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    Uffenheim

    Kerzen für die Opfer

    Die Gymnasiasten der 9. Jahrgangsstufe der Christian-von-Bomhard-Schule am Mahnmal in der Ringstraße. Foto: Lydia Kamleiter

    Oft liegen die Spuren und Erinnerungen vor der Haustüre. So führte Religionspädagogin Lydia Kamleiter auf der Suche nach früherem jüdischem Leben ihre Religionsklasse der Christian-von-Bomhard-Schule in die Schlossstraße zu einem Fachwerkhaus, heißt es in einer Pressemitteilung. Hier führte Josua Flamm eine Mazzenfabrik, die feinste koschere Konditoreiwaren herstellte. Seine Produkte vertrieb er deutschlandweit. Aus Anzeigen ist bekannt, dass es allein in München drei Verkaufsstellen für Flamms berühmte Backwaren gab. Heute sind in dem 200 Jahre alten Nebengebäude noch Backöfen zu sehen.

    Synagoge nur noch auf Ansichtskarte zu sehen

    Der Weg führte weiter zum Kriegerdenkmal in die Luitpoldstraße, an dem die Schüler die Namen von jüdischen Männern finden konnten, die während des Ersten Weltkrieges ihr Leben für ihr Vaterland auf den Schlachtfeldern verloren haben. Auf der Suche nach dem Standort der Uffenheimer Synagoge führte Kamleiter ihre Klasse zum steinernen Mahnmal und einer Informationstafel in die Ringstraße.

    Von der ehemals prächtigen Synagoge sind kaum noch Spuren zu sehen, außer Bauplänen und der Frontansicht auf einer alten Ansichtskarte. „Die Einweihung am 5. September 1890 wird zum Paradebeispiel für eine harmonische Feier christlicher und jüdischer Bürger“ lesen die Schüler auf der Informationstafel. Uffenheimer Ansichtskarten mit dem Bild der Synagoge zeigen, dass die Uffenheimer stolz auf das eindrucksvolle Bauwerk waren.

    Nachdenkliche Jugendliche

    In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 blieb die Synagoge verschont. Nach 1939 wurde sie abgebrochen und ihre Steine wurden für den Bau von Behelfsheimen für Flüchtlinge verwendet. Bereits am 14. Oktober 1938 wurden die letzten vier jüdischen Mitbürger verhaftet und von SA-Männern zum Bahnhof begleitet und nach Dachau deportiert. Dass eine Schulklasse mit antisemitischen Aufschriften auf Schildern den Zug begleitete, stimmte die Jugendlichen sehr nachdenklich, hatten sie doch – berührt von den Ereignissen in Halle – für ihre Schulandacht Fürbitten für Frieden und Versöhnung formuliert. Zur Erinnerung an die Opfer zündeten die Schüler Kerzen an.

    Von: Lydia Kamleiter, für die Christian-von-Bomhard-Schule

    Bearbeitet von Lena Berger

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