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    Würzburg

    Klangraum 19: Leidenschaftliche Musik und tiefgründige Poesie

    Was hat Architektur mit Liebe zu tun? Und mit Musik? Oder gar mit sonnenreifen Beeren? Der kleine Amor und ein kleines und ein großes Herz auf der Eintrittskarte der "Klangraum 2019" waren jedenfalls vielversprechend. Wie geschmeidig Text und Töne, Barock und Gegenwart ineinander verschmelzen, zeigte ein Abend, zu dem die Bayerische Architektenkammer in die Würzburger Residenz geladen hat.

    Da sind die Musiker, die Vestibül und Gartensaal mit Groove füllen und barocke Detailverliebtheit und augenblickliche Stimmungen zusammen mixten. Da ist ein Poet, der mit launigen Worten und tiefgründigen Sätzen gefangen nahm und dabei einen virtuellen Spaziergang durch das hochherrschaftliche Haus anbot. Und da ist der lebensecht gemalte Hirtenbub über den Köpfen des zahlreich erschienenen Publikums, der scheinbar für diesen Abend ebenfalls seine Flöte ausgepackt hat.

    Die Musiker sprühten vor Lebenslust und Gestaltungsfantasien

    Ein Bläsertrio, Richard Roblee (Posaune), Dirk Rumig und Johannes Liepold (Saxofone und Klarinetten), stimmte unter den großen Bögen des Eingangsbereichs ein, bevor Dominik Schuck, mehrfacher Preisträger der Nationalbibliothek Deutscher Gedichte, geborener Rimparer und wohnhaft in München, mit kunstvollen Wortspielen über den Erbauer des Würzburger Prachtbaus und seine berühmten Handwerker plauderte. Seine Texte kommen leicht, lebensecht und lebensklug, bisweilen humorvoll daher, ohne die Gegenseite zu vernachlässigen.

    Mit einem kleinen Lächeln („Little Smile“) ging es tönend und fantasierend vom Gartensaal in Hofgarten, Spiegelsaal, Hofkeller und wieder zurück ins berühmte Treppenhaus. Dazu heizten die Musiker, die drei Bläser sowie Joe Krieg an der Gitarre, Uli Kleideiter am Schlagzeug und Felix Wiegand mit seinem Kontrabass ordentlich ein. Ob ein von ihnen interpretiertes Klaviertrio von Clara Schuhmann, ursprünglich für Cello, Geige und Klavier komponiert, ob Kompositionen von Felix Wiegand („Windstille“, „Südflügel“) oder von Tom Waits, ob beim jazzigen Volkslied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ - die Musiker sprühten vor Lebenslust und Gestaltungsfantasien, waren Eins mit ihren Instrumenten, denen sie als Solisten oder im Ensemble spielerisch malerische Töne, wunderbar weiche und immer wieder melodiöse Sounds entlocken. Zu ihnen gesellte sich mit natürlicher und geschulter Singstimme Sängerin und Kontrabassistin Irmi Haager.

    Kurzvortrag über Idealismus und Materialismus

    Architekt Rainer Kriebel behauptete, dass Architektur reine Emotion sei (man denke an den Brand von Notre Dame) und der Duft von frisch gegossenem Beton einem betörenden Parfum einer Schönheit ähneln kann. Als Beweis führte er Zitate von Adolf Loos, der als Wegbereiter der modernen österreichischen Architektur gilt, von Psychoanalytiker Siegmund Freud und vom altgriechischen Philosophen Platon.

    Michael Appel schlug in seinem Kurzvortrag einen interessanten Bogen vom Idealismus zum Materialismus und von der Liebe zur Architektur. Am Ende stand fest: Architektur und Liebe brauchen einander, und Klangfarben und Poesie verstärken die Abhängigkeit aller Künste zueinander.

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