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    Kist

    Kister Verkehrsgipfel: Lösungen für die lärmgeplagten Bürger

    Im Kister Pfarrheim fand eine hochrangige Diskussionsrunde zum Thema Verkehr in der Gemeinde und mögliche Lösungsmöglich...

    Das Interesse am "Kister Verkehrsgipfel" stieß auf so große Resonanz, dass sich sogar die Bürger aus Kist und den Nachbargemeinden im Pfarrsaal einfanden und bei der Fachrunde mitdiskutieren wollten. Die hochrangigen Vertreter der verschiedenen Behörden und politischen Parteien machten deutlich: hier muss ein Gesamtpaket her, einzelne Punkte zu erfüllen reicht nicht.

    Offener Brief der Gemeinde

    In einem offenen Brief hatte der Kister Bürgermeister Volker Faulhaber (SPD) zusammengefasst, wo die Kister Bürger das Verkehrsproblem am meisten drückt (wir berichteten). Dieses Papier war die Diskussionsgrundlage für die Veranstaltung, in der bereits viele Lösungsansätze präsentiert wurden, die in der kommenden Zeit verwirklicht werden sollen. Denn es war allen Teilnehmern klar, dass der Verkehr in Kist stark zugenommen hat. Dies liegt vor allem an der ungünstigen Lage zwischen zwei Autobahnen und einer direkt durch den Ort führenden Staatsstraße (früher B27) als Verbindung von Würzburg nach Tauberbischofsheim.

    Bei der A3 könne man fast von einem Dauerstau reden, so Faulhaber bei seiner Einführung. Fast alle von der Autobahn abfahrenden Fahrzeuge quälten sich durch Kist, um den Stau zu umfahren. Dann stehe der Verkehr in der höchst gelegenen Gemeinde im Landkreis still. Und wenn mal kein Stau den Verkehr ausbremse, werde viel zu schnell auf der Staatsstraße L578 von Tauberbischofsheim kommend oder auf der Kreisstraße WÜ29 von Reichenberg kommend in den Ort hinein gefahren.

    Frohe Kunde für die lärmgeplagten Bürger

    Was vor wenigen Wochen noch undenkbar war, kann nun schnell Wirklichkeit werden. Der stellvertretende Landrat Armin Amrehn, der in Begleitung von Bereichsleiter Rainer Künzig gekommen war, hatte frohe Kunde für die lärmgeplagten Kister Bürger mitgebracht. "Es ist teilweise katastrophal, da ist den Worten des Bürgermeisters nichts hinzuzufügen", beschrieb er das Verkehrsproblem.

    "Es ist teilweise katastrophal."
    stellvertretender Landrat Armin Amrehn

    Das Landratsamt als anordnende Behörde könne sich jetzt doch vorstellen auf der L578 von Tauberbischofsheim kommend bereits ab der Abzweigung nach Kleinrinderfeld und dann weiter entlang des Gewerbegebietes "Sonnleite" die Geschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer zu reduzieren, so Amrehn.

    Das Tempo soll reduziert werden

    In der Diskussion ging der stellvertretende Landrat noch einen Schritt weiter. Man wolle sogar über einen "Verkehrstrichter" nachdenken und die Geschwindigkeit so bis zum Ortsschild kurz vor dem Kreisel bereits auf Tempo 50 reduzieren. Dies diene der Verkehrssicherheit, zumal am Kreisel ein viel benutzter Übergang über die Staatsstraße damit sicherer gemacht werden würde.

    Ähnlich soll es auf der WÜ29 aus Richtung Reichenberg kommend geschehen. Hier wird zusätzlich noch ein "Tropfen" gebaut werden, wenn in zwei Jahren die Straße erneuert wird, um den Verkehr in der Guttenberger Straße zusätzlich auszubremsen. Innerorts kann sich Amrehn sogar vorstellen in der Guttenberger Straße Tempo 30 anordnen zu lassen. Hierfür muss der Gemeinderat allerdings ein Parkplatzkonzept erstellen, was aber kein Problem darstellen würde, wie die anwesenden Gemeinderäte sofort bekundeten.

