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    Würzburg

    Kinderporno-Fall: Kita-Personal hat nichts bemerken können

    Hätte der Kindesmissbrauch durch einen Logopäden in zwei Würzburger Kitas verhindert werden können? Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entlasten die Erzieher.
    Die Mitarbeiter der Kindertagesstätten, in denen der beschuldigte Logopäde tätig war, tragen keine Verantwortung für den Kindesmissbrauch. Dies betont der Generalstaatsanwalt. Foto: SymbolRolf Vennenbernd, dpa

    Aufatmen bei Erziehern, Betreuern und Therapeuten in der Region: Die Ermittler der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg haben das Personal der beiden Würzburger Kindertagesstätten und der beiden Praxen, in denen ein 37-jähriger Logopäde über viele Jahre behinderte Buben für den Dreh von Kinderpornografie schwer sexuell misshandelt hat, von jeder Verantwortung für die Taten freigesprochen. "Da war nichts, was die Mitarbeiter hätten bemerken können", sagt Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky.

    "Klares Nein", so Janowsky auf die Frage, ob es neben dem Logopäden, der seit März in Untersuchungshaft sitzt, weitere Beschuldigte gebe. Die kriminelle Energie, mit der der beliebte Therapeut vorging, war offensichtlich groß. So hat er in der Regel immer nur ein Kind missbraucht - solange, bis dieses die Einrichtung verließ oder der Behandlungsvertrag endete. 

    78 Fälle von Missbrauch

    Laut den Ermittlern hat der Beschuldigte im Zeitraum von 2012 bis 2019 insgesamt sieben Buben unter sechs Jahren, "teilweise mit hochgradigen körperlichen und/oder geistigen Behinderungen",  auf furchtbare Weise gequält. Generalstaatsanwalt Janovsky geht davon aus, dem Logopäden anhand des sichergestellten Bild- und Videomaterials 78 Fälle von Missbrauch, darunter 45 besonders schwere, nachweisen zu können. Zahlen, die, so sagte er, nicht im Ansatz "das Leid der Kinder widerspiegeln können". Der Täter habe bewusst darauf gesetzt, dass die Opfer ihren Schmerz gegenüber Betreuern und Eltern nicht artikulieren konnten.

    Viele Mütter und Väter, Erzieher und Therapeuten fragten sich seit Bekanntwerden des Falls, ob sie Hinweise übersehen haben, ob sie Kinder allzu vertrauensselig dem beliebten Therapeuten überlassen haben und machten sich Vorwürfe. Mit Abschluss der Ermittlungen sind sie strafrechtlich entlastet.

    Verunsicherung unter Erziehern

    "Das wird viele Kolleginnen und Kollegen über die Tatorte hinaus beruhigen", sagt Christian Gündling, Leiter einer Kita in Würzburg, die nicht betroffen war. Die Verunsicherung  unter Pädagogen, Erziehern und Therapeuten in der Region sei nach Bekanntwerden des Falles groß gewesen. Die Unbefangenheit im Umgang mit den Kindern sei zwischenzeitlich verloren gegangen, berichten vielen Frauen und Männer, die in sozialen Einrichtungen tätig sind. Für zusätzlichen Druck habe die Stadt Würzburg gesorgt, die als Rechtsaufsichtsbehörde die Auflagen für das Miteinander in allen 70 Einrichtungen verschärft hatte, unter anderem mit der Empfehlung, keine Eins-zu-eins-Therapie in Kita-Räumen zuzulassen. Gündling sagt: "Da ist die Erklärung des Generalstaatsanwalts ein wichtiges Signal."   

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