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    Darstadt

    Kandidaten-Tour: Starke Kommunen für einen starken Landkreis

    Landratskandidaten auf Tour: Auf dem Weg mit Bus und Bahn nach Rimpar berichtete Felix von Zobel (UWG-FW), was er im Landkreis Würzburg verändern möchte.
    Der Landratskandidat von UWG-FW, Felix von Zobel, am Ziel der Kandidaten-Tour in Rimpar.
    Der Landratskandidat von UWG-FW, Felix von Zobel, am Ziel der Kandidaten-Tour in Rimpar. Foto: Thomas Obermeier

    Die „Fridays for Future“-Bewegung findet Felix von Zobel gut, weil es ihn freut, dass junge Menschen bereit sind, sich einzusetzen und ihre Zukunft zu gestalten. Mit 27 Jahren ist Felix von Zobel der jüngste Landratskandidat für die Wahl am 15. März, und er sieht sich selbst als Teil dieser Generation, die die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen will, statt nur Lösungen zu fordern. Dass ihm die UWG-Freie Wähler das Vertrauen geschenkt und ihn im vergangenen Jahr sogar zu ihrem Kreisvorsitzenden gewählt hat, sieht Felix von Zobel als großen Vertrauensvorschuss.

    Felix von Zobel mit Redakteur Gerhard Meißner vor der Fahrt nach Rimpar.
    Felix von Zobel mit Redakteur Gerhard Meißner vor der Fahrt nach Rimpar. Foto: Thomas Obermeier

    Es ist eiskalt an diesem Morgen in Darstadt, dem kleinen Ochsenfurter Stadtteil, in dem die Familie von Zobel seit Jahrhunderten ansässig ist. Beim Spickerwerfen auf die Landkreiskarte hat Felix von Zobel Rimpar getroffen. Die Fahrt dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt gleich ein zentrales Thema von Zobels Programm vor.

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    "Der ÖPNV ist ein wichtiges Thema, weil er die Umwelt tangiert und eben auch die ländliche Entwicklung", sagt er. Aber um attraktiver zu sein, müsse er günstiger werden. Vor allem für Gelegenheitsfahrer will er durch neue Preismodelle Anreize schaffen. Und es müsse besser und zielgruppengenau kommuniziert werden, wie gut das Verkehrsangebot bereits ausgebaut ist. Der Beweis wird soeben angetreten. Vom kleinen Darstadt bis nach Rimpar dauert die Fahrt mit Bus und Zug gerade einmal 70 Minuten, zweimal umsteigen in Goßmannsdorf und Würzburg inbegriffen.

    "Der ÖPNV ist ein wichtiges Thema, weil er die Umwelt tangiert und eben auch die ländliche Entwicklung."
    Felix von Zobel (UWG-FW), Landratskandidat

    Während der Fahrt dreht sich das Gespräch um Zobels Agenda. Seit er vor zwei Jahren intern als Landratskandidat auserkoren wurde, hat sich der junge Agrarwissenschaftler akribisch auf die Aufgabe vorbereitet, sich in verwaltungstechnische Details eingearbeitet und einen Haushaltsplan zu verstehen gelernt. "Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig", sagt Felix von Zobel. Schützenhilfe in Sachen Kreispolitik erhielt er dabei von seinem Vater Heiner von Zobel, der ebenfalls schon UWG-Kreisvorsitzender und Landratskandidat war und dem Kreistag angehört.

    Es kommt nicht oft vor, dass jemand eine Fahrkarte von Darstadt nach Rimpar kauft. Da muss auch der Busfahrer erst mal kurz überlegen.
    Es kommt nicht oft vor, dass jemand eine Fahrkarte von Darstadt nach Rimpar kauft. Da muss auch der Busfahrer erst mal kurz überlegen. Foto: Thomas Obermeier

    Das Fazit, das er aus der Landkreispolitik der vergangenen Jahre zieht: Viele Ziele seien richtig gesteckt worden, nur manchmal fehle es am nötigen Nachdruck und neuen Ideen. Beispiel: die Versorgung mit schnellem Internet und Mobilfunk. Als Bewohner des Funklochs Darstadt weiß Felix von Zobel ein Lied davon zu singen. "Stellen Sie sich vor, sie haben zwischen Goßmannsdorf und Darstadt einen Autounfall und können keine Hilfe rufen, weil es da kein Netz gibt", sagt er. Dabei sei Internet auf dem Land heute nicht nur ein wichtiger Faktor für die Wohnortqualität, sondern auch Voraussetzung für die Ansiedlung neuer Unternehmen und Arbeitsplätze.

