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    RÖTTINGEN

    Jubeln für den Kaiser Franz Joseph

    Jubeln auf Probe: Die Mitglieder des Jungen Theaters üben gemeinsam mit Franz Frickel (links) alias Zahlkellner Leopold ... Foto: Gerhard Meißner

    Wenn sich am Donnerstag die Röttinger Burg Brattenstein ins „Weiße Rössl“ am Wolfgangsee verwandelt und Zahlkellner Leopold in all seiner Schusseligkeit um die Gunst der Rösslwirtin wirbt, hat auch das Junge Theater der Frankenfestspiele seine große Stunde. Zwei Dutzend Theaterkinder wirken in der Abendvorstellung mit. Auch das ist eine Premiere und zeigt zugleich ein Markenzeichen der Röttinger Festspiele, für die theaterpädagogische Arbeit inzwischen fester Bestandteil geworden ist.

    Vor zwei Jahren gegründet

    Vor zwei Jahren hatte Intendant Knut Weber das Junge Theater unter Leitung von Frederike Faust ins Leben gerufen. Seitdem tingelt die Schauspielerin mit Unterstützung des Festspiel-Teams regelmäßig zu Schulen in der Region, unterstützt deren theaterpädagogische Arbeit oder veranstaltet eigenständige Workshops.

    Acht Schulen nehmen das kostenlose Angebot inzwischen in Anspruch, drei davon waren bereits mit eigenen Produktionen und Auftritten bei den Kinderfestspielen mit von der Partie. Daneben ist ein fester Kinderchor entstanden, der regelmäßig mit Frederike Faust probt.

    Dass es die Theaterkinder jetzt auf die Bühne der Erwachsenen geschafft haben, liegt am „Weißen Rössl“, dessen Verfilmung mit Peter Alexander zu den beliebtsten Streifen der deutschen Filmgeschichte zählt. In dem Lustspiel tauchen sie in der Rolle einer Ausflugsschar auf und mimen ein jubelndes Empfangskomitee für Kaiser Franz Joseph.

    Mit den Pfunden wuchern

    In vielen Theatern müssen Erwachsene für diese Passagen einspringen, sagt Frederike Faust. Und für Sommerfestspiele sei ein eigener Kinderchor ohnehin die absolute Ausnahme. Warum also nicht mit den Pfunden wuchern, die man hat? „Wenn es diesen Chor des Jungen Theaters gibt, dann ist es mein Anliegen, ihn auch zu nutzen“, sagt Frederike Faust, „es wäre ja dusselig, das nicht zu tun.“

    Sie und Regisseur Sebastian Eilers stellt dies freilich vor besondere Aufgaben. Die üblichen Probezeiten vormittags und am Abend sind für die Kinder ungeeignet. Stattdessen beginnen die Proben am späten Nachmittag, wenn die Hausaufgaben gemacht sind. Außerdem steht während der Spielzeit die Bühne auf der Burg nicht zur Verfügung. Das Team muss deshalb in den Bauhof der Stadt ausweichen.

    Eltern und Schule müssen mitspielen

    Auch die Eltern müssen mitspielen, sei es als Fahrdienst oder mit ihrer Zustimmung, dass die Kinder auch zu später Stunde noch auf der Bühne stehen dürfen. Großes Entgegenkommen hätten da die Schulen gezeigt, so Faust. Nach einem Auftritt haben die Schüler am nächsten Tag in der ersten Stunde frei.

    Schließlich erfordert die professionelle Schauspielerei auch von den jungen Statisten jede Menge Disziplin. „Die Kinder müssen lernen, dass es nicht um sie geht, dass sie sich dem Stück unterordnen müssen.“ Und das Ganze muss trotzdem unbekümmert wirken. Mit Katharina Lochmann und Timo Verse hat Faust zwei Mitglieder des Rössl-Ensembles an der Seite, die sich während der Proben und auch später bei den Auftritten besonders um die jungen Kollegen kümmern und ihnen helfen, den letzten Rest Lampenfieber zu vertreiben.

    Gut für die Persönlichkeitsentwicklung

    Belohnt werden die Kinder mit dem Spaß, den sie sichtlich an der Schauspielerei haben. „Das ist eine ganz tolle Erfahrung“, sagt Frederike Faust – von der die jungen Mimen auch in anderer Hinsicht profitieren. „Theater spielen unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung ganz enorm“, weiß die Leiterin. Sie erinnert sich an einige Kinder, die ganz schüchtern zur Theatergruppe gekommen waren und inzwischen selbstbewusst vor Publikum agieren. „Ich weiß nicht, ob das ohne Theater auch passiert wäre, aber es ist total cool.“

    Damit gewinnen auch die Festspiele insgesamt. „Es lohnt sich. Kinder haben auf der Bühne immer eine unglaubliche Wirkung“, sagt Frederike Faust. Die Szene, die gerade auf dem Probenplan steht, lässt dies erahnen. Mit rot-weiß-roten Fähnchen jubeln sie dem Herrscher der Donaumonarchie zu, während Kaiser Franz Joseph nur ein kurzer Satz zukommt: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“

    „Im Weißen Rössl“ wird aufgeführt am 12., 13., 14. und 28. Juli sowie am 2., 5., 8., 9., 16., 17., 18. und 19. August.

    Karten unter Tel. (0 93 38) 97 28-55, -56, -57 und -59 sowie im Internet unter www.frankenfestspiele.de. Restkarten an der Abendkasse.

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