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    Würzburg

    Klimawandel und Turbinen: "Viele Fischarten haben es schwer"

    Wolfgang Silkenat, Fischereifachberater beim Bezirk Unterfranken, informiert mit seinem Team auf der Mainfranken-Messe über Fisch aus Franken. Foto: Patty Varasano

    Im Herbst kann man an den Mainufern kuriose Szenen beobachten: An verschiedenen Stellen werden Hunderte Fische wie Karpfen, Schleie oder Jungaale in den Fluss geworfen. Der Grund: Angler und Berufsfischer versuchen mit diesem Fischbesatz die Artenvielfalt im Main aufrechtzuerhalten und zu verbessern. "In den letzten 40 Jahren ist viel passiert am Main", sagt Wolfgang Silkenat, Fischereifachberater beim Bezirk Unterfranken. In den 1970er Jahre sei die Belastung durch Einleitungen und Abwässer noch sehr hoch gewesen. Durch den Bau moderner Kläranlagen ist die Wasserqualität heute deutlich besser und es leben wieder etwa 50 verschiedene Fischarten im Main. Bei der Mainfranken-Messe gibt es viele dieser heimischen Fische in Halle 11 zu sehen - in gut zwei Dutzend Aquarien am Stand des Bezirks. Köche aus der Region bereiten Fisch dort auch zum Probieren zu. 

    Wie geht es den Fischen im Main?

    Wolfgang Silkenat: Den Fischen geht es wieder gut, weil es jetzt kühler geworden ist. In diesem Jahr wurde der Main stellenweise bis zu 29 Grad warm, das hat einigen Fischen zugesetzt. Wenn durch die mittelfränkischen Seen nicht Donauwasser zu uns in den Main geleitet würde, hätten wir schon einen Kollaps erlebt. Sogar in der Rhön waren in diesem Sommer einige Bäche ausgetrocknet. Das habe ich in meiner Amtszeit noch nicht erlebt.

    Macht der Klimawandel Probleme?

    Silkenat: Der Klimawandel macht den Fischen und den Fischern, vor allem den Teichwirten Probleme. In Unterfranken gibt es etwa 25 000 Angler und 500 Flussfischer sowie etwa 300 Teichwirte. Viele Forellen-Teichwirte sind verunsichert, wie sie ihre Teiche trotz Klimawandel bestellen sollen. Manche überlegen schon, ihre Teiche in Karpfenteiche umzuwandeln oder ganz aufzugeben. Forellen brauchen viel kühles und sauerstoffreiches Wasser. Die Teiche werden oft von Bächen oder Quellen gespeist, die in den letzten Trockenperioden immer weniger Wasser führten. In diesem Sommer mussten einige Forellenwirte Notabfischungen durchführen. Der Karpfen mag es dagegen warm und kommt auch mit weniger Sauerstoff zurecht. Er hat deshalb weniger Probleme mit dem Klimawandel.

    Welche Fische leben im Main?

    Silkenat: In den hiesigen Gewässern leben etwa 40 bis 50 verschiedene Fischarten, von denen man die meisten essen kann. Barbe, Brachse, Schleie, Rotfeder, Rotauge, Hecht, Barsch, Zander, Aal oder Karpfen sind die wichtigsten heimischen Speisefische.  

    Immer wieder fischen Angler riesige Welse aus dem Main. Wie kommt das?

    Silkenat: Der Waller oder Wels kam ursprünglich nicht im Main vor, er ist ein Donaufisch. Er ist der größte Süßwasserfisch in Europa und kann sogar über 60 Jahre alt werden. Irgendwie ist er über die Verbindung der Wasserstraßen wohl hier angekommen. Er hat im Main ausreichend Futter und liebt tiefe Flussstellen und Unterstände, in denen er sich gut verstecken und zu solchen Größen heranwachsen kann. Wels schmeckt prima und lässt sich gut vermarkten. In vielen Gaststätten ist Waller im Wurzelsud eine regionale Delikatesse. Auf den Fischmärkten wird Waller von den Mainfischern auch geräuchert angeboten. Das grätenarme und saftige Fleisch ist geräuchert besonders lecker.

    Auf der Mainfranken-Messe kann man mit dem Fischereifachberater Wolfgang Silkenat ins Gespräch kommen.  Foto: Patty Varasano

    Was ist mit gefährdeten Arten?

