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    Kleinrinderfeld

    Kleinrinderfeld: Warum der ehemalige Pfarrvikar so umstritten ist

    Eine Pfarreiengemeinschaft ist gespalten – und das auf Grund einer einzigen Person. Was ist da los bei "St. Petrus – der Fels"?
    Die Kirche in Kleinrinderfeld bei Sonnenuntergang. Bis vor Kurzem war hier Zacharias Nitunga als Pfarrvikar tätig. Dass er nach Ebern versetzt wurde, passt jedoch nicht jedem Bürger. 
    Die Kirche in Kleinrinderfeld bei Sonnenuntergang. Bis vor Kurzem war hier Zacharias Nitunga als Pfarrvikar tätig. Dass er nach Ebern versetzt wurde, passt jedoch nicht jedem Bürger.  Foto: Karl-Heinz Leukert

    Die Pfarreiengemeinschaft "St. Petrus - der Fels" ist gespalten. Zu der Gemeinschaft gehören die Pfarreien Gaubüttelbrunn, Kirchheim, Moos und Geroldshausen – und auch Kleinrinderfeld. Dort war Pfarrvikar Zacharia Nitunga im Dienst. Er ist jedoch von Bischof Franz Jung zum Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft Ebern in den Haßbergen ernannt worden. Sein Dienst in Kleinrinderfeld gehört somit der Vergangenheit an. Viele Bürger in Kleinrinderfeld empörten sich darüber und wollten bewirken, dass Nitunga in Kleinrinderfeld bleibt. Unter anderem setzten sie sich ein, weil der ehemalige Pfarrer Hans Thurn Pfarrvikar Nitunga schikaniert hätte.

    Es gibt auch kritische Stimmen

    Für die einen ist Nitunga ein Mobbingopfer, für die anderen jedoch jemand, der seinen Dienst vernachlässigt habe. Der Gaubüttelbrunner Georg Fleck hat sich bereits im Dezember 2018 schriftlich an den Generalvikar des Bischöflichen Ordinariats Würzburg gewendet. Ihm sei wichtig, die "diffamierenden und unwahren Vorwürfe" gegen Pfarrer Thurn zu widerlegen und den Fall aus objektiver Sicht zu schildern.

    Pfarrvikar Zacharias Nitunga bei einer Kommunion 2013.
    Pfarrvikar Zacharias Nitunga bei einer Kommunion 2013. Foto: Jürgen Haug-Pleichl

    Massive Vorwürfe gegen Nitunga

    Dabei äußert Fleck massive Vorwürfe gegen Nitunga: "Der Mann hat sich nicht an den Dienstplan gehalten, hat mehrmals Gottesdienste ausfallen lassen und steht nun als Opfer da?" Es sei eine Ohrfeige für die Gemeinden, die er vernachlässigt habe.

    Und auch in der Eberner Gemeinde, wo Nitunga eigentlich als neuer Pfarrvikar anfangen sollte, ist die Verärgerung groß. Zum 1. November sollte er laut Diözese Würzburg seinen Dienst antreten und Pater Rudolf Theiler unterstützen - Nitunga kam nicht.

    Kirchenpfleger möchte "Wahrheit ans Licht bringen"

    Doch es gibt auch eine andere Sicht der Dinge: Der Pfarrgemeinderat von Kleinrinderfeld hat sich ebenfalls mit einem offenen Brief an die Diözese Würzburg gewandt. "Durch die unwahren Behauptungen wird das Ansehen von Vikar Zacharias Nitunga zu Unrecht und in unangemessener Weise in den Schmutz gezogen", meinen die Mitglieder und nehmen Bezug auf die letzte Berichterstattung dieser Redaktion. Der Diözesen-Pressesprecher Bernhard Schweßinger habe darin Aussagen gemacht, die "keinen oder nur einen zweifelhaften Bezug zur Realität haben".

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    Der Kleinrinderfelder Kirchenpfleger Herbert Kratzer möchte bei einem Gespräch mit dieser Redaktion "die Lügen aufdecken und die Wahrheit ans Licht bringen". "Das ist kein Schmutzwerfen, das sind Fakten", sagt er und legt schriftliche Aussagen von Bürgern vor, die beweisen sollen, dass in der Kirchengemeinde unter anderem rassistische Witze und Aussagen gegenüber und über Pfarrvikar Nitunga geäußert wurden. Außerdem wisse er, dass die Mobbingvorwürfe von Seiten des ehemaligen Pfarrer Thurn gegenüber Nitunga wahr seien.

