwasser gerät und aus Neuwahlen eine gestärkte demokratische Regierung hervorgeht.“

    Ende vergangenen Jahres hatte Schuster, der seit 2014 an der Spitze des Zentralrats steht, gesagt, im Falle einer AfD-Regierungsbeteiligung würde er überlegen, die Bundesrepublik zu verlassen. Darauf angesprochen, betonte er Anfang Januar in einem Gespräch mit dieser Redaktion: "Eine Partei, die sich von einem Herrn Gauland oder einem Herrn Höcke, die eine 180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur fordern, die NS-Zeit als Vogelschiss bezeichnen oder das Mahnmal für die ermordeten Juden als Mahnmal der Schande, nicht distanziert, sondern sie sogar in der Führungsriege hat, kann keine akzeptable demokratische Partei sein. Käme sie an die Regierung, würde ich mir ernsthaft Sorgen machen, gerade auch in Erinnerung an die 1930er Jahre."

    Kommentare (17)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!