    Politik muss verständlich sein. Deshalb haben wir die Landratskandidaten gebeten, die wichtigsten Punkte ihres Programms auf einem Bierdeckel zusammen zu fassen.
    Politik muss verständlich sein. Deshalb haben wir die Landratskandidaten gebeten, die wichtigsten Punkte ihres Programms auf einem Bierdeckel zusammen zu fassen. Foto: Gerhard Meißner

    Überhaupt ist der ländliche Raum ein wichtiger Überbegriff in der Agenda des UWG-FW-Bewerbers. Die Nahversorgung dort will Zobel anpacken. "Natürlich kann niemand ein Unternehmen zwingen, auf dem Land einen Supermarkt zu eröffnen." Aber Abholboxen in den kleinen Orten, die auf Bestellung beliefert werden, wie es ein Würzburger Supermarkt bereits praktiziert, seien ein Lösungsansatz. Um die medizinische Versorgung zu sichern, schlägt er Anreize für Medizinstudenten im praktischen Jahr ihrer Ausbildung vor, etwa durch eine kostenlose Wohnung. 

    "Stellen Sie sich vor, sie haben zwischen Goßmannsdorf und Darstadt einen Autounfall und können keine Hilfe rufen, weil es da kein Netz gibt."
    Felix von Zobel (UWG-FW), Landratskandidat

    Ein weiteres Anliegen ist der Ausbau erneuerbaren Energien. Dabei geht es ihm nicht allein um den Klimaschutz, sondern auch um die Wertschöpfung im ländlichen Raum. "Mit der 10H-Regel ist die Windkraft tot", kritisiert er die geltenden Abstandsregeln. Stattdessen sollten die Bürger enger in Genehmigungsverfahren einbezogen werden und die Möglichkeit erhalten, selbst in Windkraft zu investieren. Als Beispiel nennt er das Windkraftrad bei Westheim, das sein Vater vor zwei Jahrzehnten als eines der ersten in der Region gemeinsam mit 20 weiteren Investoren gebaut hat. Der Erlös fließt keinem überregionalen Konzern zu, sondern bleibt in der Region. "Eine super Sache, alle  haben profitiert", sagt Felix von Zobel.

    Vom Würzburger Busbahnhof geht es auf auf die letzte Etappe nach Rimpar. Nach dem Sitzen im Zug ist ein Stehplatz ganz angenehm.
    Vom Würzburger Busbahnhof geht es auf auf die letzte Etappe nach Rimpar. Nach dem Sitzen im Zug ist ein Stehplatz ganz angenehm. Foto: Gerhard Meißner

    Dass die Energiewende nicht ohne neue Übertragunsleitungen wie SüdLink funktioniert, steht für Felix von Zobel außer Frage. Dass er damit anderer Meinung ist als viele seiner Berufskollegen, ficht ihn nicht an. Der Einfluss der Hochspannungs-Erdkabel auf Natur und Landwirtschaft seien zu vernachlässigen, das hätten Studien seiner Uni in Göttingen erst gezeigt.

    Bei einem kleinen Spaziergang durch Rimpar bleibt Zeit fürs Gespräch zwischen Kandidat und Reporter.
    Bei einem kleinen Spaziergang durch Rimpar bleibt Zeit fürs Gespräch zwischen Kandidat und Reporter. Foto: Thomas Obermeier

    Inzwischen hat der Regionalzug den Würzburger Hauptbahnhof erreicht. Der Umstieg auf den Bus nach Rimpar klappt fahrplangerecht. Der auch außerhalb der Stoßzeiten schon stark belastete Busbahnhof führt aber ein weiteres Problem des regionalen ÖPNV vor Augen. Um Mobilität auf dem Land zu verbessern und die Stadtzentren vom Individualverkehr zu entlasten, müssen Stadt und Land zusammenarbeiten. Und auch in anderen  Bereichen liegen da noch Potenziale brach: beispielsweise bei den Schulen.

