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    Würzburg

    Kickers: Wie es um das neue Stadion steht

    Wie weit ist die Standortsuche für ein neues Kickersstadion gediehen? Will die Stadt einen Anteil der Baukosten übernehmen und gibt es Geld vom Land wie anderswo auch?
    Wenn die Würzburger Kickers wieder in die Zweite Fußball-Bundesliga wollen, ist ein Stadionneubau unumgänglich. Foto: Silvia Gralla

    Spätestens seit der Verpflichtung der deutschen Fußball-Ikone Felix Magath durch Flyeralarm-Chef und Kickers-Aufsichtsratsvorsitzenden Thorsten Fischer als Chef seines neuen Geschäftszweigs Fußball steht die Rückkehr der Kickers vom Dallenberg in die Zweite Bundesliga wieder im Mittelpunkt. Damit ploppt auch die Frage nach der Ertüchtigung des alten Stadions oder dem Bau eines neuen auf der grünen Wiese wieder auf, weil das derzeitige Arena am Dallenberg den Vorgaben der DFL für einen dauerhaften Zweitligabetrieb nicht genügt. 

    Vor bereits zwei Jahren, im Februar 2018, hatte der Würzburger Stadtrat seiner Verwaltung den Auftrag erteilt, verschiedene Standorte zu prüfen. Erst vier, dann kam im Mai desselben Jahres noch das alte Stadion am Dallenberg als fünfter Standort wieder hinzu. Er war im Vorfeld vom Frankfurter Planungsbüro Albert Speer + Partner (AS+P) wegen zu hoher Kosten für eine Ertüchtigung aus dem Rennen gekegelt worden, wurde aber dann auf Wunsch des Stadtrates wieder aufgenommen. Kickers-Verantwortliche hatten das vereinseigene Gelände am Dallenberg immer wieder als Wunschstandort genannt.

    "Eine Zuwendung durch den Freistaat käme nicht in Frage"
    Martin Scholtysik - Pressesprecher Bayerisches Innenministerium

    Und so untersucht nach Informationen dieser Redaktion die Stadt derzeit auch, wie sich ein neues Stadion mit komplett überdachten Tribünen, wie es die Vorgeben der DFL verlangen, am Dallenberg verwirklichen lässt. In Kickers-Kreisen, so heißt es, könne man sich eine Verlagerung eines gleichzeitig um 90 Grad gedrehten Stadions direkt an die Bundesstraße 19 vorstellen, die vierspurig von Heidingsfeld hoch zur Autobahn führt. So will man möglichst weit weg vom Wohngebiet am Dallenberg, wo immer noch einige Anwohner klagen. Um der beklagten Lärmbelästigung entgegen zu wirken, stellt man sich ein größeres Gebäude am Platz des jetzigen Vereinsheims als Schallschutzriegel vor. So will man auch das Projekt für einen Investor interessant machen.

    Inzwischen seien die Standortgutachten so weit vorangekommen, dass für alle fünf Orte vergleichbare Einschätzungsmöglichkeiten für eine Machbarkeit vorliegen, heißt es dazu aus dem Rathaus auf Anfrage. Vor allem für den Standort Dallenberg seien nun noch intensive Untersuchungen notwendig: Rathaussprecher Christian Weiß nennt den Lärmschutz oder die Hydrologie des Geländes, das im Wasserschutzgebiet des Wasserwerkes Mergentheimer Straße liegt.

    Die Stadt habe die Kickers deshalb im Dezember um eine Konkretisierung ihrer Vorstellungen am Dallenberg gebeten. Zudem seien weitere Gespräche zwischen Stadt und Kickers für die kommenden Wochen vereinbart worden, so Weiß.

    Offen bleibt die Finanzierung des neuen Stadions.

    Natürlich sei davon auch die Finanzierung des Stadions abhängig, heißt es von Seiten des Vereins auf Anfrage. Die Kickers könnten die angefangenen Gespräche mit möglichen Investoren – für die die Lage der neuen Spielstätte selbstverständlich entscheidend sei – erst dann intensivieren, wenn die Standortfrage geklärt sei. 

    In der Januar-Ausgabe des Kickers-eigenen Monatsmagazins "1907" kündigte Oberbürgermeister Christian Schuchardt an, die Stadt werde "im Falle eines Neubaus am Bestandsstandort oder an einem anderen Ort" dem "Verein zur Seite stehen" und sich "in Millionenhöhe an den notwendigen Gesamtinvestitionen beteiligen". Im Besonderen werde die Stadt nach seine Vorstellungen sämtliche Umfeldinvestitionen in Erschließung und Parkplätze übernehmen, so Schuchardt.

    Die Sportförderung in Bayern soll dem nicht-kommerziellen Breitensport zu Gute kommen

    Auch in Halle, Chemnitz oder Regensburg wurden in den vergangenen Jahren neue Fußballstadien gebaut. Dort haben sich die Städte an den Baukosten beteiligt und die Stadien werden von Betreibergesellschaften betrieben, die ganz oder teilweise in städtischer Hand sind. Und in Halle (Sachsen-Anhalt) und Jena (Thüringen) gab es einen dicken Batzen Geld vom jeweiligen Bundesland. Gleiches ist auch in Freiburg (Baden-Württemberg) geplant, wo das Land seinen Beitrag zum Neubau der Arena des Bundesligisten SC Freiburg leisten will.

    Und der Freistaat Bayern? "Eine Zuwendung durch den Freistaat käme nicht in Frage", antwortet Martin Scholtysik, stellvertretender Pressesprecher des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration auf eine schriftliche Anfrage. Denn die Sportförderung in Bayern solle dem nicht-kommerziellen Breiten- und Nachwuchsleistungssport zu Gute kommen.

    Kommerzielle Nutzung als Ausschlusskriterium explizit genannt

    Gemäß geltender Richtlinien seien Anlagen, die im Trainings- und Wettkampfbetrieb im bezahlten Sport benutzt werden oder durch den Verein aufgrund von Lizenzbedingungen vorgehalten werden müssen, ausdrücklich von der Sportförderung ausgeschlossen, heißt es weiter. Dabei sei die kommerzielle Nutzung von Sportstätten in den Sportförderrichtlinien als Ausschlusskriterium explizit genannt, heißt es aus München.

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