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    Würzburg

    Klimakrise: Was kommt auf Unterfranken zu?

    Das Klima bewegt: 2000 Teilnehmer der Fridays-for-Future-Bewegung demonstrierten in Würzburg am 24. Mai 2019 vor der Europawahl für mehr Klimaschutz. Foto: Silvia Gralla

    Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird es heiß in Unterfranken. Davon ist ein Forscherteam um den Klimatologen Professor Heiko Paeth von der Universität Würzburg überzeugt. Er und seine Kollegen erstellen mit neuen Methoden regionale Klimamodelle für Unterfranken, bis auf den einzelnen Kilometer genau. Das "BigData@Geo"-Projekt, gestartet 2018, wird von der EU mit 1,9 Millionen Euro gefördert. Erstes exklusives und erschreckendes Ergebnis: 

    Wenn wir nichts radikal ändern, wird sich bis 2099 mancherorts in Unterfranken die Zahl der Hitzetage verfünffacht haben. Als Hitzetage bezeichnen die Wissenschaftler Tage, an denen das Thermometer über die 30 Grad-Marke klettert. "Während wir zwischen 1970 und 1999 im Schnitt nicht mehr als fünf Hitzetage in der Region verzeichnet haben, ist bei ausbleibender ökonomisch-ökologischer Kehrtwende eine deutliche Zunahme gegen Ende des Jahrhunderts, also zwischen 2070 und 2099 zu erwarten", sagt Daniel Schönbein aus dem Forscherteam. Derzeit gebe es in Unterfranken je nach Ort sechs bis zehn Hitzetage - im Schnitt bis zu fünf mehr als im Zeitraum 1970 und 1999.

    "Unterfranken ist ein Hotspot des Klimawandels" - davon ist Klimatologe Heiko Paeth überzeugter denn je. Es gebe nur zwei Regionen in Deutschland, die noch trockener sind als das Maindreieck: das Leipziger Becken und die Magdeburger Börde. Während sich die Erde seit Beginn der flächendeckenden Messungen im Jahr 1881 um 0,9 Grad erhitzt hat, waren es in Unterfranken im gleichen Zeitraum zwei Grad. Unterfranken hat sich damit mehr als doppelt so stark erwärmt als Regionen im weltweiten Durchschnitt. Die Folge sind Hitzesommer und Dürreperioden auf der einen, Hochwasser und Sturzfluten auf der anderen Seite. Dazu kommen Extremwetterereignisse wie Hagel, Gewitter und Tornados. 2018 war deutschlandweit das wärmste Jahr seit 1881.

    "Wenn wir keine Vorsorge treffen, müssen wir mittel bis langfristig damit rechnen, dass es mancherorts in Unterfranken Probleme mit dem Trinkwasser gibt."
    Eugen Ehmann, Regierungspräsident von Unterfranken

    "Wenn wir keine Vorsorge treffen, müssen wir mittel bis langfristig damit rechnen, dass es mancherorts in Unterfranken Probleme mit dem Trinkwasser gibt", sagt Regierungspräsident Eugen Ehmann. Konkret heißt das, dass dann zu wenig Wasser gefördert wird, dass es zu Druckverlusten im Netz kommt, dass Speicherkapazitäten fehlen oder zunehmende Temperaturen in den Behältern und Leitungen die Wasserhygiene beeinträchtigen und in der Folge Keime ins Trinkwasser gelangen. 62 Prozent aller unterfränkischen Wasserversorger mit eigener Wassergewinnung sind der Meinung, es sei dringend notwendig, die Wasserversorgung mit Blick auf den Klimawandel anzupassen.

    "Zunehmende Wasserknappheit ist eine der größten Bedrohungen für die EU-Wirtschaft und ihre ökologischen Grundlagen", warnt die Europäische Kommission. Schon jetzt ist Wasser in mehr als einem Drittel des EU-Gebiets ganzjährig knapp. Der Klimawandel wird die Lage weiter verschärfen, so auch in Unterfranken: Die Grundwasservorkommen und Quellschüttungen nehmen ab.

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    Auf der anderen Seite nimmt die Gefahr der Bodenerosion zu. Sie belastet die Gewässer, kann ganze Orte gefährden und die Wirtschaftsgrundlage der Landwirte dezimieren. "Wenn innerhalb von einer Stunde bis zu 100 Liter Starkregen runtergehen, fängt der Boden das Marschieren an", sagt Andreas Maier, Bereichsleiter Ernährung und Landwirtschaft der Regierung Unterfranken. Hier sind vor allem 1,5 Prozent der Bevölkerung gefordert: die Landwirte. Denn 42 Prozent der Fläche Unterfrankens werden landwirtschaftlich genutzt. "Für die Landwirte ist der Klimawandel eine extrem große Herausforderung."

    Trüffel, Ingwer und Kiwibeeren in Unterfranken

    Andreas Maier nennt Beispiele: 3000 Kilometer grüne Puffer- und Filterstreifen, der Anbau von Zwischenfrüchten oder pfluglose Saatverfahren, die die Regenwurmpopulation steigern, sollen helfen, das Wasser im Boden zu halten und Erdabschwemmungen zu vermeiden. Auf 7000 Parzellen in Unter- und Mittelfranken laufen Versuche, welche Weizensorten sich bei Trockenheit eignen. 

    Hermann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, ergänzt: Man teste neue Obst- und Gemüsearten wie Trüffel, Ingwer und Kiwibeere, Klimabäume der Zukunft, trockenstresstolerante Unterlagen bei Reben. Man befasse sich mit wasserschonender Bewirtschaftung, der Prävention gegen Frostschäden und Klimawandel bedingten invasiven Krankheiten und Schädlingen.

     

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