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    EISENHEIM

    Junge wollen neu bauen und nicht umbauen

    Zahlreiche Obereisenheimer kamen kürzlich zur Bürgerversammlung. Bürgermeister Andreas Hoßmann freute das große Interesse. Er ahnte aber auch, dass das auch seinen Grund hatte. Nachdem der Bürgermeister einige Daten aus dem Ortsgeschehen vermittelt hatte, kam auch die erste Frage: „Was denn die Gemeinde unternehme, um für junge Bauwillige einen erschwinglichen Bauplatz zu bekommen“. Das Thema war gesetzt, und gleich mehrere Bürger meldeten sich dazu zu Wort.

    Bürgermeister Hoßmann erläuterte zunächst, er habe er zusammen mit dem Gemeinderat einige Flächen in Unter- und Obereisenheim ausfindig gemacht, die aber zum einen nicht zum Verkauf standen und teilweise schwer zu erschließen seien. Außerdem sei er grundsätzlich gegen den Flächenverbrauch. Man solle doch stattdessen die vielen leer stehenden Häuser im Innenbereich des Ortes nutzen. Dazu hatte er aus jedem Ortsteil Pläne mitgebracht, in denen er den Ist-Zustand der Häuser eingetragen hatte. An den Farben konnte man erkennen, dass mehr als ein Drittel der Häuser leer stehen und dass auch die über siebzigjährigen Hausbewohner einen großen Raum ausmachte.

    Vorbildliche Beispiele aus Untereisenheim

    Hoßmanns Fazit also: Man solle doch eher die alten Häuser umbauen, als neue Baugebiete mit großem Flächenverbrauch auszuweisen. Dass dies vorbildlich gelingen kann, zeigten mehrere Beispiele in Untereisenheim. Zudem gebe es Zuschüsse im Rahmen der Dorferneuerung. Die Gemeinde gibt 15 Prozent, jedoch maximal 15 000 Euro an Zuschüssen für den Umbau eines alten Hauses. Das sei aus der Sicht der Gemeinde Anreiz genug, um im Innerort ein Altbau zu sanieren und darin zu wohnen.

    Die Argumentation des Bürgermeisters war einigen im Saal etwas zu wenig oder wie einer ausdrückte „scheinheilig“. Denn wer könne es sich schon leisten, ein altes Haus so umzubauen, dass es nach heutigen Wohnstandards mit solider Wärmedämmung, bezahlbaren Sanitär- und Heizkosten sowie wärmegedämmten Fenstern bewohnbar wird, und spätere Unterhaltskosten auch bezahlbar bleiben. Dies alles werde heute preiswert in Fertighäusern verwendet, so ein Redner, die Kosten machten nur einen Bruchteil der Kosten aus, die für den Umbau eines Altbaus zu zahlen wären. Zudem sei der Innerort für Kinder ohne angrenzende grüne Wiese zum Spielen auch noch gefährlich. „Wer möchte schon in einem alten ,Gerütsch' (Fränkisch: altes heruntergekommenes Anwesen) wohnen, in dem die Balken schief sind, und die Böden knarren“, fragte ein Bürger.

    Gemeinderat Stefan Hartmann argumentierte, dass dies alles nur vorgeschobene Argumente sind und verwies auf die Parteibeschlüsse der SPD und auf die der bayerischen Staatsregierung, die ebenfalls vor einem rasanten Flächenverbrauch warnten.

    Junge Bauwillige enttäuscht

    Ein Gruppe von fünf jungen Bauwilligen bekannte frei weg, dass sie wegen der Baugebiets-Problematik für diesen Abend extra zusammengetrommelt habe und heute völlig enttäuscht sei, wie die Gemeinde argumentiere. Sie suchten dringend einen Bauplatz in Obereisenheim. „Wir lieben unseren Ort“, erläuterten sie, aber wenn kein Bauplatz für sie da sei, „dann suchen wir halt wo anders was“.

    Und eine Mutter meinte nach der Bürgerversammlung, dass dies ein Riesenproblem für ihren Sohn sei. Sie sei gespannt, ob die Jungen jetzt noch mal einen Antrag zur Prüfung eines neuen Baugebietes an die Gemeinde stellen und wie dann der Gemeinderat reagiert.

    Manfred Ländners Argumente

    Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Manfred Ländner schaltete sich in die Diskussion ein: Er habe den Eindruck, dass in den Medien die Diskussion um den Flächenverbrauch in Bayern derzeit „enorm angeheizt“ werde. Um fachlich richtig zu argumentieren, habe er das Umweltministerium befragt. Die Antwort: Der tägliche Flächenverbrauch im Jahr 2016 lag in Bayern bei 9,8 Hektar, was der Fläche von 14 Fußballplätzen entspricht. Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen an der Bodenfläche Bayerns beträgt 12 Prozent. 81,9 Prozent der Flächen in Bayern sind Land- und Forstflächen. Siedlungsfläche bedeutet nicht versiegelte Fläche. Nur die Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Bayern ist tatsächlich versiegelt. Das sind bayernweit rund sechs Prozent der Bodenfläche. Der Flächenverbrauch pro Tag verteilt sich mit über 50 Prozent auf den Wohnungsbau, mit 25 Prozent auf Gewerbe, Industrie und Handel und mit 15 Prozent auf Verkehr, der Rest entfällt auf sonstige Flächennutzung, zum Beispiel Grün- und Erholungsflächen.

    Ländner: „Bei näherer Betrachtung der Gärten, vor allem in den Siedlungsgebieten des ländlichen Raumes liegt die Feststellung nahe, dass zum Beispiel fünf Hektar Siedlungsgebiet ökologisch wertvoller sind, als fünf Hektar intensiv genutzte landwirtschaftliche Fläche“.

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