    Eine Mischung aus Glück und Können entschied über das Ziel der Kandidaten-Tour. Der Spicker von Felix von Zobel traf Rimpar.
    Eine Mischung aus Glück und Können entschied über das Ziel der Kandidaten-Tour. Der Spicker von Felix von Zobel traf Rimpar. Foto: Thomas Obermeier

    50 Millionen Euro habe der Landkreis in den vergangenen Jahren in seine weiterführenden Schulen investiert. "Der Erhalt einer  guten Ausstattung ist ein absolutes Muss", sagt Felix von Zobel. Aber in Höchberg platzt die Realschule aus allen Nähten. Bei einer Sitzung des Kreisbauausschusses hat er sich die Situation vor wenigen Tagen erst angesehen. Die Entscheidung für einen Anbau hielt er trotzdem für  voreilig. "Warum versucht man nicht einfach, mit Würzburg zusammenzuarbeiten, weil es dort Realschulen gibt, in denen noch Platz ist". Das gesparte Geld könnte man anderswo sinnvoller einsetzen.

    "Es hilft nichts, wenn im neuen Seniorenzentrum in Bergtheim Personal fehlt und in Uettingen schon das nächste gebaut wird."
    Felix von Zobel (UWG-FW), Landratskandidat

    Die Zeit, die der Bus nach Rimpar braucht, reicht gerade aus, um alle Bereiche anzusprechen, zu denen Felix von Zobel eine klare Meinung hat: die Bedeutung der Main-Klinik für die Gesundheitsversorgung im südlichen Landkreis, Barrierefreiheit, den Bau von Pflegeeinrichtungen, die dem Landkreis-Kommunalunternehmen Grenzen aufzeigen. "Es hilft nichts, wenn im neuen Seniorenzentrum in Bergtheim Personal fehlt und in Uettingen schon das nächste gebaut wird."

    Einmal mehr beweist Felix von Zobel, wie tief er sich in die Landkreis-Politik eingearbeitet hat. Beim Blick aufs Rimparer Rathaus im Grumbachschloss bringt er eine Grundsatzposition seiner UWG zur Sprache. "Wir müssen die Kreisumlage so gering wie möglich halten, um den Gemeinden Spielraum zu geben, weil die am ehesten wissen, wofür sie ihre Mittel am sinnvollsten einsetzen können", so Zobel. "Starke Kommunen, ein starker Landkreis", lautet sein Slogan.

    Felix von Zobel (UWG/FW)
    Felix von Zobel aus dem Ochsenfurter Stadtteil Darstadt tritt für die Listenverbindung aus UWG und Freien Wählern als jüngster Bewerber bei der Wahl zum Landrat des Landkreises Würzburg an. Der 27-Jährige hat im vergangenen Jahr sein Studium der Agrarwissenschaften an der Uni Göttingen als Bachelor abgeschlossen und gemeinsam mit seinem Bruder Moritz auf Flächen des elterlichen Bauernhofs die "Biohof von Zobel GbR" gegründet. Dort will er sich auf den Anbau von Sonderkulturen spezialisieren, etwa Bio-Haselnüsse und Rhabarber. Sein größtes Hobby ist das Bergwandern. Nach einer Tour in Nepal vor zwei Jahren würde er als nächstes gerne die Zugspitze besteigen.
    Nach seinem Lieblingsplatz im Landkreis gefragt, sagt Felix von Zobel: "Das Gasthaus Anker in Goßmannsdorf, und dort in einer Nische mit meinen Freunden ein Bier trinken." Entspannung von Arbeit und Politik findet er am besten zu Hause auf dem Sofa. Und wenn er einen seiner Mitbewerber und Mitbewerberinnen in die Heckenwirtschaft einladen wollte, dann fiele seine Wahl auf Karen Heußner (Grüne), "weil ich sie sehr schätze und glaube, dass wir auf Augenhöhe sind und über alles reden können."
    Warum Felix von Zobel in Rimpar war? Um herauszufinden, welche Ziele die Landratskandidaten haben und was sie verändern wollen, haben wir sie zu einer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln eingeladen. Um das Ziel zu bestimmen, mussten sie zuvor mit dem Spicker auf die Karte des Landkreises werfen.
    Alle Informationen rund um die Kommunalwahl finden Sie im Internet unter: www.mainpost.de/wahlen

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