    Positive Nachrichten von der Autobahndirektion

    Alexander Leis von der Autobahndirektion Nordbayern hatte ebenfalls positive Nachrichten im Gepäck. Man gehe nach wie vor davon aus, den Ausbau der A3 bei Heidingsfeld bis 2021 abgeschlossen zu haben. Kurzfristig könne er vermelden, dass ab Oktober 2018 die Anschlussstelle Heidingsfeld fertiggestellt wird und damit rund 900 Meter Autobahn wieder frei befahrbar sein werden.

    Die Autobahndirektion meint, dadurch einen gewissen Anteil der täglichen Staus zu vermeiden. Eine "optimale Situation", werde es allerdings erst nach Fertigstellung der Gesamtbaumaßnahme geben, so Leis.

    Rutscht Kist in der Prioritätenliste nach oben?

    Michael Fuchs, Bereichsleiter Straßenbau beim staatlichen Bauamt Würzburg, versprach die schlimmsten Löcher auf der L578 kurzfristig auszubessern und damit für mehr Laufruhe bei den Fahrzeugen zu sorgen. Dazu wolle er überprüfen, ob die Ortsdurchfahrt von Kist in der Prioritätenliste der Straßensanierungen nicht höher eingestuft werden kann. Man wolle in Zusammenarbeit mit Landratsamt und Gemeinde alle Maßnahmen bündeln und abarbeiten. So wird auch eine Fußgänger-Bedarfsampel im Bereich des Kreisels an der Otto-Seubert-Halle überprüft.

    Große Diskussionen gab es um die Führung eines Radweges von Kist nach Gerchsheim. Während die Gemeinde eine Trasse entlang der L578 favorisiert, will das Landratsamt lieber eine Strecke durch den Irtenberger Wald realisieren. Amrehn, selbst bekennender Radfahrer, skizzierte die Strecke: sie soll von Höchberg kommend, auf dem bestehenden Gehweg bis zum Steg über die Staatsstraße am Wasserturm vorbei in den Wald führen. Von dort solle man unter der Autobahn hindurch Richtung Altertheim fahren, um dann auf den noch zu bauenden Anschluss von Gerchsheim zu schließen.

    Dieser Vorschlag zur Streckenführung stieß bei den Politikern auf wenig Gegenliebe. CSU-Landtagsabgeordneter Manfred Ländner sagte deutlich, dass eine Streckenführung durch den Wald auf wassergebundenen Wegen "nicht zielführend" sei. Auch seine Landtagskollegin Kerstin Celina (Die Grünen) gab zu bedenken, dass mit einer schnellen und einer etwas weiteren Verbindung grundsätzlich auch beide verwirklicht werden könnten. Erstere Strecke sei beispielsweise für Pendler ideal, zweitere für Ausflugsradler.

    "Epochale" Vorschläge

    Der Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib (SPD) fand einige der besprochenen Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssituation in Kist "epochal", favorisierte aber auch die Strecke entlang der Staatsstraße. Man müsse aber vorher mit dem Land Baden-Württemberg reden, wie sie sich die Trassenführung von Gerchsheim kommend vorstellen. Dies sei eine gute Möglichkeit länderübergreifend zusammen zu arbeiten.

    Auch bei den weiteren angesprochenen Punkten konnten Fortschritte gemacht werden, sodass man in der Gemeinde nach dem Verkehrsgipfel positiv gestimmt in die Zukunft sieht. Halbleib bat darum, dass sich alle Vertreter Anfang 2019 wieder zusammensetzen sollten, um die bereits erzielten Ergebnisse zu überprüfen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Dieser Vorschlag wurde gerne aufgegriffen und Bürgermeister Faulhaber dankte für das konstruktive Treffen, das für Kist und seine Bürger viele Verbesserungen bringen werde.

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