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    Ochsenfurt

    Kauzensitzung: Gedankenaustausch bei Musik aus dem Krummhorn

    Wie üblich war die Kauzensitzung im Ochsenfurter Rathaus gut besucht. Foto: Claudia Schuhmann

    Die Eindrücke aus der Kauzensitzung am Donnerstagabend ähneln denen aus den Vorjahren: Im Sitzungssaal so viele Menschen, wie gerade hineinpassen, fröhliche Begrüßungen und Händeschütteln über die Tische hinweg. Man wünscht sich gegenseitig ein gutes neues Jahr und freut sich auf Wein, Neujahrsbrezeln und den einen oder anderen unterhaltsamen Tagesordnungspunkt. Denn die erste Stadtratssitzung des Jahres ist in Ochsenfurt traditionell keine Arbeitssitzung, sondern hat Eventcharakter. Eingeladen sind alle Bürger, und wer im Sitzungssaal keinen Platz findet, findet sicher noch einen draußen im Vorraum.

    Bürgermeister Peter Juks, zwecks besserer Verständlichkeit ganz zeitgemäß mit Headset ausgestattet, begrüßt die Gäste zu diesem ersten Gedankenaustausch im Jahr: Stadtratsmitglieder, Kreisräte, Kirchenvertreter, Vereinsmitglieder, jüngere und ältere Ochsenfurter - bei der Kauzensitzung kommen alle zusammen. Daher ist die Veranstaltung auch das passende Forum für den Bürgermeister, den vielen ehrenamtlich Tätigen in der Stadt seinen Dank auszusprechen. Juks erwähnt auch die Rettungskräfte, die bei dem Dachstuhlbrand am vergangenen Freitag in der Altstadt so unermüdlich gearbeitet hatten.

    Die Vision vom autonomen Kühlschrank

    Der Bürgermeister verrät außerdem, was für ihn die Kernthemen des Jahres 2019 sein werden: Wohnen und Arbeiten in Ochsenfurt, verbesserte Familienfreundlichkeit, die Erhaltung und Belebung der historischen Gebäude, die verstärkte Platzierung Ochsenfurts im Bereich Tourismus und Marketing sowie die zukunftsfähige Gestaltung der Ortsteile.

    Wie immer wurde aus dem Kauzenpokal getrunken. Foto: Claudia Schuhmann

    Die Themen beschäftigen Ochsenfurt schon länger, und natürlich müssen sie im Fokus des Bürgermeisters stehen, wenn er seinen Blick in die Zukunft richtet. Seine Stellvertreter haben es da schon ein bisschen leichter und können für ihre Ansprache auch mal weniger gewichtige Themen wählen. So wie der dritte Bürgermeister Joachim Eck es diesmal tut. Während Juks vom neuen Wohngebiet am Oberen Dümmersberg träumt, hat Eck eine ganz andere Zukunftsvision: nämlich, dass sein Kühlschrank selbsttätig Milch bestellt, die von einem Roboter brav angeliefert wird.

    Das Programm wird von Ochsenfurtern bestritten

    In seinem kurzweiligen Vortrag stellt Eck die bahnbrechendste Neuerung des Jahres 1919 denen der folgenden Jahrzehnte gegenüber: nämlich die Wählscheibe, die die damalige Telefonie ebenso radikal veränderte wie etwa die Versteigerung von Frequenzen im Jahr 1989, die die Grundlage des Mobiltelefons bildete. "Solche Reaktionen hätte es wohl auch 1919 gegeben", sagt Eck als Erwiderung auf das allgemeine Gelächter, mit dem die Besucher seine Vision vom autonomen Kühlschrank quittieren, "wenn man den Leuten damals was vom drahtlosen Telefon erzählt hätte."

    Autor Jürgen Schuhmann, Zuckerfee Luisa Zips, die Musikerinnen Renate Drach und Birgit Hutzel sowie Bürgermeister Peter Juks (von links). Foto: Claudia Schuhmann

    Da sich bei der Kauzensitzung möglichst alles um Ochsenfurt drehen soll, wird auch das Unterhaltungsprogramm traditionell von Ochsenfurtern bestritten. Warum kommt dann diesmal die Musik aus Waldbüttelbrunn? Peter Juks löst das Rätsel auf: Eine der Musikerinnen, Renate Drach, hat in der Ochsenfurter Hauptstraße eine Kräuterstube eröffnet. Gemeinsam mit Birgit Hutzel bringt sie im Sitzungssaal recht ungewöhnliche Töne zu Gehör, die sie unter anderem einem Krummhorn entlockt. Das mittelalterliche Instrument klingt ein wenig, wie wenn sehr enthusiastisch auf einem Kamm geblasen wird - nur lauter. Ansonsten kommen verschiedene Flöten und ein Akkordeon bei den beiden Musikerinnen zum Einsatz.

    Nachdenkliche Gedichte von Jürgen Schuhmann

    Der Wortbeitrag ist dann wieder zur Gänze ochsenfurterisch: Autor Jürgen Schuhmann hat eine Auswahl aus seinen Gedichten mitgebracht. Obwohl er ankündigt, eher Nachdenkliches vortragen zu wollen, entlockt er dem Publikum doch das eine oder andere Schmunzeln. Etwa, wenn der leidenschaftliche Radfahrer Schuhmann "regenbogenfarbige Wurstdärme" beschreibt - die bunte Funktionskleidung, die die Ochsenfurt frequentierenden Freizeitradler dem staunenden Poeten in den Sommermonaten immer präsentieren. Ansonsten ist es etwa Mutter Natur, die den Autoren beschäftigt, die sich langmütig und großzügig zeigt gegenüber den gierigen Menschen. Und es geht um verpasste Chancen, hohlphrasige Wahlplakate, die Phantasie oder die Schätze vor der eigenen Haustür.

    Keine noch so traditionelle Veranstaltung kommt ohne ein paar Premieren aus: Eine davon erlebt Luisa Zips, die als neue Zuckerfee zum ersten Mal an der Kauzensitzung teilnimmt. Für eine andere ist Altbürgermeister Peter Wesselowsky verantwortlich. Zum ersten Mal seit 1973 nimmt er nicht an der Sitzung teil, wegen eines schlecht verschiebbaren anderen Termins. Eine feste Konstante sind aber auch diesmal der Trunk aus dem Kauzenpokal mit dem Wein aus Kleinochsenfurt und die Neujahrsbrezeln, mit deren Verteilung der offizielle Teil der Kauzensitzung zu Ende geht und das gemütliche Beisammensein beginnt.

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