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    Würzburg

    Kinderpornos: Würzburger Fall führte zu zehn weiteren Verdächtigen

    Blick auf den Kindergarten am Heuchelhof in Würzburg, der einer der vier Tatorte des Würzburger Logopäden war. Foto: Daniel Peter

    Der 37-jährige Würzburger Logopäde, der seit März wegen des Verdachts der Kinderpornografie in Haft sitzt, war wohl ein Alleintäter. Doch die Nachforschungen der Polizei haben in anderen Fällen zu 42 weiteren Ermittlungsverfahren und zehn Verdächtigen im In- und Ausland geführt. Diese Bilanz zog am Montag der Bamberger Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky in der ihm unterstellten Zentralstelle Cybercrime in Bamberg. Demnach sind die Ermittlungen in dem Würzburger Fall abgeschlossen, der Verdächtige muss binnen vier Wochen mit einer Anklage und Anfang 2020 mit einem Prozess vor dem Landgericht Würzburg rechnen. 

    Für eine Beteiligung des Ehepartners des Logopäden gebe es keinerlei Indizien, so Generalstaatsanwalt Janovksy, der weitere Details des Falles nannte: So habe sich der Verdächtige zwischen 2012 und 2019 wohl sieben männliche Opfer unter sechs Jahren gesucht. Man könne davon ausgehen, dass es immer Buben waren, "bei denen zu erwarten war, dass sie sich nicht an Eltern oder Erzieher wenden", sagte Janovsky. "In der Regel war es immer nur ein Kind, solange, bis dieses die Einrichtung verließ oder der Behandlungsvertrag endete." Zwei Kindertagesstätten und zwei Praxen des Sprachtherapeuten seien Tatorte gewesen, viele der Opfer, so die Staatsanwaltschaft, hatten Behinderungen. 

    Justizminister Georg Eisenreich bei der Pressekonferenz zum Würzburger Kindeporno-Fall in der Zentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg. Foto: Corbinian Wildmeister

    Die Ermittler sichteten 23 000 Dateien 

    Die Ermittler mussten 23 000 widerliche Bild- und Videodateien sichten. Nun glauben sie, dem Verdächtigen 78 Missbrauchstaten nachweisen zu können, davon 45 Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch. Er muss mit einer Strafe von bis zu 15 Jahren rechnen.

    Die bei dem Logopäden in Würzburg gefundenen Kinderpornos stammen nicht alle von ihm, sondern wurden teilweise in Tauschbörsen gehandelt. Ermittler glauben, sie seien in ost- und südeuropäischen Nachbarländern sowie in Nord- und Mittelamerika aufgenommen worden. 

    Bei der Pressekonferenz in Bamberg standen (von links) Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky, Justizminister Georg Eisenreich sowie Thomas Goger, Sprecher der Zentralstelle Cybercrime, den Journalisten Rede und Antwort zu dem Würzburger Fall und den anschließenden Ermittlungen. Foto: Corbinian Wildmeister

    Der Ankläger schilderte zudem einen anonymisierten Fall, auf den Ermittler der Spezialeinheit für Cybercrime in Bamberg durch die Auswertung der Indizien gestoßen waren: Auf einem verborgenen Internet-Marktplatz im Darknet, der nur dem Austausch von Kinderpornos diente, fanden sie einen Verdächtigen, der serienweise kinderpornografische Bilder und Videos anbot, vornehmlich von Jungs zwischen vier und zehn Jahren.

    Ermittler konnten in einem Nachbarland geplanten Missbrauch verhindern

    Zwei Videos zeigten sogar explizit den sexuellen Missbrauch eines zwei- bis dreijährigen Kindes. "In einem Video wehrt sich das Kind gegen den Missbrauch, weint und ruft nach seiner Mutter," sagte der Staatsanwalt. Die Bamberger Ermittler konnten den Mann in einem Nachbarland identifizieren und erfuhren bei der Überwachung: Der Mann hatte erst kurz zuvor eine Frau mit einem fünfjährigen Sohn kennen gelernt. Er plante, den Jungen "am folgenden Wochenende sexuell zu missbrauchen", so der Generalstaatsanwalt. Vorher konnte der Mann festgenommen und "vor allem ein weiterer Missbrauch des Kindes verhindert werden". 

    Auch Bayerns Justizminister Eisenreich (CSU) machte sich am Montag ein Bild von der Arbeit der Zentralstelle Cybercrime und erneuerte die Forderung: Seine Ermittler müssten auch weitergehende Befugnisse für verdeckte Ermittlungen in der konspirativ arbeitenden Kinderporno-Szene bekommen. Dazu gehöre auch die "Keuschheitsprobe": Kriminelle verlangen erst einmal das Vorzeigen verbotener Bilder, um sicher zu sein, dass sie mit Gleichgesinnten in Kontakt kommen. Ermittlern ist das Verwenden solche Bilder verboten, die durch vorherigen Missbrauch entstanden. Sie könnten aber am Computer täuschend echt nachgestellte Bilder vorzeigen, um in den inneren Zirkel zu gelangen, fordert der Justizminister. 

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