    "Das ist kein Schmutzwerfen, das sind Fakten."
    Herbert Kratzer, Kirchenpfleger Kleinrinderfeld

    Rassistische Aussagen

    Ein anderer Bürger geht noch weiter: In einer unterschriebenen Stellungnahme, die dieser Redaktion ebenfalls vorliegt, behauptet Thomas Scheuermann aus Kleinrinderfeld, dass Pfarrer Thurn dem Kirchenpfleger gegenüber zugegeben habe, gesagt zu haben "den Nitunga lege ich an die Kette" sowie "mit den Kleinrinderfeldern werde ich fertig." Scheuermann sei, wie auch der gesamte Pfarrgemeinderat, Zeuge davon gewesen. "Das ist purer Rassismus", sagt Herbert Kratzer. Und auch für die Unterstellung, Nitunga habe mehrere Gottesdienste ausfallen lassen, gebe es eine einfache Erklärung, deren Schuldiger ebenfalls Thurn sei. "Die Dienstpläne wurden ohne des Wissens von Nitunga geändert", so Kratzer. Der Pfarrvikar habe also nicht wissen können, dass die Bürger in der Kirche auf ihn warteten. An einem anderen Tag sei er außerdem für zwei Dienste zur selben Zeit eingetragen worden.

    "Sinngemäß könnte ich es so gesagt haben", gibt Thurn dieser Redaktion gegenüber zu. Rassistisch sei der Satz allerdings keinesfalls gemeint gewesen. "Ich habe nur versucht, Nitunga so in das System einzubinden." Auch die Mobbingvorwürfe weise er von sich, sein einziges Bestreben sei gewesen, seiner Verantwortung im Ort nachzukommen. 

    "Ich habe nur versucht, Nitunga so in das System einzubinden."
    Pfarrer Hans Thurn

    Georg Fleck, der wie oben angeführt kritisch zu Nitunga steht, weiß Thurn zu verteidigen: Er habe Nitunga lediglich aufgefordert, seine Dienste ordentlich und in entsprechender Anzahl zu absolvieren. "Aussagen, dass er missachtet, übergangen, brüskiert und schikaniert wird, führt er nur als Schutzschild auf, um von seiner Bequemlichkeit, Unkollegialität und von seinem mangelnden Einsatz abzulenken", so Fleck. Eine Hauptschuld der ganzen Misere trage seiner Meinung nach die Vorgesetzten im Ordinariat Würzburg, denn diese "schauen ohnmächtig zu", wie Nitunga sich seinen Anordnungen widersetzt. "Sanktionen und klare Konsequenzen fehlen völlig."

    Nitunga noch immer nicht im Dienst

    Wie auch schon bei der letzten Berichterstattung möchte sich Zacharias Nitunga zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu den Umständen äußern. Und auch von der Diözese Würzburg fällt die Antwort bescheiden aus. "Pfarrvikar Nitunga ist noch nicht im Dienst. Das Personalreferat des Bischöflichen Ordinariats Würzburg ist mit ihm in Kontakt", schreibt Pressesprecher Bernhard Schweßinger auf Anfrage. Am 10. Dezember habe er jedoch schriftlich seine Bereitschaft zu einem Gespräch sowie zum Stellenwechsel erklärt beziehungsweise bestätigt. "Das Gespräch wird baldmöglich stattfinden und auch den künftigen Einsatz Nitungas klären."

    Die Diözese nehme mit der Versetzung Nitungas ihre Verantwortung für das Gesamt der Gemeinden und das pastorale Personal im Bistum Würzburg wahr. "Vorwürfe und entstandene Verletzungen werden im direkten Gespräch der Verantwortlichen der Diözese mit den betroffenen Personen und mit den betroffenen Gemeinden geklärt und aufgearbeitet", so Schweßinger.

    Auf die Frage, wie es sein kann, dass sich ein Pfarrvikar so leicht einem Stellenwechsel entziehen kann, kam auch nach wiederholter Anfrage keine Reaktion.

    Zur Person Zacharias Nitunga
    Zacharias Nitunga wurde 1961 in Makamba im Ostafrikanischen Burundi geboren. Nach dem Studium in Bujumbura und Burasira weihte ihn Papst Johannes Paul II. 1990 in Bujumbura zum Priester. Anschließend wirkte Nitunga im Bistum Bubanza. Von 1997 bis 2000 bildete sich Nitunga als Krankenhausseelsorger in Heidelberg und Straßburg fort. Von 2001 bis 2009 wirkte er als Flüchtlingsseelsorger sowie als Krankenhaus- und Aushilfspriester im Erzbistum Freiburg. Zugleich studierte er an der Pädagogischen Hochschule Freiburg Diplom-Pädagogik und Social Engineering. Seit 2009 ist Nitunga als Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft "St. Petrus - der Fels" tätig. Am 1. November 2019 sollte er eigentlich in der Gemeinde Ebern als Pfarrvikar anfangen. 
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