    Silkenat: Viele Fischarten haben es schwer, sich in der Bundeswasserstraße Main fortzupflanzen. Besonders kieslaichende Arten wie Barbe und Nase haben es im gestauten Main schwer geeignete Laichplätze zu finden. Auch Hechte, Schleien und Karpfen vermehren sich nur schleppend. Der europäische Aal, der einstige Brotfisch der Mainfischer, ist mittlerweile gefährdet. Wie er werden viele andere Fische bei ihren flussabwärts gerichteten Wanderungen durch Wasserkraftanlagen verletzt oder gar getötet. Dies sind nur einige der Gründe, warum über 70 Prozent unserer Fischarten auf der "Roten Liste" bedrohter Tierarten stehen. 

    Machen die Grundeln aus dem Schwarzmeergebiet immer noch Probleme?

    Silkenat: Für die Angler sind Grundeln eine echte Plage. Viele Petrijünger fangen seit Jahren beinahe ausschließlich diese kleinen Fische, welche sich vom Schwarzen Meer aus Tausende Kilometer nach Westen vorgekämpft haben. Die Tiere nutzten den Rhein-Main-Donau-Kanal und eroberten so den Main. Hier fressen sie zuweilen den Laich einheimischer Fischarten. Inzwischen haben die Raubfische des Mains die kleinen Grundeln als neue Nahrungsquelle entdeckt und dezimieren die Bestände etwas. Und auch viele Angler machen aus der Plage eine Tugend und bereiten die gar nicht so schlecht schmeckenden Grundeln  zum Beispiel als Grundelspieße auf dem Grill oder in der Pfanne zu.

    Ein Lachs aus der Nähe: In zwei Dutzend Aquarien zeigt der Bezirk Unterfranken, welche Fische im Main leben und was sich unter den Wasseroberflächen abspielt.  Foto: Patty Varasano

    Gibt es Betrebungen, Lachse im Main anzusiedeln?

    Silkenat: Früher gab es Lachse und sogar Störe im Main. Vor etwa 20 Jahren gab es einen Versuch zur Wiederansiedlung des Lachses in Unterfranken. Die in Sinn und Fränkischer Saale ausgebrachten Lachseier entwickelten sich hervorragend. Nach etwa zwei Jahren wanderten die kleinen Lachse über den Main Richtung Meer ab. Dabei schwimmen natürlich viele der kleinen Lachse durch die Turbinen und werden dabei getötet. Das lässt sich mit dem Tierschutz nicht vereinbaren. Daher haben wir auf eine Fortführung der Versuche verzichtet und wollen mit einem Lachsbesatz warten bis an allen Mainkraftwerken moderne Auf- und Abstiegseinrichtungen nachgerüstet wurden.

    Viele Leute können heute keinen Fisch mehr zubereiten . . .

    Silkenat: Das lässt sich ändern. Wir bieten an unserem Teichwirtschaftlichen Beispielsbetrieb in Maidbronn immer wieder Fischkochkurse, Kurse zum Räuchern und Kurse zum Verwerten von grätenreichen Fischen an. 

    Mainfranken-Messe und Fischmarkt
    Die Mainfranken-Messe läuft am Talavera-Mainufer in Würzburg noch bis Sonntag, 6. Oktober. Geöffnet sind die Zelte von 9.30 bis 18 Uhr, letzter Einlass ist um 17 Uhr.
    Erwachsene zahlen 9,50 Euro Eintritt, Schüler, Studenten und zur Ermäßigung berechtigte Personen 8 Euro. Das Familienticket für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder unter 17 Jahren kostet 21 Euro. Wer an der Kasse ein gültiges Bayern-Ticket der Deutschen Bahn vorzeigt, muss laut Messeveranstalter AFAG ebenfalls nur den ermäßigten Preis bezahlen. Außerdem gilt das Messeticket als Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel im VVM-Verbundgebiet.
    Ein traditioneller Fischmarkt findet am kommenden Samstag, 12. Oktober, von 9 bis 13 Uhr am Marktplatz in Randersacker (Lkr. Würzburg) statt. Dort gibt es Fischgerichte und Federweißer sowie Frisch- und Räucherfisch zu kaufen.

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