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    Würzburg

    Kammerchor am Würzburger Dom: Mozart mit melodischer Glut

    Eher spröde und monoton, im besten Fall meditativ und entschleunigend kann eine Litanei auf den heutigen Menschen wirken. Nicht so die Litaniae de venerabili altaris sacramento (KV 23), wenn sie der Kammerchor am Würzburger Dom, begleitet vom Barockorchester La Banda, zu Gehör bringt. Wolfgang Amadeus Mozart hat hier ein feierliches Werk geschaffen, das mit musikalischen Gegensätzen und raffinierter Orchestrierung besticht. Unter der Leitung von Christian Schmid gestalten die Sänger die teilweise monumentalen Chorsätze dramatisch und fromm, die Solisten setzen mit koloraturreichen, virtuosen Arien einen weiteren Akzent.

    Domkapellmeister Schmid steht aufrecht, fest verwurzelt und nahezu unbeweglich, als würde er aus dieser Erdverbundenheit Kraft schöpfen, die er an seine Musiker weitergibt. Unaffektiert und in großer Gelassenheit, doch voll spürbarer Körperspannung, dirigiert er auch die Messe in c-Moll (KV 427), die im zweiten Teil des Domkonzerts folgt und ebenfalls vom auf den Fingerschlag reagierenden Chor und den Streichern, Oboen, Hörnern, Fagotten, Trompeten, Posaunen, Pauken und Orgel des Orchesters dargeboten wird.

    Das Geheimnis der Weihnacht ist nicht mehr fern

    Der Komponist hat diese Messe - angeblich, um ein Gelübde einzulösen - in barocker Tradition als Kantatenmesse geschaffen, die Orchester, Chor und Solisten ausschweifende, rauschende, enthusiastische, festliche und idyllische Momente abverlangt.

    Wenn Sopranistin Fanie Antonelou das "Et incarnatus es" in sanften Koloraturen dahinfließen lässt, begleitet vom Klang der Holzbläser, dann ist das Poesie pur und das Geheimnis der Weihnacht nicht mehr fern. Glockenrein in der Höhe, mit einem beachtlichen Umfang bis in die Tiefe, erreicht sie die Zuhörer im gut besuchten St. Kiliansdom bis ins Herz. Heiter und beschwingt ihre Interpretation des "Laudamus te" wie schon vorher in der Litanei das "Dulcissimus convivium", das sie sehr fein, sehr nuanciert zu gestalten weiß.

    Zwischen Ehrfurcht und Jubel

    Ihre Kollegin, die Sopranistin Mariella Hagen musste kurzfristig für die angekündigte, doch leider erkrankte Ina Siedlaczek einspringen. Auch sie besticht bereits im "Kyrie" mit jubelnder, strahlender Höhe und einer profunden Tiefe. Wunderbar ergänzen sich die Stimmen der beiden Sopranistinnen im "Domine deus" und "Quoniam tu solus", zu dem sich mit Wohllaut der glasklare Tenor Andreas Weller gesellt. Das Solistenquintett vervollständigen Altistin Yvonne Albes und Bass Florian Götz.

    Im "gratias agimus tibi" des zu jedem Zeitpunkt hell wachen Chores schwingt berührende Demut mit, zwischen Ehrfurcht und Jubel changieren die etwa 20 Sängerinnen und zehn Sänger im "Sanctus", das ebenso als Doppelchor komponiert ist wie das "Qui tolles", in dem die Streicher nur so über ihre Saiten ratschen.

    Es ist die farbige Interpretation, die fantasiereiche Gestaltung, die melodische Glut der beiden Werke, die aus den knapp zwei Stunden im St. Kiliansdom ein sowohl frommes wie vergnügliches Hörvergnügen machen. Hoch verdient der rauschende Applaus für den Domkapellmeister und alle Interpreten.

     

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