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    RANDERSACKER

    Kinder verschwinden im toten Winkel

    Der Ausdruck vom sogenannten „toten Winkel“ ist für Eltern, Kinder und Gäste des Kindergartens Randersacker seit Samstag untrennbar mit einem einprägsamen Bild verbunden. Eine große, winkende Gruppe Menschen wurde am Tag der Verkehrssicherheit zum Symbol für eine immense Gefahr. Die fröhlichen Kinder und Eltern standen auf einem am Boden liegenden, orangenen Dreieck neben einem Lkw.

    Würde der große Lastwagen nicht nur zu Präsentationszwecken neben ihnen parken, sondern sich im Straßenverkehr zum Abbiegen bereit machen, wären sie alle sozusagen wie vom Erdboden verschluckt. Der Fahrer hätte keine Chance, sie zu sehen, auch beim nicht Blick in den Spiegel. Tatsächlich schwebten sie alle in Lebensgefahr. Denn, dass der unvermeidlich folgende Unfall nicht mit einem kleinen Kratzer ausginge, das wurde allen deutlich, die an diesem Tag den Truck ganz aus der Nähe gesehen haben oder sogar selbst in die Fahrerkabine hoch über Boden hinaufgeklettert sind.

    Das ist noch nicht alles. Rotweiße, vom Führerhaus zum Boden gespannte Bänder zeigten: Auch vor dem Lkw ist viel Platz, sich in große Gefahr zu begeben. Selbst ein großgewachsener Erwachsener wird dort völlig unsichtbar. Kinder zu Fuß, auf Rädern oder Rollern sowieso. Und das, auch wenn der Fahrer sich an alles hält, was er in der Fahrschule gelernt hat und vorschriftsmäßig in die Spiegel schaut.

    „Man kann ja nie in alle Spiegel und nach vorne gleichzeitig schauen“, gibt Rainer Michel zu bedenken, Geschäftsführer der Spedition Leopold Michael GmbH (Würzburg-Dettelbach). Rasch erfassen kann daher auch ein Lkw-Fahrer die gesamte Verkehrssituation nur mit dem Blick durch die Windschutzscheibe. Was an den Seiten, vorne und hinten passiert (und für ihn überhaupt zu sehen ist), kann er nur über Kontrollblicke in die Spiegel erfahren – aber eben nie alles zeitgleich.

    Seit 2005 ruft der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) immer am dritten Samstag im Juni den Tag der Verkehrssicherheit aus. Mit Hilfe von Aktionen sollen vielerorts Menschen auf die Gefahren im Verkehr aufmerksam gemacht werden. „Wir wollten uns schon immer mal beteiligen“, sagt Michel. Mitarbeiterin Katja Markert ist Mitglied des Elternbeirates im Kindergarten Randersacker. Sie hatte die Idee, das Kindergartenfest auf dem Sportgelände am Sonnenstuhl dafür zu nutzen. „Denn da hatten wir Platz genug und konnten viele Kinder und Erwachsene erreichen.“

    Michel nahm die Anregung gerne auf. Ihm liege die Sicherheit sehr am Herzen, sagt er. Demnächst statte er vier Lkw mit den neuen Abbiege-Assistenten aus. Das digitale System – bisher keine Pflicht – kostet rund 4000 Euro. Es überwacht quasi den toten Winkel und verhindert so die gefährlichen Abbiegeunfälle. In Kombination mit dem Notbremsassistent – vorausgesetzt der Fahrer schaltet ihn nicht ab – ließen sich die allermeisten Lkw-Unfälle vermeiden, plädiert Michel für den verbindlichen Einsatz digitaler Systeme.

    Bei allem Ernst kamen beim Fest Spaß und Spiel nicht zu kurz. Angefangen von der Hüpfburg, Schminken über Michels Luftballonweitflugwettbewerb bis hin zur Aufführung der Vorschulkinder („Der kleine Drachen Kokosnuss II“) genossen Alt und Jung gemeinsam den Nachmittag.

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